Kurzgeschichtensammlungen sind immer von der Auswahl ihrer Einzelbeiträge abhängig und mit dem Namen Ray Bradbury verbindet so mancher Leser zumeist Science-Fiction oder eine schräge Art von phantastischer Literatur, so daß man hier leicht enttäuscht sein könnte.
Denn "Die Mechanismen der Freude" ist eine Sammlung quer durch alle Genres, zwar oft phantastisch, aber mitunter auch einfach nachdenklich oder unter erzählerischen Gesichtspunkten zwingend. Ob die Geschichten gut oder schlecht sind, ist da eher nebensächlich, die Wirkung auf den Leser zählt.
Aus meiner Sicht ist die Qualität sehr unterschiedlich, aber niemals wirklich schlecht. Die berühmteste Story ist sicherlich die erschreckende "Jungs! Züchtet Riesenpilze in eurem Keller", in dem die 50er-Jahre-Alienparanoia noch mal wahre Triumphe feiert. Die Story "Ich warte" ist extrem gruselig, scheint aber eher zu den "Mars-Chroniken" zu passen, "Zum Krater von Chicago" geht in die Richtung von "Fahrenheit 451".
Betont wird oft die humorvolle Komponente: "Tyrannosaurus Rex" ist eine ironische Auseinandersetzung mit dem Filmbusiness; "Fast das Ende der Welt" postuliert ein Land, in dem kein Fernseher mehr funktioniert; "Die illustrierte Frau" ist ein liebevoller Umgang mit der Einbildungskraft; "Die Beste aller möglichen Welten" eine lakonische Betrachtung desselben Themas.
Doch auf heitere Beiträge folgen wieder Nachdenkliches und Düsteres, ja bedrückend Realistisches: die Titelgeschichte verzettelt sich ein wenig in ihrer Philosophie; "Vielleicht gehen wir fort" postuliert den Untergang der Indianer an dem Tag, an dem Kolumbus landet, der "Trommlerjunge von Shiloh" widmet sich einer realen Episode aus dem Bürgerkrieg. Beeindruckend, aber schwer zu lesen ist der visuelle Rauschbilderbogen "El Dia del Muerte".
Vielleicht fehlen hier und da die Überraschungsmomente, aber stets bleibt ein gewisser Eindruck zurück, mal stärker, mal schwächer, doch die gewisse Poesie in Bradburys Erzählungen zieht sich wie ein roter Faden durch. Ein Buch, daß man nicht in einem Rutsch lesen sollte, sondern mit Pausen, stets nur eine oder zwei Geschichten, zur Wirkung freigegeben.