Die Mauern des Universums' erzeugt vom Titel her angefangen über die Sprache und die Handlung ein echtes Retro-Feeling. Vielleicht fühlen sich einige Leser daher tatsächlich an ihre Jugendzeit erinnert! Der Roman basiert auf einer gleichnamigen Kurzgeschichte des US-SF-Shooting Stars Paul Melko, die 2007 für verschiedene amerikanische SF-Preise (Hugo, Nebula, Sturgeon) nominiert worden war und schließlich den Asimov's Reader Award gewann. Auf deutsch liegt die Story-Sammlung 'Ten Sigmas', in der die Kurzgeschichte enthalten ist, im Jahr 2010 leider noch nicht vor.
Paralleluniversen sind eins der Leib- und Magenthemen von Melko. Für den SF-Fan bietet diese im Vergleich zu Zeitreisegeschichten noch nicht ganz so stark ausgeschlachtete Idee einige Möglichkeiten. Das Hüpfen zwischen verschiedenen, z.T. sehr ähnlichen Universen wird im ersten Viertel des Buches sehr hübsch dargestellt. Man fühlt sich manchmal an eine Variante von '"Und täglich grüßt das Murmeltier"' erinnert. Insgesamt hat der Roman aber auch durchaus ein '"Zurück in die Zukunft"'-Feeling, auch wenn es eben nicht um Zeitreisen, sondern um Universenreisen geht. Auch '"Smallville'" kam mir in den Sinn.
Melko pflegt eine einfache und klare Sprache, er legt sehr viel Wert darauf, ohne viel "'Geschwafel"' präzise zur Sache zu kommen. Der Roman folgt dieser Maxime und kommt ohne Vorlauf sofort in Gang. Dies dürfte auch seiner Herkunft als Kurzgeschichte zu verdanken sein. Ich war jedenfalls sehr angenehm überrascht, nicht erst mit der kompletten Biographie und den besonderen Lebensumständen des Helden konfrontiert zu werden, sondern gleich in medias res zu gehen. Dies hat jedoch schon den Nachteil, dass die Charakterschilderungen nicht allzu tiefgehend sind. Aber es ist eben mehr ein SF-Abenteuerroman mit ein wenig physikalisch-philosophischem Touch.
Der Roman hat einen starken Drive, der allerdings in der Mitte vorübergehend etwas nachlässt. Ich finde die Idee mit den Flippern zu stark ausgewalzt. Am Ende überschlagen sich dafür -' wie bei leider so vielen Romanen -' die Ereignisse, um zu einem durchaus offenen Ende zu führen, das Raum für eine Fortsetzung lässt. Es wurden auch nicht alle angedeuteten Geheimnisse gelüftet.
Hübsch fand ich, dass teilweise etwas Atmosphäre wie in den Krimis der 40er/50er Jahre (Schwarze Serie) aufkommt, die an Autoren wie Cornell Woolrich, Harry Whittington oder Robert Bloch denken lässt (bzw. aktuell die Hard Case Crime-Serie). Da wird quasi nicht nur zwischen den Universen, sondern auch den Genres gehüpft. Und es passt.
Eine Moral hat die Geschichte um Suche, Heimkehr, Freundschaft, Liebe, Vielfalt und Einzigartigkeit natürlich auch und es ist eine sehr amerikanische, die ich hier aber natürlich ebensowenig verrate wie den Ausgang des Romans...
Von den genannten Mängeln abgesehen fand ich das Buch sehr gut lesbar, fesselnd und habe mir auch gleich auf englisch die Story-Sammlung bestellt. Deshalb gibt es trotzdem 5 Sterne.