Ich habe dieses Buch erst durch eine Empfehlung DER ZEIT entdeckt (ca. 2005). Ab dem 1. Satz war ich von dem Buch gefesselt und erzählte meinem Mann davon. Da erzählte er mir, dass er die Geschichten schon damals von seinen Eltern vorgelesen bekommen hat - also vor ca. 40 Jahren ;o). Die Originalausgabe müsste auch so etwas um 1962 herausgekommen sein.
Die Autorin selbst hat einfache Strichzeichnungen dazu erstellt, die jedoch völlig ausreichend sind, dem Ganzen noch mehr Leben einzuhauchen.
Der Schreibstil ist wie gesagt gleich fesselnd angenehm. Die Geschichten und Figuren scheinen auf den 1. Blick skurril, verwirrend (häh, was ist jetzt/wo bin ich jetzt), doch liest man weiter, rutscht man immer mehr in eine "ganz andere Welt" UND stellt fest, die erleben ja das gleiche wie wir auch, sie sehen nur anders aus.
Es sind nicht die typischen Gut/Böse-Märchen, sondern tiefenpsychologisch Verstecktes. Es ist aber so schön, lebhaft, märchenhaft, witzig, ironisch, nachvollziehbar, romantisch geschrieben, dass niemals eine Gefühl von Belehrung auftritt.
Wirklich sehr empfehlenswert als (Vor)lesebuch - vor allem nicht nur für etwas größere Kinder. DIE ZEIT empfahl es ab etwa 7 Jahren (...pockennarbige Monster in Erscheinung treten, jüngere Kinder mit der Intensität der geschilderten Gefühle und inneren Konflikte stark zu bewegen, wenn nicht zu ängstigen scheinen...).
Die Figuren sind z.B. kleine winzige Drachen, Nilpferdähnliche Kleinwesen, spindeldürre Ästchengestalten oder Trolle.
Ein einsamer Wanderer sucht nach einer Melodie und wird durch ein auftauchendes, lebhaftes Wesen daran gestört. Zuerst ist er deswegen ungehalten...
Ein Junge träumt sich lebhaft in eine Situation hinein, was seine Eltern beunruhigt. Sie empfinden, wenn sie nachfragen, wo er war, und er erzählt im Krieg, natürlich als Lüge. Schmollend haut er ab und trifft auf ein Mädchen, dass dermaßen "lügt" (auf seine Traumwelt total einsteigt und sie sogar noch übertrifft), dass er total gekränkt ist...
Ein Mädchen wurde unsichtbar, weil seine Tante immer so zynisch, gemein zu ihr war. Nun kommt sie zu einer Familie, die sie wieder sehen möchte...
Der Muminvater bewundert die Trolle, die so unabhängig, frei und unerreichbar sind. Er flüchtet aus seiner Familie, da er sich dort eingeengt fühlt und landet auf einem Trollboot. Sie sprechen nicht mit ihm, sie beachten ihn nicht. Allmählich spürt er, dass die Trolle Getriebene sind. Sie sind ständig auf der Suche nach einem Gewitter, anscheinend beziehen sie dorther ihre Lebensenergie...