"Der Kaiser der Tataren hat geradezu wunderbare Macht über alle."
(Giovanni de Plano Carpini; um 1185 - 1252)
Der großformatige Band "Die Mongolen. Im Reich des Dschingis Khan" ist bereits im Jahre 2005 zur Begleitung der gleichnamigen, deutsch-österreichischen TV-Dokumentation aus der "Terra X - Reihe erschienen.....
.....und in acht Kapitel untergliedert. Neben der Redakteurin und Autorin Gudrun Ziegler und dem Historiker und Journalisten Alexander Hogh, die jeweils drei Kapitel geschrieben haben und sich als Herausgeber verantwortlich zeichnen, steuerten die mongolische Journalistin Khasabana Ariunchimeg und der Ausgrabungsleiter in Karakorum, Hans-Georg Hüttel, zwei weitere Kapitel bei. Die Texte werden durch farbige Fotos, Abbildung, historische Landkarten und farblich abgesetzte Themenkästen aufgelockert.
Im einleitenden ersten Kapitel stellt Gudrun Ziegler "Mythos und Wirklichkeit" gegenüber. Den Schilderungen, in welche europäische Welt der Mongolensturm hereinbrach, folgt eine Beschreibung des mongolischen Weltbildes des blauen Himmels, der heiligen Berge und des Gesetzes der Steppe. Am 21. Dezember 1237 zerstörten die Horden Batu Chans, einem Enkel des großen Dschingis, die russische Stadt Rjasan. Am 24. März 1241 brannte die polnische Stadt Krakau lichterloh. Nur der "Rückzug" der Mongolen wegen des Todes von Großkhan Ögedei verhinderte ihr weiteres Vordringen nach Europa, dem sicherlich keine Ritterheer hätte Einhalt gebieten können. "Die Sache mit dem Fleisch", das von den Mongolen angeblich unter ihrem Sattel weich geritten wurde, wird in Reich der Fabeln verwiesen. Tatsache ist vielmehr, dass die Reiternomaden getrocknetes Fleisch mitführten, das sich zu Pulver zerrieben in Wasser oder Tee zu - einer Art Instant-Fleischbrühe - auflösen ließ. Kapitel zwei hat Alexander Hogh dem Werdegang Temüdschins zum "ozeangleichen Herrscher" Dschingis Khan gewidmet. Eine von Japan bis nach Nürnberg und dem nörlichen Polarkreis bis zum heutigen Sudan reichende Karte zeigt die von Korea bis zur Krim reichenden Feldzüge und Eroberungen Dschingis Khans. Persische und indische Minaturen und eine chinesische Seidenmalerei "Dschingis Khan auf der Falkenjagd" zeugen von eindrucksvollen Ereignissen. Ein 1220 entstandenes Gemälde auf Seide zeigt das Porträt des Weltenherrschers. Neben Themenkästen zu "Sippe, Stamm und Verwandtes", "Ringkampf" und "Schamanentum" gibt es einen Stammbaum der Dschingisiden.
Hans-Georg Hüttel ist der Autor des Kapitels "Karakorum", der Stadt, die den Staat machte. Mit dem Bau der Stadt machte Großkhan Ögödei den entscheidenden Schritt zu einem organisierten Staatswesen. Karakorum war ein wesentlicher Baustein des nomadischen Nationalstaates und Ausdruck der imperialen Vision der reichsmongolischen Staatsideologie. Zur Vorstellung des mongolisch-deutschen Grabungsteam von 2003 gibt es Fotos von der Ausgrabungstätte des einstigen Palastbezirkes und einiger Funde, wie z. B. eine in Granit geschlagene Schildkröte. Die Strukturen der Landschaft werden mittels eines speziellen Computerprogramms, das die Höhenunterschiede farblich darstellt, sichtbar gemacht. Ausgegrabene Votivdeponierungen zeigen, dass am Hofe des religiös toleranten Herrscher auch der Buddhismus anzutreffen war. Themenkästen befassen sich daher mit den Begriffen "Stupa", "Tsa Tsa" und "Bodhisattva". Beeindruckend ist die virtuelle Rekonstruktion des Silberbaumes, den der Pariser Goldschmied Guillaume Boucher 1254 erschaffen hatte. Abschließend wird die "Palast-Hypothese" wird der "Tempel-Hypothese" gegenübergestellt. Der von Alexander Hogh dargelegte "Mongolensturm" einer nicht aufzuhaltenden Armee ist Gegenstand des vierten Kapitels. Ein Bild aus dem Hedwigskodex von 1353 und ein spätmittelaterliches Altarbild zeigen die Schlacht bei Liegnitz im April 1241, bei der ein polnisch-deutsches Ritter geschlagen wurde. Eine qweitere Karte zeigt die fern- und nahöstlichen und europäischen Feldzüge unter Kubilai Khan., nach dessen Tod das Reich in die Khanate der Goldenen Horde und Tschagateis, sowie das opersische Il-Khanat und das Yüan-Reich zerfällt. Themenkästen gibt es zum "Mongolischen Pferd", "Die Tataren kommen" und die Versuche Kubilais zur Eroberung Japans, die ein "Kamikaze" (Götterwind) scheitern ließ. Mit der "Pax Mongolica" beschreibt erneut Alexander Hogh das andere gesicht der Mongolenherrschaft. Hierzu gehören das Post- und Botensystem, Diplomatie, sowie die Förderung von Handwerk, Wissenschaft, Kunst und "globalem" Handel. Eine Karte zeit die bis zu 20.000 Kilometer langen Handelswege. In Themenkästen werden der chinesische Beamte "Yeh-lü-ch'u-ts'-ai", "Die Höfe des Khans" und das Nationalgetränk "Airag" vorgestellt. Gudrun Ziegler beschreibt im sechsten Kapitel "Das Staunen der Europäer", die an den Hof des Großkhans gelangten. Während die "Chronica maiora" des Matthäus von Paris die Mongolen als Kannibalen darstellt, zeig eine Karte die Reiserouten Giovanni de Plano Carpinis (1245 - 1247), Wilhelm von Rubruks (1252 - 1255) und Marco Polos (1291 - 1295). Mit den ersten beiden Missionen ist der erfolglose Versuch verbunden, die Mongolen, von denen bereits einige nestorianische Christen waren, zum römischen Glauben zu bekehren.
Während Khasabana Ariunchimeg in Kapitel 7 den "Alltag in der Steppe", der damals wie heute vom Nomadenleben geprägt wird aufzeigt, beschreibt Gudrun Ziegler im letzten Kapitel den Zerfall des Riesenreiches und die Erben des Dschingis Khan, deren Reiche im späteren Russland, islamischen Reichen und einem wieder erstarkten China aufgehen. Einen Wendepunkt markierte die Schlacht von Ain Djalut in Palästina am 3. September 1260, bei der ein mongolisches Heer (von den Mamlucken) erstmals geschlagen wurde. Während die die heutige "Mongol Uls" mit ihrer Hauptstadt Ulan Bator einem Pufferstaat zwischen Russland und China gleichkommt, zeugen Bauwerke wie die Medresse Tillakori und das Guri Amir Mausoleum als Begräbnisstätte Tamerlans in Samarkand und das Taj Mahal im indischen Agra, von einstigen Größe seiner Herrscher.
Nach Gudrun Zieglers Epilog "Der ewig blaue Himmel" folgt noch ein Anhang mit Kurzporträts ausgewählter mongolischer Herrscher, eine synoptische Zeittafel der Geschichte der Mongolen und der europäischen Geschichte, eine Literaturliste "zum Weiterlesen", sowie ein Bild- und Textnachweis.
5 Amazonsterne für eine differenzierte, farbenprächtige und packende Darstellung einer wichtigen Epoche der Weltgeschichte.