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5.0 von 5 Sternen
Die Folgen des Monotheismus, 10. Februar 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Mosaische Unterscheidung: oder der Preis des Monotheismus (Taschenbuch)
Jan Assmann hat bereits seit einigen Jahren (mit seinem Buch Moses, der Ägypter) für große Diskussionen in der Theologie gesorgt. Mit seiner These, daß mit der Einführung der sogenannten "mosaischen Unterscheidung", also der mit dem Monotheismus verbundenen Unterscheidung von "wahr" und "falsch" in der Religion ein bestimmtes Netz intoleranter Dogmatismen in allen monotheistischen Religionen einhergeht, hat er sich den Widerspruch von insbesondere katholischen Alttestamentlern eingehandelt. Im vorliegenden Buch antwortet Assmann auf die teilweise hysterisch vorgetragenen Vorwürfe in ruhiger und wissenschaftlich-sachlicher Weise. Für Assmanns Fairneß spricht, daß er einige gegen ihn gerichtete Aufsätze im Anhang seines Buches abdruckt, damit sich der Leser ein eigenes Bild machen kann. Seine These indes hat an Provokationskraft nichts verloren. Gleich, ob man sie in letzter Konsequenz teilt, oder nicht - eine Herausforderung bleibt mit Assmanns These verbunden, auch wenn er sie selbst nicht explizit stellt: Ist es an der Zeit, die mosaische Unterscheidung heute zu überdenken, wenngleich Assmann betont, daß sie nicht rückgängig zu machen ist? Diese Anfrage trifft ins Mark der Religionskritik, für die die christliche Theologie außer in der Religionstheologie Friedrich Schleiermachers immer noch keine befriedigende Antwort gefunden hat. Kein Wunder, daß der Widerspruch gegen Assmann eher aufgeregt, als kraftvoll ist - das Ausmaß der These Assmanns scheinen seine Gegner mehr zu ahnen, als zu erkennen. Assmanns Buch ist einer der erfreulichsten Beiträge zur Religionsgeschichte, aber auch zur Kulturtheorie der letzten Jahre. Erstaunlich, daß es ein Ägyptologe schafft, Kulturwissenschaft und Theologie in Atem zu halten. Auch für den nicht vorgebilteten Leser ist das Buch leicht zu lesen, auch ohne die vorherige Lektüre von Moses, der Ägypter. Ganz gleich, ob man seine These teilt, oder nicht: an Assmann wird man nicht vorbeikommen.
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dem Monotheismus auf der Spur..., 21. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Mosaische Unterscheidung: oder der Preis des Monotheismus (Taschenbuch)
Bittere Reaktionen seitens zahlreicher Theologen - einige dieser Reaktionen sind im Originalton im Anhang dieses Buches aufgeführt - hat Jan Assmanns Rede von der "Mosaischen Unterscheidung" ausgelöst. Bei diesem Buch hier handelt es sich um eine Antwort Assmanns auf die zahlreichen Vorwürfe, die ihm aufgrund der in seinem Buch "Moses der Ägypter" eingeführten "Mosaischen Unterscheidung" ebtgegengebracht wurden. Mit der "Mosaischen Unterscheidung" charakterisiert Assmann den wesentlichen Unterschied zwischen Monotheismus und Polytheismus. Dabei entspricht nicht schon der Unterschied vom Bekenntnis an einen (den) Gott (Monotheismus) oder an viele Götter (Polytheismus) der Mosaischen Unterscheidung, sondern vielmehr die durch den Monotheismus aufgeworfene Frage zwischen richtig und falsch bezüglich der Religion. Erst der Monotheismus stellt alle ihn umgebenen Religionen und Kulte als "falsch" dar, da ein Bekenntnis an den einen Gott kein weiteres Bekenntnis zu anderen Göttern erlauben und dulden kann, daher "argwöhnt" der Monotheismus allen anderen Kulten, was wiederum auch in Gewalt und Intoleranz gegenüber deren Anhängern umschlagen kann. Jan Assmann selbst ist der christlichen und monotheistischen Tradition - nach Eigenaussage - absolut verbunden. Von einer gnadenlosen Abrechnung mit dem Monotheismus - und schon gar mit Juden- und Christentum (die "M. U. tritt nach Assmann schon unter Echnaton im alten Ägypten auf) - lässt sich beim vorliegenden Buch sicher nicht sprechen. Assmann selbst bedauert hier die Missverständlichkeiten, die durch sein Buch "Moses der Ägypter" ausgelöst wurden und gesteht auch eigene hermeneutische Fehler ein, versucht aber seine These von der "Mosaischen Unterscheidung" aufrecht zu halten. Das Assmann auch in der Theologie "fruchtbar" gelesen werden kann hat jüngst erst Arnold Angenendt mit seinem Werk "Toleranz und Gewalt" gezeigt. Denn für Assmann führt gerade der Monotheismus zu einem mehr an "Innerlichkeit" in der Religion, da die "Mosaische Unterscheidung", also die Frage nach wahr und falsch, innerlich vollzogen werden muss und somit zur Herzenssache wird (S. 156). Eine Verwerfung des Monotheismus ist für ihn ebenso unmöglich wie die Rückkehr zu früheren Kultformen (S. 25), denn der Monotheismus ist "vor allem auch eine zivilsatorische Leistung", in der es allen voran um Gerechtigkeit geht (S. 65). Insgesamt ist das Buch eingängig lesbar - keineswegs eine ausgepfeilte Expertensprache, sondern sehr flüssig und für Mitdenkende spannend lesbar(!!!)-, in dem vor allem die wirksamen psychohistorischen und -soziologischen Mechanismen bei der Entstehung des Monotheismus geklärt werden, gerade auch im Vergleich zu früheren Kultformen. Darüber hinaus zeigt Assmann seine eigene Rezeptionsgeschichte auf, die vor allem in Anlehnung aber auch in Abgrenzung zu Freud zu suchen ist. Wer sich mit dem Thema der "Mosaischen Unterscheidung" eingängig beschäftigen möchte, ist das Buch bestens zu empfehlen. Aber zum noch besseren Verständnis der Debatte ist die Lektüre von "Moses der Ägypter" und die eines weiteren Assmann Werks, "Das kulturelle Gedächtnis" - m. E. ein Referenzwerk -, "wärmstens" zu empfhelen.
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22 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Abrechnung mit dem Wahrheitsanspruch des Monotheismus!, 12. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Mosaische Unterscheidung: oder der Preis des Monotheismus (Taschenbuch)
Als Jan Assmann 1998 sein Buch "Moses der Ägypter" auf den Markt brachte, brach, vor allem von religiöser Seite, ein Sturm der Entrüstung los. Assmann habe den monotheistischen Religionen den Krieg erklärt und verherrliche gleichzeitig den Polytheismus. Diese Kritik entzündete sich vor allem an der These von der Mosaischen Unterscheidung". Daher hat sich der Autor 2003 diesem Punkt noch mal in Buchform genähert und unter dem Titel "Die Mosaische Unterscheidung - Oder der Preis des Monotheismus" veröffentlicht. "Den Kernpunkt dieser Wende bezeichne ich mit dem Begriff 'Mosaische Unterscheidung". Nicht die Unterscheidung zwischen dem Einen Gott und den vielen Göttern erscheint mir das Entscheidende, sondern die Unterscheidung zwischen wahr und falsch in der Religion, zwischen dem wahren Gott und den falschen Göttern, der wahren Lehre und der Irrlehre, zwischen Wissen und Unwissenheit, zwischen Glaube und Unglaube" (12f.). Diese Wende" begann nach Assmann auf dem Berg Sinai und bleibt bis heute eine der weitreichendsten Revolutionen der Weltgeschichte. Moses brachte zwar nicht den Hass allgemein, aber "eine neue Art von Hass" (95) in die Welt, nämlich den religiös motivierten Hass auf die Anhänger der alten Götter, die kurz und bündig als Heiden oder Ungläubige gebrandmarkt wurden. Intoleranz ist für Assmann geradezu ein konstituierendes und zentrales Element des Monotheismus, da sich die eine und absolute Wahrheit nur gegen ein Anderes, ein Negatives, erfolgreich propagieren lässt (vgl. 26). Dabei betont der in Heidelberg lehrende Ägyptologe immer wieder, dass er den Monotheismus nicht verteufeln will. Auch gehe es ihm nicht darum, die "Mosaische Unterscheidung", also die Unterscheidung zwischen wahr und falsch, aufzuheben, was in einem zynischen Nihilismus enden würde. Allerdings betont Assmann in einem der letzten Sätze der Darstellung "werden wird diese Unterscheidung nicht mehr auf eine für allemal festgeschriebene Offenbarung gründen können" (165). Sprich, ja zur Unterscheidung zwischen wahr und falsch, aber nicht auf Grundlage einer alten, gewaltverherrlichenden und sich ständig widersprechenden Textsammlung. Auch wenn Assmann sich selbst als Christ bezeichnet und seinen Respekt vor den monotheistischen Religionen betont, rechnet die "Mosaische Unterscheidung" gnadenlos mit dem absoluten Wahrheitsanspruch des Monotheismus ab. Die (atheistische) Hypothese, dass der Glaube ein von Menschen gemachtes Konstrukt zwecks Identitätsstiftung sei, setzt Assmann voraus. Auch bezeichnet er einen seiner kirchlichen Kritiker als "verbittert und verblendet" (74), was seine Vorbehalte deutlich zum Ausdruck bringt. Fazit: Ein hervorragender Beitrag zu den Themen Glaube, Wahrheit, Gewalt und Terrorismus. Wer an dieser Thematik interessiert ist, kommt an dieser Darstellung nicht vorbei. Im Anhang finden sich fünf kurze Essays von Kritikern der These der "Mosaischen Unterscheidung".
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