Die 500 Millionen der Begum ist erstmals im Jahre 1879 erschienen. Erzählt wird die Geschichte einer gewaltigen Erbschaft , die - über verwickelte Umwege - aufgeteilt an zwei Erben geht die gegensätzlicher nicht sein könnten, den französischen Professor Dr. Sarrassin und den deutschen Professor Schultze aus Jena. Der französische Professor nutzt seine Erbschaft, um auf amerikanischen Boden eine ideale Stadt zu bauen, eine Stadt der Gesundheit und des Wohlergehens aller. Der deutsche Professor ist von Anfang an ein erklärter Gegner dieser Stadt "France-Ville" genannten Stadt. Er errichtet "Stahlstadt", eine Stadt die das genaue Gegenteil darstellt, voller Zechen, Eisengießereien usw. in der nur Kriegsgerät hergestellt wird. Kanonen jeden Kalibers, eine schrecklicher als die andere.
In diese Stadt macht sich Marcel Bruckmann, ein Freund des Sohnes von Dr. Sarrasin, auf, um ihre Geheimnisse zu erkunden. Sein Ziel ist es, das Schlimmste zu verhindern. Und es sind schreckliche Dinge, die Stahlstadt zu verbergen hat. Ob Marcel es unter Einsatz seines Lebens schafft, diese Geheimnisse aufzudecken und wie die spannende Geschichte endet, wird nicht verraten....
Ist gibt wohl kaum ein Werk eines Autors welches so verfälscht und verändert wurde, wie das von Jules Verne. Es wird sicher niemanden geben, der nicht ein Werk von Jules Verne kennt, besonders natürlich seine besonders bekannten und verfilmten Romane wie "Reise um die Erde in 80 Tagen" oder "Reise zum Mittelpunkt der Erde", um nur zwei Beispiele zu nennen.
Man muss aber bedenken, dass in über 40 Jahren schriftstellerischer Tätigkeit eine Vielzahl von Romanen, Erzählungen aber auch Geschichts- und Geographiewerke und auch Bühnenwerke entstanden sind. Betrachtet man sein Schaffen genauer, ergibt sich ein vielschichtiges Bild seiner Zeit und lässt auch Einblicke in ein bemerkenswertes Lebens und Zeit und einer faszinierenden Biographie zu. Verne lebte in einer Zeit erheblicher politischer aber vor allem technischer Umwälzungen. Der mächtige Imperialismus der Zeit des 19. Jahrhunderts lässt kommende Kriege erahnen und Verne zeigt sich - auch in seinen düsteren Spätwerken - trotzdem als Humanist und Pazifist, der warnend die Zerstörung der Menschheit durch unbedachtes Wettrüsten vorwegnimmt aber auf Vernunft die positiven Kräfte hofft.
Leider wird in den letzten Jahren das vielschichtige Werk von Verne - sei es aus mangelnden Interesse der Verlage oder fehlender Leserschaft - immer weniger verlegt. Dies ist bedauerlich. Auch sind in der Vergangenheit viele Werke aufgrund absichtlicher oder mangelhafter Übersetzung nur in verstümmelter Form erschienen, die Ironie Vernes und seine sarkastischen Bemerkungen wurden so unterdrückt. Aber noch heute begeistern die Werke Vernes, denn er glaubte an die Wirklichkeit der Welt und die schöpferischen Fähigkeiten des Menschen.
Aber leider wird er heute wenn überhaupt nur noch als reiner Kinder- und Jugendbuchautor wahrgenommen, was - wer seine Werke kennt - überhaupt nicht der Fall ist.
Die sehr empfehlenswerte ungekürzte Hörbuchversion, eindrucksvoll und mitreißend gelesen von Sven Görtz, entführt den Zuhörer in eine fremde beängstigende Welt, die aber aktueller denn je erscheint. Sicher wurde das Buch nach dem für Frankreich verlorenen Krieg von 1870/71 geschrieben und das Bild des bösen Deutschen ist daraus zu erklären. Trotzdem ist da mehr. Aus heutiger Sicht zeigt Verne mit bemerkenswerter Voraussicht die Katastrophe der beiden Weltkriege auf, die besonders durch Nationalismus, Rassismus und Überheblichkeit ausgelöst wurden. Herr Schultze ist sogar mit Dr. Sarrasin verwandt - und trotzdem in unversöhnlicher Feindschaft versunken. Da ist keine Möglichkeit der Verständigung, obwohl dies doch möglich erscheint. Das Buch ist ein Plädoyer für Frieden und Humanismus für Verständigung und Zusammenarbeit. Miteinander statt gegeneinander. Das Verne sich dies vor mehr als 100 Jahren bereits gewünscht hatte sollte zu denken geben. Aber natürlich ist auch - bei allem Ernst - die typisch leise Ironie von Verne zu spüren, besonders wenn er die angeblichen "typischen" Eigenschaften der Deutschen beschreibt.
Übrigens wurde das Buch in der damaligen Tschechoslowakei verfilmt als "Geheimnis von Stahlstadt".
Es bleibt zu wünschen, dass dieser Film irgendwann auf DVD erscheint und dass auch wieder mehr Bücher von Verne verlegt werden.