Im Zeichen der prosperierenden frühen 1990er Jahre legte Peter Gross mit seinem Buch eine treffende Analyse vor.
Für ihn besitzt die westliche Moderne einen "faustischen" Charakter, der sich selbst immer weiter antreibt und alle möglichen Grenzen sprengt. Damit eröffnen sich für alle Gesellschaftsmitglieder immer neue Optionen, die in der Modernität die "Entzauberung der Welt" (Max Weber) mit sich bringt. Die Gesellschaft wird "multioptional", womit jedes Gesellschaftsmitglied versucht, die besten Optionen für sich zusammenzustellen. Gross fasst diese Prozesse in ein Dreipunkteprogramm zusammen: Permanente Steigerung der Handlungsmöglichkeiten, Teilhabe an den Gesamtmöglichkeiten und Garantie zumindest minimaler Möglichkeiten an offerierten Handlungsmöglichkeiten.
Insbesondere die Religion verliert dabei ihre prägende normative Kraft, die dem Menschen ein berechnebares Leben im Diesseits mit der Hoffnung auf einen transzendenten "Himmel" eröffnet. An dessen Stelle tritt in Analgie zu Durckheim die "Anomie". Eine regellose Existenz der Multioptionalität.
Hierbei stellt Gross vier Gründe für die beschriebenen Prozesse dar: Aufklärung, Entzauberung der Natur, Vermarktung aller Lebensbereiche und Demokratisierung aller Lebensverhältnisse. Da die Steigerung der Möglichkeiten immer neue Möglichkeiten eröffnet, schlägt Gross die "Differenzakzeptanz" als Lösung vor. Der Mensch soll das Leben so akzeptieren, wie es im Hier und Jetzt ist, da alle Optionen auf die Zukunft verweisen. Es soll eine "Entschleunigung" der Prozesse stattfinden und das, was gegeben ist, möglichst an alle Menschen weitergegeben werden, was in der Finalität eine "zweite Aufklärung" bedeutet.
Das Buch von Peter Gross ist auch heute noch aktuell. Und die beschriebene Steigerung der Multioptionalität wird treffend analysiert. Warum nur vier Sterne?
Da Gross am Ende Idealist bleibt. Denn wer soll diesen Beschleunigungsprozessen Einhalt gebieten? Gerade im Zeichen des Ende der "Wachstumsgesellschaft", die im Sinen Luhmanns zu einer "Exclusionsverkettung" führt, da immer mehr Menschen von der Multioptionalität aufgrund fehlender Arbeitsplätze und hoher Arbeitslosigkeit von sich bietenden Optionen ausgeschlossen werden. Zudem gewinnt die Religion seit dem 11.09.2001 in der islamischen Welt und den globalen muslimischen Diasporagemeinden immer weiter an einer normativen Prägekraft als solidaritätststifendendes Element der Inklusion. Damit wird auch die "Multioptionsgesellschaft" ihr Ende finden, da keine Chancengleichheit existiert.
Trotzdem empfehlenswert.