Nachdem ich lediglich fünf Jahre auf einen Film vom Fantasy Filmfest warten musste, habe ich kürzlich endlich eine Version von "El Método" auf DVD entdeckt. Zwar bietet der Film nur die spanischsprachige Originalversion mit deutschen Untertiteln an, aber manchmal ist das eben so und man muss Kompromisse machen bei Filmen, die man gerne haben möchte. Laber laber ding dong, "Die Methode" befindet sich nun endlich in meinem Besitz und wurde nach fünf Jahren erneut gesichtet und immer noch für gut befunden. Warum? Sag ich Euch:
Die Firma Dekia hat zur Bewerbungsrunde für einen Managerposten geladen. Während in Madrid Anti-Globalisierungsdemonstrationen stattfinden, finden sich sieben Bewerber im Konferenzsaal ein und sollen mit der ihnen noch unbekannten "Grönholm-Methode" getestet werden. Dazu sitzen alle Applikanten an einem Tisch vor Computermonitoren, die ihnen verschiedene Aufgaben stellen, die sie allein oder in der Gruppe bewältigen müssen. Dass diese Aufgaben es aber ganz schön in sich haben und auch auf die Persönlichkeitsrechte der Bewerber keine Rücksicht nehmen, müssen unsere Vorstellungsgespräch-Teilnehmer nach und nach auf mehr oder weniger schmerzhafte Weise erfahren. Es wird mit harten Bandagen gekämpft, mit psychologischen Tricks, amoralisches Verhalten wird nachgerade forciert und unsere sieben Bewerber merken schnell, dass hier ein verdammt kalten Wind weht, wenn Dekia daran geht, jemand Geeigneten für sich zu rekrutieren. Fragile Allianzen werden genauso schnell wieder zerschlagen, wie sie gebildet wurden, einem vermeintlich Wohlgesonnene mutieren in Sekundenschnelle zu erbitterten Gegnern und das, was die "Grönholm-Methode" an perfiden Psychospielchen im Gepäck hat, ist wahrlich nicht von schlechten Eltern. Jedem der Bewerber steht es jederzeit frei zu gehen, aber die Rhetorik-Schwerter sind längst gewetzt und jeder hat das Horn, das zum Kampfe bläst, vernommen und folgt willig seinem Ruf. So lasset denn die Spiele beginnen'
Dem Argentinier Marcelo Piñeyro ist mit seinem Film, zu dem er auch das Drehbuch verfasst hat, ein faszinierendes Psychogramm gelungen, dessen zahlreiche Wendungen so unkalkulierbar wie perfide daherkommen. Vom angeblichen Maulwurf unter den Bewerbern bis hin zur Denunziation und sexuellen Vergnügungen auf der Toilette zaubert Piñeyro so ziemlich jedes Kaninchen aus dem Hut, das die Geschichte um eine weitere unerwartete Wendung reicher machen könnte. Dass er dabei in den ganzen 115 Minuten, die der Film dauert, nicht in Unglaubwürdigkeit abgleitet, ist ihm hoch anzurechnen. Der Film baut eine stringente Spannungskurve auf, die den Zuschauer immer öfter staunend zurücklässt, wenn er gewahr wird, zu welchen Dingen Menschen fähig sind, wenn sie einen Job haben wollen. Ausschlaggebend für die Glaubwürdigkeit sind natürlich nicht allein das Script, sondern auch überzeugende Darsteller. Und auch hier kann man Piñeyro nicht an den Karren fahren. Der Cast ist exzellent und spielfreudig und deckt mit seiner Typisierung nahezu alle menschlichen Tiefen und Untiefen ab.
Da wäre der attraktive Carlos (Eduardo Noriega, "Tesis"), der bei der Bewerbungsrunde seine ehemals große Liebe Nieves (Najwa Nimri, "Abre los ojos") wiedertrifft, die sich zur toughen Managerin gemausert hat. Dann hätten wir den schmierigen Fernando (Eduard Fernández, "Che, Teil 2"), der seine Unzulänglichkeiten hinter einer großen Portion Machismo zu verstecken sucht und dabei kläglich scheitert. Ricardo (Pablo Echarri, "Chronicle of an Escape") enthält sich bei Abstimmungen gerne der Stimme und scheint ein Mann mit Ehrgefühl zu sein. Enrique (Ernesto Alterio, "Swindled") hingegen ist korrekt bis zu Selbstaufgabe und richtet sein Fähnchen immer hübsch nach dem Wind. Aber auch, wer immer alles richtig machen will, kann auf dem Pfad der Tugend stolpern. Julio (Carmelo Gómez, "Goal II: Living the dream") ist eigentlich ein echt prima Kerl' wenn er da nicht diesen einen kleinen, schwarzen Fleck auf seiner ansonsten weißen beruflichen Weste hätte. Schlussendlich hätten wir da noch Ana (Adriana Ozores, "Héctor"), die schnell feststellen muss, dass es mit weiblicher Solidarität nicht weit her ist, wenn es um einen Managerposten geht. Abgerundet wird diese illustre Gruppe durch Montse (Natalia Verbeke, "Dot the I"), die die undurchsichtige Vorzimmer-Sekreteuse gibt. Sie alle spielen ihre Rollen derart überzeugend, dass es wirklich Spaß macht, ihnen zuzusehen.
Einzig im letzten Drittel leistet sich Piñeyro ein paar kleine dramaturgische Schnitzer. Die bis dahin wirklich plausibel erzählte Geschichte wird durch die letzten zwei bis drei Wendungen etwas überfrachtet. Einmal zuviel wird der Spieß umgedreht, einmal zu oft auf die bedingungslose Glaubenswilligkeit des Zuschauers spekuliert, so dass das Ende einen kleinen faden Beigeschmack erhält, weil man eben dies dann doch hat vorhersehen können. Das sind aber wirklich nur kleine Mankos, die diesem ansonsten wirklich guten, spannenden, fiesen kleinen Film kaum etwas anhaben können. Ein wirklich respektabler Beitrag aus Argentinien, dessen I-Tüpfelchen vielleicht gerade die auf dem deutschen Markt erhältliche Version in Spanisch mit deutschen Untertiteln ist, da sie so wunderbar das Tempo dieses Bewerbungsmarathons unterstützt und dem Film so das gewisse Etwas verleiht. Ein ungewöhnliches und psychologisch spannendes Kammerspiel mit einer fabelhaften Darstellerriege und packender Story, der nur gen Ende ein klein wenig die Luft ausgeht. Dennoch gerne vier von fünf Bewerbungsformularen, dessen Kleingedrucktes man vielleicht etwas genauer hätte studieren sollen.