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Eine Frau will Liebe, und sie will Freiheit -- und sie möchte beides gleichzeitig. sagt Sue Monk Kidd und rund um dieses Wollen und Sehnen dreht sich ein ungeheuer atmosphärischer Roman, voller emotionaler Hochs und Tiefs, gespickt mit Verletzungen und Erkenntnissen, verirrten Lebenswegen und neu gewonnenen Einsichten. Eine schöne, vielschichtige Geschichte, die die Lebenswege mehrerer Menschen geschickt miteinander verknüpft und durch ausgefallene amouröse Konstellation natürlich irrsinnig fesselt.
Jessies Vater stirbt, als sie neun Jahre ist, sein Schiff explodiert, angeblich durch den Funkenflug seiner Pfeife, die hatte ihm Jessie geschenkt. Ihre Schuldgefühle haben sich mit den Jahren verfestigt. Bei der Suche nach den Ursachen für die seelischen Probleme der Mutter stößt sie auf Schweigen und seltsame Ausflüchte. Was ist es, das man ihr nicht sagen will? Ich war auf der Reise, wird Jessie irgendwann später sagen. Aus ihrem Kokon der Häuslichkeit will sie raus, fühlt sich rastlos, wie eingesperrt, von einem unbestimmten Verlangen erfüllt. Du siehst dich um und denkst, so, und das soll es jetzt gewesen sein?
Es ist die verständliche, fast normale Lebenskrise einer Frau in den Vierzigern, die Ehe ist langweilig geworden, man ist einander überdrüssig, der Alltag erstickt. Rund um diese eigentlich banale Tatsache legt sich spannend und mystisch die Geschichte der heiligen Senara, die vor ihrer Bekehrung eine Meerjungfrau gewesen sein soll. Sinnliches mischt sich geheimnisvoll mit Spirituellem, Religiöses mit allzu Menschlichem. Meerjungfrauen sind seit jeher Gleichnis für Verführung und die ungezügelte Sinnlichkeit, die in uns Menschen unter der Oberfläche brodelt.
Trotz der Ausflüge in Klosterleben, der Aufarbeitung des Familiendramas ist und bleibt es vorrangig ein Frauenschicksal -- und das ist so packend geschrieben, dass der Roman in den USA sogar Dan Brown von Platz eins auf den Bestsellerlisten vertrieben hat. Übrigens war Sue Monk Kidds Ehemann offenbar auch ganz begeistert von dem Buch. Nur ein einziges Mal, so sagt sie, habe er damit gedroht, einer "Selbsthilfegruppe für Ehemänner von Schriftstellerinnen beizutreten. Eine Begeisterung, die man spontan teilt, denn es ist ein Roman, den man am liebsten verschlingen möchte. --Barbara Wegmann -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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„Die Meerfrau“ ist ein Buch wie ein Gemälde, das mit eher trüben Farben Melancholie und Einsamkeit ausstrahlt. Sprachlich anspruchsvoll, gespickt mit allegorischen Bezügen, wird man mitgenommen auf eine Reise in die Vergangenheit, um zu ergründen, warum die Figuren geworden sind, wie der Leser sie kennen lernt. Mit Liebe zum Detail beschreibt die Autorin aus Sicht der Protagonistin die idyllisch gelegene Insel, Landschaft und Bewohner. Die Anziehungskraft zwischen der Frau und dem Geistlichen ist nicht von Anfang an nachvollziehbar, erst im weiteren Verlauf der Beziehung wird deutlich, dass ihr ein Gefühl tiefer Sehnsucht zugrunde liegt. Abschiednehmen bedeutet nicht nur Verlust, sondern beinhaltet auch einen Neuanfang, was eine tröstliche Note und einen Hoffnungsschimmer verleiht.
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