Ich habe vor vier Tagen das erste Buch - die Rebellin - begonnen und habe vor etwa zwei Stunden das dritte und letzte weggelegt. Ich versuche wieder, in meine eigenen Realität einzutauchen, aber meine Gedanken schweifen immer und immer wieder zu dieser grandiosen Geschichte zurück. Und ab und zu überfällt mich nochmal ein Schaudern und mir laufen Tränen übers Gesicht. Es wäre gemein zu verraten, warum, aber ich finde es wichtig zu erwähnen, dass die Wirkung so lange und so intensiv anhält...
Ein Buch hat mich noch nie so gefesselt wie dieses. Von der ersten Seite an war es spannend, sympatisch, aufregend, angenehm. Ein lockerer Schreibstil, gewählte Ausdrucksformen der Magier, Gossensprache in den Hüttenvierteln. Alles stimmt.
Schnell bekommt man raus, wer die "Guten" und wer die "Bösen" sind, aber das macht überhaupt nichts. Durch die verschiedenen Erzählperspektiven entspinnt sich ein feines, sauber gewobenes Netz aus Beweggründen, Gefühlen und Eindrücken. Jeder hat seine (klar nachvollziehbaren) Gründe, so zu handeln, wie er es tut. Nur Akkarin bleibt im Dunkeln (obwohl der Klappentext leider zu viel von ihm aufdeckt, so dass man nicht so lange rätseln kann wie man gern würde, auf welcher Seite er nun steht).
In jeder einzelnen Situation leidet, begehrt, liebt und hasst man mit den Charakteren mit - nicht nur mit der Hauptperson Sonea.
In vielen Fantasy-Geschichten gibt es ein eigenes Land mit eigener Geschichte, Politik und Geografie. Das gibt es hier auch, aber es ist relativ nebensächlich, so dass man dadurch nicht von der Geschichte abgelenkt wird.
Die Handlung ist tiefgründig und bis ins Detail durchdacht. Die Figuren sind nicht besonders ausgefeilt beschrieben, was Platz lässt für eigene Fantasie, doch ihre Gestik und Mimik untermalt immer wieder passend ihre Handlungen. Das Innenleben der Charaktere ist für den Leser klar offengelegt. Man "kennt" die Figur nach wenigen Seiten. Niemals tut eine Figur etwas, das nicht ihrem Charakter entspräche. Sehr konsequent... Und es gibt NICHTS, was an den Haaren herbeigezogen wirkt...
Die Magier scheinen Übermenschen zu sein, denen einfach alles möglich ist, aber auch sie haben ihre Grenzen. Und manchmal lässt die Magie sie leiden, bringt sie in Schwierigkeiten oder lässt sie Freunde verlieren. Man weiß einfach nicht, ob man sich wünschen soll, einer von ihnen zu sein...
Nur eine einzige Frage bleibt offen: Wer ist der "Freund an einem nützlichen Ort", der Akkarins dritten Blutjuwel trägt?