Eine Inhaltsangabe ist schwierig. Geht man einmal von TV-Zeitschriften und ähnlichem aus, so läuft es meist darauf hinaus, dass eine stinkreiche Frau drei Monate lang von ihrer eigenen Hände Arbeit leben müsse. Dies ist jedoch nur eine kleine Episode in diesem Film, in dem reich und arm aufeinandertreffen. Millionenerbin Epiphania (Loren) kann und will alles haben, auch Männer. Und dass ihr Ehemann eine andere, scheinbar so viel gewöhnlichere Frau vorzieht gegenüber der perfekt begüterten und gebauten Epiphania, das kann sie einfach nicht verstehen. "Was können Sie, was ich nicht kann?" "Einen Mann glücklich machen." Jaah, und weil nicht sein darf, dass Alleskönnerin Epiphania etwas nicht kann, vor allem etwas oder jemanden nicht haben kann, möchte sie sich ausgerechnet den indischen Arzt Dr. Kabir (Sellers) angeln. Der ist aber ein Idealist, der in einer Kellerpraxis in London die Bedürftigen behandelt. Seine Mutter hat zur Bedingung gemacht, eine künftige Gattin möge mit 500 Rupien in die Welt ziehen und drei Monate damit zurechtkommen (daher muss Epiphania arbeiten, was sie aber recht flott durch Umorganisation eines kleinen Handwerksbetriebs erledigt, der dann für sie arbeitet). Epiphanias Vater (und was hat diese Frau für einen Vaterkomplex!!!) hat zur Bedingung gemacht, ein künftiger Gatte möge in drei Monaten aus 500 Pfund 15.000 machen - was Dr. Kabir nicht will. Ist es wirklich ein Spoiler, wenn ich sage, klar kriegen die sich?
Nach ca. 90 Minuten habe ich mich gefragt, ob es 90 Minuten meines Lebens wert war, für zwei, drei Schmunzler eine Geschichte zu sehen, die über weite Strecken weder glaubwürdig noch absurd noch witzig genug ist, sondern: meist ideenlos, stereotyp, vorhersehbar, von gemächlichem Tempo, unentschlossen, blutleer. Der Film ist nicht mal richtig schlecht, er hat kaum einmal etwas, über das man sich wenigstens aufregen könnte (außer vielleicht, dass es nun die Vollkommenheit einer Frau sein soll, einen Mann glücklich zu machen). Nein, er sieht nicht mal schlecht aus, mit diesen ganzen irren Sixties-Farben und Formen im quietschbunten Millionärinnenpalast, und auch der Kostümbildner der Loren hatte ein paar gute Ideen. Aber das plätschert im wesentlichen dahin und lässt einen seltsam unberührt. Dieser Film will eine Komödie sein. Wie funktionieren Komödien? Man kann Slapstick und gepfefferte Wortgefechte bringen, wie beispielsweise Howard Hawks. Man kann, ohne zu sehr im Sinne eines Hawks herumzualbern, auf geschliffene Dialoge, Bonmots, Sottisen setzen, wie Preston Sturges oder Billy Wilder. Man kann - und das ist vielleicht noch am ehesten mit dem vorliegenden Film vergleichbar - ein paar liebenswert-komische Momente mit einer Botschaft verbinden wie Frank Capra. Bloß hat Capras Sozialromantik, so naiv sie ist, immer auch einen gewissen Charme, dem man sich nur schwer entziehen kann. Hier gibt es Sozialromantik mit dem Holzhammer. Geld allein macht nicht glücklich, Idealismus zählt, klar stimmt das, aber der Film verschenkt sein Thema im Grunde, indem er diese Botschaft von Anfang an überdeutlich herausstellt und dann auch noch in einem völlig unglaubwürdigen Kitsch-Ende über die Brücke wirft, über die sich Epiphania (vermeintlich) stürzen wollte. Woran liegt das? Die Regie ist uninspiriert und langatmig. Schon die ersten Minuten, in denen Epiphania das Testament eröffnet wird, sagen deutlich: Ausstellungsstück!!! Der Film bewundert sich viel zu sehr selbst, die Loren ist eine absolut statuarische, wenn auch schön anzusehende Millionärin. Wir werden darauf gestoßen, dass diese Frau erst noch "das Leben lernen" muss, anstatt es mit Neugier selbst im Verlaufe dieses Filmes zu erkunden. Bevor die beiden Protagonisten aufeinanderprallen, wird diese erwähnte Vorgeschichte mit dem Ehebruch viel zu breit ausgewalzt. Handlungsweisen und Sprüche sind vorhersehbar, und letztere werden viel zu oft deklamiert anstatt gesagt. Beim Capra, ja, da wollte der Regisseur dozieren, und man kann das kritisieren, wenn man will. Beim vorliegenden Film, da wollen auch andauernd die Figuren dozieren, und das muss man kritisieren. Leider gibt die Loren bei alldem eine seltsam überzeugungslose Figur ab. Nur gelegentlich blitzt ihr kecker Charme auf, über weite Strecken spult sie einfach das Programm ab, dass der Regisseur ihr zugedacht hat. Klar, sie ist schon hübsch anzusehen in ihren eleganten Roben und Korsetten, sie hat schon das nötige Selbstbewusstsein und die nötige Eleganz um zu sagen, "hey ich bin perfekt, und ich weiß es". Aber dies ist die Regie ja eben zu dekonstruieren angetreten, und beides, das perfekte Abziehbild und die sich anbahnende (und am Ende halbherzig betriebene) Dekonstruktion, das ist schon von vornherein auf dem Präsentierteller, so dass man sich für das "Wie" eigentlich kaum interessiert. Die Loren, so wunderschön sie ist und so gern sie sich auch außerhalb ihrer Rollen in eleganter Robe zeigt, war immer dann am besten, wenn sie einfache Frauen darstellte, italienische Temperamentbündel, oft alleinerziehende Mütter - da hat man sich nie gesagt, sie sieht zu gut oder zu fein für sowas aus, sondern hat diese Mischung aus Komik und Powerfrau einfach geliebt und ihr jede Sekunde abgenommen, dass sie ein etwas chaotisches Leben zwischen Kinder, Küche, Nebenjob lebt und sich durchwurstelt. Wenn ihr beim Durchwursteln der Sex-Appeal hilfreich war und sie das auch wusste, erhöhte das den Spaß und Charme eher noch. Hier nun darf sie keinen Spaß mehr haben, hier soll sie gezähmt werden - eigentlich mit Recht, denn so einen abstoßenden Materialismus in allen Dingen des Lebens, gepaart mit gnadenloser Selbstüberschätzung, das gibt es ja wirklich bei Menschen, die glauben, alles kaufen zu können. Aber wie gesagt, Capra hätte es vermutlich besser gemacht. "Die Millionärin" funktioniert leider auch nicht als Kapitalismuskritik. Vittorio de Sica in einer Nebenrolle ist immerhin noch eine sympathische Verkörperung der Widerlegung des "homo oeconomicus", dieses Modells vom eigennutzenmehrenden und dabei rational handelnden Menschen. Doch dass Kabir Geld verschenken will, das keiner nimmt, und es dann nach drei Monaten einem Betrunkenen in den Rachen wirft, um es endlich los zu sein... da hätte er auch schon früher drauf kommen können, und im übrigen: Natürlich würden Menschen Geld annehmen, wenn man es ihnen schenkt. Zumindest, wenn man keinen Haken vermuten müsste, und da ist Kabir in seinen Kreisen über jeden Zweifel erhaben.
Man sieht es an diesen Stichpunkten schon: Hier stimmt fast nichts. Man kann sich den Film mal ansehen, sagt sich: "Ganz nett", ist nicht so wirklich ärgerlich, aber fragt sich auch: "Musste ich das jetzt sehen?" Nein, man muss nicht. Man kann seine Zeit besser nutzen. Daher nur zwei Sterne.