Das kleine europäische Herzogtum Groß Fenwick verliert durch das Auftauchen eines Konkurrenzproduktes aus Kalifornien die USA als größten Absatzmarkt für sein einziges Exportgut - Wein. Da Groß Fenwick die USA niemals offiziell anerkannt hat, gehen mehrere Protestnoten an die Vereinten Nationen nach Genf und somit verloren. Das Herzogtum steht vor dem wirtschaftlichen Aus. Man beschließt also, der Supermacht den Krieg zu erklären, um sich als Verlierer - das ist von vornherein beschlossene Sache - mit Hilfe der zu erwartenden Aufbauhilfen der Amerikaner finanziell zu sanieren. Durch einen Zufall gelingt es aber dem ewas trotteligen Feldmarschall Tully Bascomb mit einer Schar von 20 Bogenschützen, den Krieg zu gewinnen. Groß Fenwick hält von diesem Zeitpunkt an die Welt in Atem.
"Die Maus, die brüllte" steht unverkennbar unter dem Einfluss des kalten Krieges und der damaligen Angst vor der zunehmenden atomaren Bedrohung. Jack Arnold verstand es in dieser britischen Produktion meisterhaft, die Stimmung der damaligen Zeit in eine wirklich gelungene Satire zu übertragen. Die zahlreichen Seitenhiebe auf die Atommacht USA, in der fünf Jahre zuvor noch die McCarthy-Ära eine ganze Nation in einen Angstzustand versetzt hatte, hätte es 1959 mit Sicherheit in keinem amerikanischen Film geben können.
Im Film gibt es eine schöne Andeutung auf die damalige Furcht vor einer Invasion durch UFOs (man hält die Bogenschützen irrtümlich für Außerirdische). Das ist deshalb interessant, da diese Ängste in den 50er Jahren ursprünglich aus der Angst vor den Sovjets und dem Kommunismus erwuchsen. Die zahlreichen SciFi und Horrrorfilme aus diesem Jahrzehnt sind als ein Zeichen ihrer Zeit zu verstehen. Der Regisseur Jack Arnold schwamm damals wiederum mit B-Movies wie "Metaluna 4 antwortet nicht", "It Came From Outer Space" oder "Tarantula" recht erfolgreich auf dieser Welle mit.
Der unvergessene Peter Sellers brilliert gleich (wie später auch in "Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben") in mehreren Rollen. Als Premierminister Graf Rupert Mountjoy, Feldmarschall Tully Bascomb und Herzogin Gloriana XII durfte Sellers wieder einmal seine Wandlungsfähigkeit und sein großes komödiantisches Können unter Beweis stellen.
"Die Maus, die brüllte" versteht sich als eine liebenswürdige Satire. Der Humor ist nicht zu bösartig, aber die kritische Botschaft ist trotzdem klar. Die wirklich schöne Story und die witzigen Dialoge machen den Film auch heute noch sehr sehenswert. Schade ist nur, dass die Bonusausstattung so mager ausgefallen ist. Bei all den Andeutungen und Bezügen zum damaligen Zeitgeschehen hätte sich vielleicht eine kleine Dokumentation zum besseren Verständnis angeboten. Da ich den Film aber so sehr mag, gebe ich der DVD trotzdem die volle Punktzahl.