Als ich erfuhr, dass es eine Fortsetzung zu "Ehre der Am'churi" gab, war ich hin und her gerissen zwischen großer Freude und ebenso großer Skepsis. Konnte es der Autorin gelingen, an den wunderbaren - mein liebstes Buch dieses Genres - 1. Teil heranzureichen? Sie hatte eine wunderbare Welt erschaffen, und die Protagonisten waren vereint: Was will man mehr. Das ist nicht zu toppen. Dachte ich! So kann man irren!
Wir treffen die beiden Protagonisten Jivvin und Ni'yo zu Beginn des Buches im trauten Heim - Glück allein an, wo sich Jivvin fehl am Platz vorkommt und auch Spielchen der Liebenden nichts daran ändern können, dass eine Veränderung vorgenommen werden muss. Da trifft es sich gut, dass die Götter die beiden einbestellen, weil eine Aufgabe zu erledigen ist, der sich die Götter allein nicht gewachsen fühlen.
Um das zu verstehen, wird nun eine Mythologie und Götterwelt vor uns ausgebreitet, die so differenziert und vielfältig ist, dass ich nur noch mit offenem Mund staunte. Das habe ich bisher in keinem einzigen Fantasy-Roman gelesen.
Glaubt man damit nun, auf die Schiene gesetzt worden zu sein, wo sich der Plot geradlinig bis zum Happyend entwickelt, hat man sich aber gewaltig getäuscht. Immer wieder ergibt sich eine Veränderung, die man nicht erwartet hat, die aber völlig logisch und folgerichtig ist. Dumm nur, dass nicht einmal auf die Götter und ihre Informationen Verlass ist. Vertrauen zu haben ist lebensgefährlich, obwohl dieses Vertrauen die einzige Möglichkeit ist, die Probleme zu beheben. Hört sich nach Zwickmühle an, was es auch ist.
Dass die Liebenden durch diese lebensgefährliche Mission für einen großen Teil des Romans getrennt sind, ist schade, wir werden aber durch ein anderes Pärchen getröstet, das ich auch in mein Herz geschlossen habe - natürlich nur in einer Nebenkammer. ;-)
Der finale Kampf zwischen Drachen, Am'churi, Wolfs-Gestaltwandlern (ohne diese ermüdende Claimerei),Schattenelfen und Göttern wird so wortgewaltig geschildert, dass ich zwischen den Drachen und den übrigen Kämpfern herumgewirbelt wurde und nicht mehr wusste, wo oben und unten war - atemberaubend.
Auch das Ende ist untypisch: Die Autorin lässt die Bösen nicht vernichten, weil es diese Schwarz-Weiß-Malerei gar nicht gibt. Alle sind gut und schlecht.
Und dafür hat sie eine befriedigende Lösung gefunden? Aber ja! Und wie!
Ich habe bewusst darauf verzichtet, eine Inhaltsangabe zu erstellen, weil ich finde, dass jedes Wort schon zu viel verrät und eigentlich gar nichts besagt.
Ich empfehle, zuerst den 1. Teil, die Ehre der Amchuri, zu lesen, weil das Verständnis dieses Bandes dadurch etwas leichter wird - unbedingt nötig ist das jedoch nicht. Und außerdem kann man so zweimal genießen.
Da zwei lose Enden bleiben - oder sind es noch mehr? - glaube ich, dass wir uns auf eine weitere Fortsetzung freuen können. Und ich traue der Autorin zu, diesen langen Atem zu haben, um uns wieder Neues und Überraschendes zu offerieren.