Gabriel ist der älteste Sohn eines reichen Handelsherrn im Kaiserreich Navora und soll einmal seine Handelsflotte übernehmen. Sein Vater verachtet ihn, weil er ihn für verweichlicht hält. Gabriel selbst will viel lieber Heiler werden und tritt eine Heilerlehre an. Bald zeigt sich, dass er ein großes Talent als Heiler und Traumdeuter besitzt und er wird in die Zitadelle berufen, in der nur die fähigsten Lehrlinge ausgebildet werden.
Das Kaiserreich Navora lebt vom Handel. Die Urbevölkerung, die Shinali, wurden ins Hinterland abgedrängt, das ihnen per Vertrag als ewiges Eigentum zugesichert wurde. Doch es gibt genügend Menschen im Kaiserreich, die den Wilden selbst dieses Gebiet nehmen wollen.
Gabriel erlebt als Junge, wie eine Shinali Frau von Soldaten brutal vergewaltigt wird und dieses Erlebnis lässt ihn nicht mehr los. Er trifft andere Shinali, wird Gast in ihrem Haus und soll gleichzeitig der Kaiserin ihre Träume deuten. Beides wird ihm zum Verhängnis. Seine Traumdeutungen machen ihm die Hofschranzen, allen voran den obersten Seher und Ratgeber der Kaiserin zum Feind und er muss fliehen. Jetzt lebt er bei den Shinali, aber er weiß, dass die Soldaten bald kommen werden, um denen das Land zu nehmen.
„Ein Roman, der nicht nur an die Situation der Juden in Ägypten oder die der Christen im römischen Reich erinnert, sondern auf universelle Weise die Geschichte der Ureinwohner Amerikas, Afrikas oder Australiens reflektiert", so bewirbt es der Verlag. Die Aussage ist richtig und sie ist gleichzeitig das Problem des Buches. Die Ureinwohner, die Shinali, sind so edel, transzendent und klug, dass selbst Winnetou, die edle Rothaut, vor Neid erblasst wäre. Und die zahlreichen Weissagungen und Träume sind nicht vieldeutig und unklar wie das delphische Orakel, sondern so eindeutig, dass die Helden genau wissen, was sie zu tun haben.
Den Anfang habe ich verschlungen, die Autorin kann zweifelsohne erzählen, aber sobald sie voller Ehrfurcht vor den Träumen erstarrt und ihr Buch immer weniger eine Geschichte, dafür immer mehr eine esoterische Abhandlung wird, desto schwerer fiel es mir, weiterzulesen. Die Guten sind unendlich gut, die Bösen unendlich böse, solche Geschichten finden nicht erst seit Karl May ihre Leser. Nichts dagegen. Aber wenigsten sollte, wenn die Ausgangslage derart eindeutig ist, dann Spannung durch die Handlung aufgebaut werden. Die aber wird aber zunehmend vorhersehbar, je mehr Träume den Helden ihren Weg zeigen, je weniger diese sich bemühen müssen. Und der Schluss?
Nein, den will ich nicht verraten. Nur eines: „Mary Sue" nennen die Amerikaner Romanfiguren, die unendlich edel und gut sind und es gibt eine typische Handlung für solche Bücher. Das Ende hält sich hundertprozentig an diese Vorgabe.
Fazit: Ein gutes Buch für Esoterikfreunde und alle, die gerne Gut./.Böse Plots Geschichten lesen. Für alle anderen könnte es etwas langweilig werden.