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Die Einleitung beginnt vielversprechend: nicht an Fachleute richte sich das Buch, sondern an Studenten und Urlauber, die mehr über die minoische Kultur wissen möchten. Vor allem ein Buch über Menschen soll es sein.
Dann stellt die Autorin, die am British Museum in London arbeitet, in sehr lesbarer Form die minoische Kultur in den Zusammenhang ihres Kontexts: Landschaft, Nahrungsmittel, Tierhaltung, verfügbares Rohmaterial, und stellt sehr gut die Datierungsprobleme dar, mit denen sich Wissenschaftler seit Jahren herumschlagen. Dabei reißt sie eine Reihe spannender Themen an (ein Beispiel: Import von Kupfer aus Attika und Zinn gar aus Afghanistan). Hinter jedem dieser Themen steht eine Geschichte, aber hier setzt Lesley Fittons wissenschaftliches Rasiermesser an: auf keinen Fall will sie sich "in wilden Spekulationen oder haarsträubenden Interpretationen darüber ergehen".
Und so folgen auf den ersten, vielversprechenden Auftakt vier eher brave Kapitel über die Vorpalastzeit, die alten und neuen Paläste, sowie die Nachpalastzeit, die durchaus solide Information enthalten, aber zu Spekulationen und Interpretationen gar wenig anregen. In diesem - dem Hauptteil des Buches - wird die Autorin ihrem Anspruch nicht gerecht, von Menschen zu handeln, stattdessen bestimmen (mit Ausnahmen) Fundstücke und ihre Datierung (LM I B2 oder doch LM II A1 ?) das Bild.
Interessanter wird das Buch im Schlusskapitel über die Rezeption des minoischen Kreta. Die Mythen, die sich im antiken Griechenland um den kretageborenen Zeus, König Minos, Theseus und viele andere Gestalten rankten, sind gut dargestellt. Dass sich im 20. Jahrhunder eine neue Schicht von Mythen um das minoische Kreta herum gelegt hat, an deren Entstehung Arthur Evans großen Anteil hat, haben andere ebenfalls ausführlich beschrieben. Dass aber auch moderne Künstler und Wissenschaftler (Fitton nennt Henry Miller, Evelyn Waugh, Lawrence Durrell, Michael Ayrton u.a.) sich mit dem minoischen Mythos auseinandergesetzt haben, ist für mich eine neue Dimension der Auseinandersetzung mit dem Thema, die eine ausführliche Darstellung verdient.
Auffallend ist für mich allerdings, dass für einen Gesamtüberblick über das minoische Kreta zwei Dinge total weggelassen sind: der Diskos von Phaistos und (im Kapitel über die Rezeption) das Thema Atlantis. Ich könnte verstehen, wenn sie beiden Themen nicht viel abgewinnen kann, aber diese totale Ausblendung ist doch verblüffend.
Insgesamt gibt das Buch - trotz einiger Schwächen - eine gute und aktuelle Gesamtdarstellung der minoischen Epoche.
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