Die lebende Mumie Ramses streift durch England...
Allerdings nicht in den ueblichen schmuddeligen Mullbinden, schliesslich haben wir es hier mit dem Koenig Ramses zu tun. Von diesem Klischee hat er sich befreit, gleich nachdem er die wunderschoene (und reiche!) Julie vor dem Mordversuch ihres fiesen Cousins bewahrt hat .Bei ihrem Vater hat er das nicht geschafft, aber das Buch braucht ja schliesslich eine Uebeltat samt dazugehoerigem Uebeltaeter, und beider werden schon auf den ersten 5 Seiten klar erkennbar geliefert. Wie gesagt, kein verrottender Vollbandagierter mit Grobmotorik und einem 10-Wort Vokabular, sondern ein umwerfend strahlend goettlich aussehender Unsterblicher, der Englisch in 12 Stunden lernt.
Und damit waeren wir bei dem, was mir an diesem Buch einfach nicht schmecken will: Jeder Darsteller ist entweder wunderschoen oder reich, und wenn er beides ist, hat er oder sie sogar gute Chancen, das Ende des Romanes mitzuerleben. Wer auch nur annaehernd normal ist, wird frueher oder spaeter im Interesse des Spannungsbogens verheizt.
Bei mir entsteht dadurch der Eindruck, dass Anne Rice entweder meint, ueber jemanden, der nicht betaeubend schoen, sexy ohne Ende, superreich und mit uebermenschlichen Faehigkeiten ausgestattet ist, will eh` keiner was lesen, oder dass sie diese bigger-than-life Charaktere einfach braucht, um ein fesselndes Buch zu schreiben.
Und fesselnd ist dieser Roman auf jeden Fall, romantisch, packend, und trotz der ueberlebensgrossen Charaktere ueberzeugend und phantasievoll. Selbst wenn die Figuren ueberzogen sind, bringt die Erzaelkunst der Autorin es doch ferig, dass sie nicht Ueberzogen wirken. Und wenn dieses Buch deutlich unter Escapist-Fantasy faellt, was soll`s, der Leser wird auf jeden Fall ausgezeichnet unterhalten dabei. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)