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Die Maya Priesterin
 
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Die Maya Priesterin [Gebundene Ausgabe]

Andreas Gößling
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 520 Seiten
  • Verlag: Eichborn; Auflage: 1 (2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3821808233
  • ISBN-13: 978-3821808239
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 14,8 x 4,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
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Andreas Gößling
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Pferde sind die Überlebenden der Helden

Andreas Gösslings Roman «Die Maya-Priesterin»

Die Geschichte aus dem späten 17. Jahrhundert ist spannend: Ein junger spanischer Priester hat einer von der Inquisition verfolgten Schönen Unterschlupf gewährt. Zur Strafe wird er in das Herz der Dunkelheit versetzt. Er soll in Mittelamerika das Missionswerk fortsetzen, für das sein Vorgänger, der einige rätselhafte Aufzeichnungen hinterlassen hat, suizidal sein Leben liess. Fray Diego Delgado wird an der Küste der Neuen Welt nicht freundlich empfangen. Kein kirchliches Empfangskomitee, sondern gespenstisch unverweste Überreste eines Massakers an Weissen erwarten ihn. Auf abenteuerlichen und entbehrungsreichen Wegen gelangt Delgado nach Tayasal, in die heilige Hauptstadt des Maya-Reiches. Dort aber wird er, kaum angekommen, gefangen genommen, um zusammen mit seinen Begleitern in einer öffentlichen blutigen Zeremonie geopfert zu werden.

Im letzten Augenblick erhebt er, fieberhaften Intuitionen folgend, auf der obersten Stufe des Opfertempels seine Stimme, um in rudimentärer Maya-Sprache zu verkünden, er sei gekommen, das Versprechen eines Vorgängers einzulösen, der hier ein krankes Pferd zurückgelassen habe. Die Menge und Canek, der Gottkönig, voran, erkennen ihn flugs als den obersten Priester an, ja fast schon als den Messias des Pferdegottes, der den Exodus aus dem krisengeschüttelten Maya-Reich herbeiführen soll. Tiefer Sturz und himmlische Erhöhung, die aber nicht zuletzt dem brisanten Kontakt mit satanischen Gefilden ihren Reiz verdankt. Diego geniesst (wer wollte es ihm verdenken?) sein Überleben und nimmt dafür in Kauf, dass er nun zum Synkretismus verdammt ist. Er füllt Maya-Wein in christliche Schläuche, spricht Formeln wie «Im Namen des Rappen, des Fohlens und des heiligen Maises» und lernt erstaunt die Maya-Hochkultur inklusive ihrer Schrift kennen. Mit steigendem Entsetzen muss er feststellen, dass die ihm christlich vertraute Idee des Opfers auch in den Köpfen der hohen Maya-Priester spukt. Am Ende ist der Fremde ein Opfer unter all denen, die sich selbst opfern, weil ihnen ihre eigene Kultur fremd geworden ist. Die spanischen Soldaten, die zu spät kommen, um einen der ihren zu retten, setzen die ihnen fremde Bibliothek in Brand (Ecos «Name der Rose» lässt grüssen). So weit die Grundzüge der nur scheinbar exotischen Handlung.

Keine Frage: Andreas Gössling hat auch das geschrieben, was man einen Schmöker nennt, der für Kurzweil an langen Regentagen taugt – und einen historischen Roman, in dem «Wissen angesiedelt» ist (Walter Benjamin). Um das Genre des historischen Romans aber ist es (erinnert sei nur an Felix Dahns Roman «Der Kampf um Rom», der 1876 erschien und vom Ende des Römischen Reiches erzählte) eigenartig bestellt. Sein Autor, der Poeta doctus ist, wie schon sein Begriff anzeigt, eine gespaltene und also bedrohte Gestalt. Der gelehrte Dichter hält es mit der Maxime des Horaz, der gemäss die Dichter sowohl belehren als auch erfreuen wollen: Aut prodesse aut delectare volunt poetae. Die lateinische Wendung «aut . . . aut» aber hat einen bemerkenswerten Doppelsinn. Sie kann ebenso «sowohl als auch» wie «entweder oder» meinen. Dichter, die ihre Leser sowohl belehren als auch erfreuen wollen, laufen Gefahr, sie entweder zu belehren und dafür Langeweile in Kauf zu nehmen oder aber zu erfreuen und dafür den Preis sachlicher Inkorrektheiten zu zahlen. Gössling gelingt das narrative Kunststück, beide Leistungen zugleich zu erbringen und ineinander zu weben.

Aufschlussreich ist über das hinaus, was man vom Maya-Experten, der unter Pseudonym Fachbücher zum Thema vorgelegt hat, an Wissenswertem erfährt, wie der Roman das grosse Thema Kultur- und Religionskonflikt ausgestaltet. Die besten Passagen des Buchs sind die, in denen der priesterliche Protagonist zutiefst erschrickt, weil der Kontakt mit einer fremden Kultur ihn nötigt, einen fremden Blick auf die eigene Religion zu werfen. Erlösungsfixierungen, Opferrituale, Blutphantasmagorien, Pseudo-Arkanwissen, Konflikte der Interpretation hier wie dort. Christus am Kreuz blutet wie der Gottkönig der Maya. Vernichtet werden die Offenbarungsbücher des Feindes, weil im Feind die eigene Frage und Fragwürdigkeit Gestalt annimmt. Und fragwürdig wäre immerhin, ob dieses Leben hier nicht besser ist als der schlechte Ruf, den es in Religionen der Wiederkehr und der Auferstehung geniesst.

Der Poeta doctus Dr. Andreas Gössling (der mit einer Untersuchung über Thomas Bernhards frühe Prosa promoviert hat) scheint ab und an Angst davor gespürt zu haben, dass das «prodesse», das Belehren-Wollen, auf Kosten des «delectare», des Erfreuens, überhand nimmt. Wohl deshalb hat er sich zu einem parataktischen Stil entschlossen, der gänzlich antipodisch zu den Hypotaxen Bernhards steht. Das klingt dann z. B. so: «Fray Diego verstand. Der silberne Halbmond. Das Zeichen Ixquics. Hernan hatte Recht.» So suggeriert man Atemlosigkeit – über 520 Seiten. Zwischen der episch-gelehrten Konzeption und dem Abenteuergeschichten-Stil dieses Buches besteht ein Spannungsverhältnis, das manchmal, aber durchaus nicht immer seinen Reiz entfaltet. Es ist der Reiz, im Fremden dem Eigenen und im Eigenen dem abgrundtief Fremden zu begegnen.

Jochen Hörisch

Kurzbeschreibung

Mexiko, Ende des 17. Jahrhunderts. Der spanische Priester Diego Delgado soll als Missionar die Heiden im unwegsamen Dschungel des Péten bekehren. Doch je tiefer er in das alte Reich der Maya eindringt, desto mysteriöser werden die Geschehnisse. Zum großen Maya-Kinoevent »Apocalypto« von Mel Gibson -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein wunderbares Buch! 26. August 2003
Format:Taschenbuch
Mir persönlich hat das Buch unglaublich gut gefallen. Auch gerade weil die Hauptperson, ein spanischer Priester, und seine Gefolgsleute oft aus aussichtslos scheinenden Lagen doch wieder auf wundersame Weise entkommen ist. Dadurch nahm das Buch immer wieder neue Wendungen und die Spannung steigerte sich durchgehend bis zum Schluss. Ich habe das Buch regelrecht verschlungen und es innerhalb weniger Tage gelesen. Uns so ganz nebenbei lernt man so einiges über die Kultur, die Götter und den Kalender der Maya. Allen, die sich für das Leben der Maya und spannende Romane interessieren, kann ich dieses Buch nur empfehlen!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Über 500 Seiten hat dieses Buch, und an drei Abenden hatte ich es ausgelesen. Einmal begonnen, war es schwer, es wieder wegzulegen. Dabei bedient sich der Autor doch so ungeniert aus der Trickkiste der Spannungserzeugung, dass der Roman schon fast etwas comichaftes bekommt. Immer wieder steckt der Held, ein spanischer Pater, den es einer verbotenen Liebe wegen ins Land der Maya verschlagen hat, in vollkommen ausweglosen Situationen. Und doch gelingt es ihm jedesmal, in buchstäblich letzter Sekunde ... oder beim nächsten Mal vielleicht doch nicht?

Dieses Sich-Hineinfallenlassen in eine schier endlose Folge von bis aufs Äußerste angezogenen Spannungsbögen erinnert an die verloren geglaubte Zeit, als man mit Winnetou und Old Shatterhand im fremden Westland durch die Abenteuer bangte. Hierin schlägt die in den Pyramiden Mittelamerikas spielende Maya-Priesterin auch ihre Konkurrenten, z.B. die in ähnlichen Gebäuden des alten Ägypten pielenden Historienromane des Jaques Picard, um Längen.

Und dann kommt doch ein Punkt, an welchem man das Buch am liebsten aus der Hand legen möchte. Denn, wie auf dem Umschlag schon versprochen, wird uns wirklich das letzte aller Geheimnisse offenbart - und was bleibt danach schon noch zu erfahren? Wie der Autor mit dieser Ent-Täuschung der Leser spielt, ist ein kleines Meisterstück, durch das man auf schelmische Art ganz tief in die mystische Thematik des Buches hineingezogen wird. Und, soviel sei verraten, der Roman endet nicht mit der Offenbarung des letzten aller Geheimnisse - es gibt gerade danach immer noch etwas zu erfahren ...

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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Christian von Montfort HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Zum Inhalt: Padre Diego Delgado erobert im Namen der Kirche die letzte Maya-Bastion - die Stadt Tayasal, die noch nicht getauft ist. Dabei erlebt er ein Abenteuer à la Indianer Jones, das alles enthält, was die Maya so an Opferritualen etc. zu bieten hatten - und noch einiges mehr.

Vielleicht sehe ich es zu kritisch, aber ich hätte von dem "Maya-Experten unter Pseudonym" Herrn Gößling, doch mehr erwartet. Ich habe mich selbst ein Jahr lang in Zentralamerika viel mit der Maya-Kultur beschäftigt, und war über viele Details enttäuscht: da sind die Pyramiden plötzlich innen hohl; statt ihrer ausgefeilten astronomischen Kenntnisse bauen die Maya plötzlich obstruse riesige Uhren; die Priester-Kaste, die ähnlich unserer Kirche Religion und Gläubigkeit intelligent und gezielt als Machtinstrument eingesetzt hat, ist völlig naiv usw. Nachdem die Spanier auf ihrer wahnwitzigen Suche nach Gold (El Dorado) seit fast 200 Jahren tausende Indianer gefoltert und ermordet hatten, ging ihnen überall ein schrecklicher Ruf voran. Obwohl sie sich hier nur verteidigen, werden die Maya im Buch als grausames Volk dargestellt, dass "ohne Grund" Eindringlinge tötet und selbst Gäste der Stadt ständig bewusstlos schlägt (allein um Padre Diego wird es ca. 5x in 2 Wochen "schwarz"). Zuletzt scheint Gößling das Wunder des Nebensatzes noch nicht entdeckt zu haben, 500 Seiten abgehackte Sätze im Bild-Stil "Gefahr! Entsetzlicher Höllenschlund. Unfassbar schnell" waren doch etwas ermüdend.

Das ist schade, da sich die tatsächliche Eroberung äußerst interessant zugetragen hat. Die "Maya-Priesterin" ähnelt stark dem 3 Jahre vorher geschriebenen, aber um Welten besseren Buch "Die Aztekin" von Colin Falconer, der den Marsch von Hernándo Cortés 1524, also 170 Jahre früher, auf seinem Weg zum Aztekenkönig Motecuzoma beschreibt. Die ersten Ankömmlinge in der Neuen Welt wurden wirklich für Götter gehalten. Dadurch konnte sich damals eine kleine Gruppe von 100 Spaniern in dramatischen Aktionen gegen das wirklich kriegerische Millionenvolk der Azteken durchsetzen. Wer sich ernsthaft für die Maya/Aztekenkultur interessiert und ein spannendes Buch lesen will, sollte zuerst - oder besser nur - den Falconer lesen. Viel Spaß!

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Veröffentlicht am 9. Juli 2008 von aqvileia
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Am 27. April 2001 veröffentlicht
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Am 20. April 2001 veröffentlicht
Sehr spannend, historisch beeindruckend, toll geschrieben
Selten habe ich einen so spannenden Roman gelesen, der gleichzeitig so gut geschrieben und dessen historische Darstellung so faszinierend war wie Andreas Gößlings... Lesen Sie weiter...
Am 13. April 2001 veröffentlicht
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