Die Berliner Mauer, die Mauer, der "antifaschistische Schutzwall",... Bezeichnungen für die Mauer um Berlin herum, welche vom 13. August 1961 an 28 Jahre, zwei Monate und 27 Tage (!) bestehen blieb, gibt es einige. Doch längst ist es im allgemeinen Sprachgebrauch "DIE MAUER", welche für das jahrelange Umschliessen, Einschliessen, Verletzen und sogar Töten steht, das in ihrer unmittelbaren Umgebung geschah.
Mehr als 1200 Tote gab es in diesem Zeitraum zu beklagen. 45 Kilometer innerstädtische Grenze und 160 Kilometer um West-Berlin herum wurden abgeriegelt und damit zahlreiche Verkehrsverbindungen gekappt und unzählige zwischenmenschliche Verbindungen unterbunden. Im Vorfeld des Mauerbaus gab es eine gewaltige Fluchtbewegung aus der DDR heraus mit mehr als 3,5 Millionen Personen.
Jahre bzw. Jahrzehnte später und bald 20 Jahre nach dem sogenannten "Mauerfall" am 9.11.1989 sind die Hintergründe für den Bau vielfach in Vergessenheit geraten. Welche Gründe es für den Bau gab bzw. welche vorgeschoben wurden, lässt sich wohl nur mit einer genauen Analyse der politischen Großwetterlage nachvollziehen. Der Heidelberger Professor für Zeitgeschichte, Edgar Wolfrum, geht einer Vielzahl von Fragestellungen nach und untersucht detailreich die Vor- und Geschichte der Mauer sowie ihre "Nachwirkungen" und wie sich auch in unserer Zeit noch Mauern zur Abgrenzung zeigen.
In gut verständlichen, essayartigen Kapiteln zeigt der Autor diverse Gesichtspunkte rund um die Mauer auf und macht anschaulich, wie das Gesicht der Welt sich mit diesem Mauerbau verändert hat.
Er bezieht die Zeit vor 1961 (mitsamt den Aufstandsbewegungen in Ungarn 1956 und in der DDR im Jahre 1953) ein und erläutert die Beziehungen der "Siegermächte" zueinander. Hier wird Geschichte äußerst lebendig. Zum Teil wird man noch einmal an dramatische Situationen erinnert und bekommt mit der Beschreibung der Fluchten bzw. Fluchtversuche und dem "Schießbefehl" nocheinmal vor Augen geführt, was vor dem "Mauerfall" tatsächlich oftmals so schicksalshaft passierte.
Kenntnisreich werden hier die politischen Entwicklungen verdeutlicht, welche schließlich zum "Mauerfall" führten. Dies versteht der Autor mit klaren Beispielen sehr anschaulich zu vermitteln und bezieht hierbei unterschiedliche Quellen ein. Die "Geschichte einer Teilung" - wie es im Untertitel heißt - ist im Grunde genommen eine Geschichte der "Mit-Teilung" an die junge Generation: "Lest nach, schaut Euch alles ganz genau an, besucht die Erinnerungs- und Gedenkstätten, macht Euch mit Details vertraut und feiert die Überwindung der Teilung!". Edgar Wolfrum ist ein vortrefflicher Geschichte- und Geschichtenerzähler, der Vorder- und Hintergründiges gleichermaßen zu veranschaulichen vermag. Die schwarz-weiß-Aufnahmen, welche Szenen aus den unterschiedlichen Phasen der Mauer zeigen, sind oftmals eher unbekannt und veranschaulichen eine andere Sichtweise auf die Mauer. Das Personenregister am Ende des Buches ermöglicht ein rasches Wiederfinden der beteiligten und beschriebenen Personen. Leider gibt es im Vorsatzblatt keine kartographische Veranschaulichung über die Dimension der Mauer.
Ansonsten aber eine ungemein lebendige Geschichte über ein leider so prägendes Element der deutschen Nachkriegsgeschichte. Mögen viele Erwachsene und Jugendliche das Buch nutzen, um gegenwärtige Tendenzen und Strukturen im politischen Bereich angemessen zu reflektieren und zu beurteilen!