Dieser Band hat mir nicht ganz so gut gefallen wie die anderen McKettricks - ich kenne die historischen allerdings noch nicht, das war für mich der erste *g*. Bis auf Rafe kommen die anderen Brüder und ihre Frauen allerdings nur kurz vor, Rafe allerdings begleitet uns durch das ganze Buch. Warum hat es mir also nicht so gut gefallen?
Da ist zum einen Lorelei. Sie ist mit ihren 30 Jahren schon eine sogenannte alte Jungfer, und um dem zu entgehen, verlobt sie sich kurzerhand mit einem Rechtsanwalt, den ihr Vater, der Richter, ausgesucht hat. Dem will sie vor allem gefallen, denn seit ihr Bruder in jungen Jahren gestorben ist, hat er ihr immer vorgehalten, dass er lieber sie verloren hätte. Als sie ihren Verlobten am Hochzeitstag! mit einer anderen im Bett erwischt, verbrennt sie demonstrativ ihr Hochzeitskleid und setzt fast die ganze Stadt damit in Brand. Und so ist sie eigentlich immer, unüberlegt, impulsiv und andere dürfen die Konsequenzen ausbaden. Ich konnte sie zwar oft verstehen, aber so manches Mal war es allerdings auch zuviel. Ihre Wortgefechte mit Holt waren zwar oft amüsant, aber die gewisse Spritzigkeit fehlte dann leider doch.
Holt ist auch nicht so der strahlende Held, wie alle tortured Heros will er natürlich keine Frau an sich binden, ohne ihn sind sie ja alle besser dran. Aber mit ihr ins Bett will er auf jeden Fall, was er auch ohne größere Probleme schafft. Als sie aber erkennt, dass er sie nicht heiraten will und sich eine eigene Zukunft aufbauen will, ist er damit aber auch nicht einverstanden. Ja was denkt er denn, soll sie tun, nachdem er sie entehrt hat? Vor sich hinvegetieren? Das hat mir den Charakter ein bisschen verleidet.
Rafe ist einfach klasse, seine Einwände und Einmischungen sind erste Sahne und er trifft einfach ständig den Nagel auf den Kopf. Er ist eindeutig das Sahnehäubchen der Geschichte und läuft den beiden Helden wirklich den Rang ab.
Es gibt noch so einige andere Ungereimtheiten, die mich ständig gestört haben. Lorelei reitet ein Maultier, die anderen Pferde. Ich dachte immer, ein Maultier ist langsamer als Pferde, aber Lorelei hat nich Schwierigkeiten, mit den anderen mitzuhalten. Sie behält das Maultier auch das ganze Buch über - aber ich hatte immer das Bild einer hinterhertrottenden Heldin auf einem zotteligen Maultier vor mir. Als sie bei ihrem Vater auszieht, um die heruntergekommene Farm ihrer verstorbenen Mutter zu übernehmen, hatte sie vorher noch nie auf einem Pferd gesessen. Und das im Wilden Westen und mit dreißig Jahren - Autos gab es doch damals noch gar nicht. Trotzdem reitet sie aber einen Tag nach ihren ersten Reitversuchen auf einem Viehtreck mit - wenn ich da an meine erste Reitstunde denke, da konnte ich am nächsten Tag vor lauter Muskelkater kaum laufen - geschweige denn am nächsten Tag stundenlang reiten. Eine weitere Frau, die mitreitet, ist hochschwanger - und schafft trotzdem den ganzen Treck von mehreren Wochen?
Tillie war auch so eine Person, mit der ich nicht wirklich warm geworden bin. Sie ist zwar erwachsen, hat aber noch ein kindliches Gemüt. Das war oft ziemlich merkwürdig geschildert, einerseits kam sie einem ganz vernünftig vor, andererseits war auch sie sehr unbedacht und handelt unüberlegt und dämlich. Einen kleinen Jungen Pearl zu nennen ist mir auch ständig aufgestossen - aber keiner hat sich getraut, zu sagen, dass der Name nun mal überhaupt nicht passt. Was ihr am Schluß passiert, hat sie sich auch selbst zuzuschreiben, hätte sie nur ein bisschen nachgedacht, wäre es nicht so passiert.
Aber wer die McKettricks mag, darf dieses Buch auch auf keinen Fall verpassen - die Familie verträgt auch mal eine nicht so gelungene Geschichte