Sowohl in der Familie ihrer Mutter als auch in der ihres Vaters sind Menschen durch Ertrinken ums Leben gekommen, wundert sich Dolores Price, und auch sie droht an den Grausamkeiten des Lebens ganz langsam und allmählich zu ertrinken ...
Schon als kleines Mädchen bekommt sie mit, wie ihr Vater sich einer reichen Frau hingibt, bloß um sich Haus, Auto und Pool leisten zu können. Später verläßt er die Familie ganz, die Mutter zerbricht und muß vorübergehend in eine Klinik. Dolores lebt von nun an bei der sehr konservativen Großmutter, mit der sie sich nicht versteht ; und auch als die Mutter wieder zu ihnen stößt bietet sie dem Mädchen keinen Halt, kann ihn ihr nicht bieten. In der neuen Schule wird Dolores die Außenseiterrolle zuteil, was sich auch später am College nicht ändern wird. Und der coole, gutaussehende Nachbar, der ganz genau weiß, wie er sich das unsichere Mädchen gefügig machen kann, vergewaltigt die 13-Jährige. Von nun an bestimmen wahllose Freßattacken abwechselnd mit Schuldgefühlen das Leben von Dolores. Immer wieder sucht sie Halt, Liebe, Verständnis, und immer wieder wird sie enttäuscht. Doch ob es ihr schließlich doch noch gelingen wird, sich vorm Ertrinken zu retten, das soll hier nicht verraten werden.
Dies ist ein wunderschöner Schmöker, der einen gleichermaßen zum Lachen und zum Weinen bringt, einen mitleben läßt mit Dolores Price, und den man nicht mehr aus den Händen legen möchte. Viel zu nahe geht einem Dolores Price` Leben, die nicht nur Opfer ist, sondern auch ganz erstaunliche Kräfte entwickelt. Gerade durch ihre nicht ganz korrekten Versuche, sich gegen diese Welt, die sie nicht versteht, zur Wehr zu setzen, oder sich doch zumindest ihr soweit als möglich anzupassen, ist diese Figur so real, so absolut menschlich.
Ich empfehle dieses Buch sowohl Lehrern, die ihre Schüler fürs Lesen begeistern wollen (Gesprächsstoff für den Unterricht dürfte es mehr als ausreichend bieten!), als auch allen Mädchen und Frauen als absolut mitreißende Urlaubs- oder Buchclub-Lektüre. Es hat zudem den Vorteil, daß es sich zum wiederholten Lesen eignet ; so vieles passiert in Dolores` Leben, daß man es sich beim einmaligen Lesen kaum merken kann.
Letztendlich kann man es wohl kaum besser fassen als das People Magazine, das über Wally Lamb`s "Die Musik der Wale" schrieb:
"There are at least two surprises in store for readers of Lamb`s memorable debut novel. One is the author`s sex. This male writes so convincingly in the voice of a female, tracing her life from 4 to 40, that you have to keep looking back at the jacket picture just to make sure. The second surprise is how such a string of trials and tribulations can add up to such a touchingly funny book ...." (Klappentext der engl. TB-Ausgabe)