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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Liebeserklärung an eine Stadt, 2. April 2009
In einem Interview berichtete die Autorin, dass sie mit diesem Buch eine Liebeserklärung an ihre Stadt Cooperstown schreiben wollte. Während des Schreibens hat sich die Stadt verändert, wurde zauberhafter, magischer und das Ganze entwickelte eine eigene Dynamik. Wirklichkeit und Fiktion verschwammen ineinander und es entstand das Bild einer Stadt, die zwar Cooperstown ähnelte, jedoch ganz eigene Züge hatte, so dass sie ihr den Namen "Templeton" gab.
Ich habe lange überlegt, was das Besondere an diesem Buch ausmacht und bin bis jetzt noch nicht ganz dahinter gekommen - Vielleicht ist es die Stimmung, in die es einen beim Lesen versetzt. Lauren Groff lässt ihre Protagonistin Willie in einer Art und Weise über die Menschen in der kleinen Stadt berichten, dass man das Gefühl hat, man blickt in eine kleine heile, aber zum Glück nicht perfekte Welt, die trotz vieler Geheimnisse ihrer Bewohner und dunkler Vergangenheit, lebenswert und echt erscheint. Willie macht sich gründlich auf die Suche nach ihrem Vater, hat sie doch selbst ein "Klümpchen" im Bauch, und meint, bald Verantwortung für ein Kind übernehmen zu müssen. Sie arbeitet sich durch Berge von alten Dokumenten, Fotos und Büchern und ganz nebenbei erfährt man so die Geschichte von der Gründung Templetons durch ihren Vorfahren Marmaduke, aber auch viele kleine Anekdoten über die Bewohner der Stadt kommen so ans Licht.
Schockierende Taten, Skurrile Vorfälle haben sich im Ort abgespielt, doch immer hat man den Eindruck, das Ganze sei mit einem Augenzwinkern geschrieben - Es finden sich zahlreiche (echt aussehende) alte Fotos, deren Bildunterschriften mich mehr als einmal haben lachen lassen. Fast meint man, dort ein Stück authentische Geschichte vor sich zu haben, wenn nicht ab und zu kleine Geister auftauchen, oder etwas über das Monster erwähnt wird, dass es schon seit der Gründerzeit im Flimmerspiegelsee gibt und das zur Stadt dazu gehört, wie die Geschichte von dem merkwürdig behaarten Kind, welches eine junge Indianerfrau zur Welt brachte und das merkwürdigerweise ebenso rote Haare hatte, wie der Sohn des von allen verehrten Stadtvaters...
Es gibt fast keinen Kritikpunkt, außer vielleicht den so typisch amerikanischen Schluss, der aber glücklicherweise durch ein dickes Stückchen Originalität etwas abgemildert wurde (mehr will ich nicht verraten). Insgesamt hat mir dieses Buch jedoch sehr gut gefallen. Es ist einfach ein Wohlfühlbuch - man taucht ein in diese liebenswerte Geschichte, und man hat fast das Gefühl, die Stadt und deren Bewohner persönlich zu kennen. Und mir ging es so, dass ich sie alle ein ganz klein wenig vermisst habe, als ich das Buch beendet hatte...
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wundervoll, ungewöhnlich, phantastisch!, 18. April 2009
Zum Inhalt dieses Buches wurde ja schon genug geschrieben, aber allein darum geht es gar nicht. Es ist eine Hommage an eine historische Kleinstadt mit all den exzentrischen, aber liebenswerten Charakteren, die dort leben. Man kann es kaum beschreiben, aber die Geschichte fesselt einen vom Anfang bis zur letzten Seite. Wer genug hat vom Roman-Alltagsbrei: Sowohl die originelle Story als auch der Schreibstil der Autorin sind hochinteressant, fesselnd und lebensnah; die Charaktere sind so glaubwürdig, dass sie einem fast aus den Seiten entgegenspringen. Ich kenne das Original leider nicht, aber die Übersetzung ist sehr hochwertig und elegant geschrieben. Intelligente Literatur, aber mit hohem Unterhaltungswert! Erwähnenswert ist vielleicht auch das wunderschöne, geheimnisvolle Cover, in dem man beim Lesen einige Figuren aus der Geschichte wiedererkennt. Meine Empfehlung: Lesen!
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Stammbaum, der es in sich hat, 21. August 2009
Letztendlich besteht die Kunst des Geschichtenerzählens darin, zu lügen und dabei die Wahrheit zu sagen. Am Schluss wurde es ein anderes Buch über meine Heimatstadt als das, mit dem ich begonnen hatte. Es ist ein Buch, das die Geschichte als formbar betrachtet und es sich zur Aufgabe gemacht hat, eine andere Art von Wahrheit über meine kleine Stadt am See herauszufinden, ein Buch, erfüllt von dem ganzen Zauber und den Geheimnissen, die mich während meiner Kindheit umgaben. Menschen wie uns, die wir in dieser Stadt geboren sind, kommen Legenden wie Abner Doubleday, das Ungeheuer vom See, Lederstrumpf und all die anderen Wesen, die uns im Schlaf heimsuchen, wie ein Teil unserer eigenen Lebensgeschichte vor. Mein Cooperstown verhält sich zu Templeton wie der Baum zu dem Schatten, den er wirft, ein Umriss, der die Beschaffenheit des Bodens annimmt, auf dem er sich abzeichnet.
(Zitat aus Vorbemerkung der Autorin, Die Monster von Templeton, Seite 10,11)
Als die Heldin dieses Romans, Willie "Sunshine" Upton, halb verhungert und ziemlich fertig in ihre Heimatstadt Templeton zurück kehrt, wird im hiesigen Flimmerspiegelsee der über fünfzehn Meter lange Kadaver eines Ungeheuers gefunden, das über 100 Jahre lang in den Tiefen des Wassers gelebt haben muss. Dort zog es friedlich seine Bahnen, während die Kinder im kalten Nass planschten, oder nächtliche Schwimmer den See aufsuchten. Als Willie nach Hause kommt, ahnt sie nicht, dass auch sie in die Tiefen gehen wird. Allerdings führt ihre Suche nicht auf den Grunde des Sees, sondern in die Archive von Templeton. Denn als sie ihrer Mutter eröffnet, dass ihr Professor, sie höchstwahrscheinlich geschwängert hat und der Abschluss ihrer Doktorarbeit durch die neue Situation mehr wie gefährdet ist, wird sie mit einer anderen ungewöhnlichen Neuigkeit konfrontiert. Bisher hatte Vi stets behauptet, ihre Tochter Willie wäre das Ergebnis einer wilden Hippieorgie in San Francisco gewesen. Doch wie sie nun gesteht, ist dies nicht die Wahrheit. Willie Upton Stammbaum soll sogar noch enger mit dem des Stadtgründers Marmaduke Temple verbunden sein, wie bisher angenommen. Doch nun soll die heimgekehrte Tochter selbst herausfinden, wer ihr Erzeuger war. Bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe, meint Vi, kann Willie darüber nachdenken, wie sie ihre eigene Zukunft gestalten will.
Bei ihrer Suche lernt der Leser die Geschichte von Templeton und seiner Bewohner kennen. Der Frauenheld Marmaduke Temple, der sich sogar mit einem Indianermädchen einließ, kommt hier ebenso zu Wort, wie die Giftmörderin, Cinnamon Averell, die einige ihrer Ehemänner um die besten Jahre ihres Lebens gebracht hat. Von unehelichen Geburten ist die Rede und von Mythen und Sagen rund um den geheimnisvollen See. Am Schluss hat Willie einen stark revidierten Stammbaum der Familie Temple erstellt und ist der Auflösung des letzten Geheimnisses ihrer Hippiemutter Vi auf der Spur.
Der Roman ist sehr liebevoll mit Fotografien, Grafiken und gezeichneten Stammbäumen aufgewertet. Briefe aus längst vergangenen Zeiten werden abgedruckt und auch wenn natürlich das gesamte Quellenmaterial rein fiktiv ist, wirkt es doch identisch und ziemlich beeindruckend.
Als man die letzte Runde mit den Laufkumpels, Big Tom, Little Thom, Johann, Sol und Frankie in Gedanken begleitet, wird man direkt etwas wehmütig, weil man den Roman bald ausgelesen hat und nun Templeton mit all den skurrilen und liebenswerten Gestalten verlassen muss.
Aber von der talentierten Autorin, Lauren Groff, die mit diesem Roman ihr Debüt vorlegt, wird man in Zukunft bestimmt wieder etwas Neues hören bzw. lesen! Darauf kann man sich wirklich freuen.
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