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Die Merowinger
 
 
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Die Merowinger [Gebundene Ausgabe]

Patrick J. Geary
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: C.H.Beck (1996)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406404804
  • ISBN-13: 978-3406404801
  • Größe und/oder Gewicht: 22,4 x 14,8 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Das historische Buch

Subtile Barbaren und langhaarige Könige

Ein neues Handbuch zu Europas «dunklen Jahrhunderten»

Um die Mitte des 5. Jahrhunderts stellt ein aristokratischer Gutsbesitzer am Hof des Burgunderkönigs einen christlichen frommen Mann zur Rede. Er habe doch ständig den Untergang des römischen Imperiums vorausgesagt: Könne er ihm jetzt auch erklären, weshalb seine Prophezeiung nicht eingetroffen sei? – Der Historiker Patrick Geary hat ein brillantes Buch über die sogenannten dunklen Jahrhunderte zwischen der Völkerwanderungszeit und den Karolingern geschrieben. Es entführt den Leser in eine Periode, in der ein Weltreich sich auflöst, ohne dass die Bewohner grosser Landstriche (des späteren Frankreich, der Schweiz und Westdeutschlands) es im eigentlichen Sinn bemerken müssen wie jener skeptische Adelige.

Kein Exotismus

Diese Welt, regiert von heiligen Männern und langhaarigen Königen, ist geprägt von Mangel und Gewalt: Internationaler Handel und Geschenk- und Raubökonomie existieren in ihr nebeneinander; und verlorene Eisengegenstände sind so kostbar, dass man Heilige um Hilfe bei der Suche anruft. Gearys Buch liefert ohne romantischen Exotismus einen konzisen Überblick zur Sozial- und Kulturgeschichte der ersten christlichen Jahrhunderte Westeuropas: Es handelt von Religion, Ökonomie, vom Charakter politischer Transformation und, nicht zuletzt, von politischen Begriffen.

Der wichtigste davon ist der – schillernde – Begriff der «Barbaren». Tacitus' subtile Ideologeme von den Germanen als Barbaren haben in der Geschichtswissenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts einen langen Schatten geworfen. Der vermeintliche Gegensatz zwischen Römern und Barbaren ist freilich zur Erklärung frühmittelalterlicher Verhältnisse unbrauchbar. Die mächtige senatorische Aristokratie Galliens paktiert bereitwillig mit den germanischen Kriegern, soweit die ihre Bedingungen akzeptieren; diese fränkischen Kriegerkönige selbst halten ihre militärischen römischen Traditionen mit Stolz hoch und bedienen sich der Einrichtungen der spätantiken Verwaltung – im 4. Jahrhundert eingeführte Steuern werden noch im 8. Jahrhundert in kaum veränderter Form erhoben.

Gearys Buch ist auch eines über die ideologische Stilisierung des Mittelalters selbst. Die nationalstaatlichen Traditionen des 19. und 20. Jahrhunderts haben mit diesen vermeintlich «dunklen Jahrhunderten» vor den Karolingern ihre Mühe gehabt, mit den ebenso brutalen wie hochgebildeten Kriegerkönigen (der fränkische König Theudebert lässt im 6. Jahrhundert in Arles das antike Amphitheater wieder bespielen, sein Nachfolger Chilperich baut in Paris und Soissons Pferderennbahnen), mit den wunderwirkenden Wanderheiligen und handfesten Bischöfen. Dem französischen Mythos starker Zentralistitutionen war die Gesellschaft des 5. und 6. Jahrhunderts mit ihren lokalen Heiligen und pragmatischen Koalitionen zwischen Gallorömern und «Barbaren» zu polyglott und polyzentrisch – die Karolinger lagen ihnen mehr.

«Before France and Germany»

Dem deutschen Drang nach Wurzeln waren die erfolgreichen fränkischen Könige wiederum nicht barbarisch-germanisch genug. Dass die gotischen und fränkischen «Staatsbildungen» der Völkerwanderungszeit nicht nach Prinzipien germanischen Gefolgschaftswesens, sondern aus denen römischer Militärorganisation entstehen und die sogenannten Stammesherzogtümer, deren «germanische» Struktur der deutschen Mediävistik bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts lieb und teuer war, von den merowingischen Königen geschaffene politische Gebilde von sehr wechselhafter Zusammensetzung waren: das alles ist bei Geary knapp und lakonisch verzeichnet. Unter den vielen Vorzügen des Buchs ist nicht der geringste, dass es auf die Willkür jener wissenschaftlichen Traditionen aufmerksam macht, die von den tausend Jahren Mittelalter jene umfangreichen Epochen ausblenden, die vermeintlich nicht mittelalterlich genug sind. – Deshalb sind Titel und Klappentext der deutschen Ausgabe ein wirkliches Ärgernis. Ein Buch, das im Original «Before France and Germany» heisst, eben weil es die verzerrende nationalstaatliche Optik auf die frühmittelalterlichen Gesellschaften aufbrechen will, und dessen gesamtes erstes Drittel der Spätantike und der Völkerwanderungszeit gewidmet ist, ein solches Buch «Die Merowinger» zu betiteln, wohl im Anklang an populärwissenschaftliche Bildmonographien («Die Hunnen», «Die Goten» usw.), das braucht schon ein gewisses Mass deutscher Studienratssturheit, die nur ein sorgfältig dynastisch sortiertes Mittelalter kennt. Wenn dazu der Autor des Klappentexts vom fränkischen Grossreich als der «Keimzelle» Frankreichs, Italiens (?) und Burgunds schreibt, aus der «nach langen Um- und Sonderwegen» auch Deutschland hervorgegangen sei, dann ist klar: Er hat das Buch nicht gelesen. Schade.

Valentin Groebner

Kurzbeschreibung

Die dramatischen Jahrhunderte von der Spätantike bis zum Mittelalter sind das Thema dieser Geschichte Europas vor Karl dem Großen.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
41 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Zunächst war ich doch etwas überrascht, dass ein US-Amerikaner ein Buch über die Merowinger geschrieben hat. Doch warum nicht? Zumal der Autor offenbar zu jenen Wissenschaftlern gehört, die ein Thema interessant und kurzweilig darstellen können. Dabei beschränkt sich Geary in seinem gar nicht mal so umfangreichen Buch (230 Seiten + Anhang) nicht nur auf die Merowinger an sich, sondern spannt den Bogen weiter. Er beginnt bei den gegenseitigen Einflussnahmen der Römer und der germanischen Barbaren (Romanisierung der Barbaren und Barbarisierung der Römer), um darzustellen, dass der Übergang von dem Römischen zum Fränkischen Reich kein abrupter, sondern vielmehr ein fließender Übergang war. Dass dazu ein genauerer Blick auf die Völkerwanderung und die Entstehung der verschiedenen Stämme gehört, versteht sich dann von selbst. Die anderen Kapitel beinhalten den Aufstieg und Niedergang der Merowinger, die Rolle einzelner Könige und die Ablösung des Geschlechts durch die Karolinger.
In den jeweiligen Kapitel untersucht er neben der Rolle der bekannten Herrschaft auch die Rolle der Gesellschaft, beispielsweise den Einfluss der verschiedenen christlichen Strömungen oder des Adels. Des weiteren vergisst er auch nicht den Blick auf den sog. „kleinen Mann".
Die Darstellung ist, soweit ich es nachvollziehen kann, wissenschaftlich fundiert und u.a. mit vielen Fußnoten und einem umfangreichen Literaturverzeichnis versehen. Wichtig ist allerdings in diesem Zusammenhang zu Wissen, dass kein Bereich der Merowinger unumstritten ist. Letztendlich kann also jedes Kapitel dieses Buches angegriffen werden. Darauf wird im Vorwort auch hingewiesen. Dort wird dann auch begründet, warum er auf eine umfangreiche Darstellung der Positionen verzichtet, was ich persönlich etwas schade finde.
Zusammenfassend halte ich es für ein gutes Buch, dessen Lektüre sich aufgrund der guten Lesbarkeit für alle geschichtlich Interessierten lohnt.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
... liegt ein mehr oder minder dunkles Zeitalter: Nur wenige schriftliche Quellen blieben erhalten. Mit dem Untergang Roms kam der Handel zum Erliegen, Bildung wurde zum Monopol des Klerus, Städte und antikes Erbe verfielen, für's erste entstanden auch keine beeindruckenden Bauten oder nennenswerten Schriften in den Staaten, die sich auf den Überresten des Weströmischen Reiches breitmachten. Irgendwann, in und nach den Tagen Karls des Großen sind dann auf diesen Resten Frankreich, Italien und Deutschland entstanden.

Patrick J. Gearys Buch behandelt "die Zeit dazwischen" - zwischen dem Untergang Roms und dem Aufstieg der Karolinger. Im Original heißt das Buch dann auch "Before France and Germany" - es geht letztlich nur am Rande um die fränkische Dynastie der Merowinger. Detailliert nachgezeichnet wird die weströmische Gesellschaft am Vorabend des Reichsuntergangs - eine Gesellschaft, die nur noch wenig mit dem Rom der klassischen Kaiserzeit gemeinsam hatte - aber bereits viel mit den "Barbaren"reichen jenseits der zunehmend unscharfen Grenzen. Der Zusammenbruch erfolgte auch deshalb so rasch, weil längst die tragenden (kulturellen) Säulen der römischen Gesellschaft mehr als morsch geworden waren.

Unter den zahlreichen, meist kurzlebigen Reichen, die die diversen Barbarenstämme auf den Trümmern errichteten, war das Frankenreich das erfolgreichste. Was die Franken ursprünglich waren, wie sie im ehemaligen Gallien einen Staat erobern und festigen konnten, wie sich das Leben für alle Schichten der Gesellschaft wandelte, wie die Frankenkönige ihre Herrschaft sichern und ausbauen konnten, welche Rolle die Kirche im Reich spielte (und wie sie sich durch ihre politische Rolle wandelte), wie sich im fränkischen Staat eine Adelsschicht bildete, wie an den Rändern neue Königreiche entstanden, wie die alte Königsfamilie der Merowinger zunehmend an Bedeutung verlor und ihre Hausmaier an Macht gewannen, wie sich die angelsächsische Mission auswirkte...

... es waren bewegte Jahre. In ihnen wurden die Wurzeln des heutigen Europa, seiner vielen Staaten, das folgenschwere politische Mit- und Gegeneinander von Kirche und (Adels-)Staat und des langen Bildungs- und "Kultur"monopols des Klerus gelegt. Diese Zeit von 400-800 n. u. Z. wird in der Schule trotzdem meist übergangen. Schon weil es an Quellen mangelt, gibt es auch nur wenige gute Bücher über die Zeit.

Professor Gearys Buch widmet sich aber nicht nur einem ausgefallenen Thema, es ist auch verständlich und sogar unterhaltsam geschrieben. Abgesehen von einer Karte und einer Abstammungsliste gibt es allerdings keine Abbildungen, aber dafür zahlreiche Fußnoten (am Ende des Buches) und Literaturverweise: Wie Geary zu seinen Ansichten kommt, bleibt in jedem Fall gut nachvollziehbar - bedeutend, weil man angesichts der dünnen Quellen- und Fundlage in vergleichsweise vielen Details anderer Meinung sein kann.

Das Buch ist eine gute Einführung in die unerwartet spannende und vielschichtige Epoche, an deren Anfang Rom stand und an deren Ende das mittelalterliche Europa. Geary beschränkt sich (anders als es der deutsche Titel nahelegt) beleibe nicht auf Hofberichterstattung, er beleuchtet die ganze Entwicklung für alle Teile der Gesellschaft - ein Kleinod für jeden historisch Interessierten.
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