Keine Frage: Ray Bradburys "DIE MARS-CHRONIKEN" sind ohne Zweifel eines der wichtigsten Werke der SF-Literatur. In seiner poetischen, melancholischen und nachdenklichen Kraft ist dieses Buch in den letzten 60 Jahren in der SF selten erreicht und vermutlich nie übertroffen worden. Die Idee, das Ganze als Episodenfilm ins Fernsehen zu bringen sorgte vor 30 Jahren zurecht für Furore, zumal sich der Stoff eigentlich für eine TV-Miniserie gut eignet... so darf jeder SF-Fan mehr als gespannt sein, das Endresultat heute auf DVD zu sehen. Ich selbst erinnere mich noch dunkel daran, wie das Ganze Anfang der 80er im deutschen Fernsehen lief, und daher gab es für mich wenig Zögern, als ich mir diese DVD zulegen konnte.
Leider musste ich beim Anschauen dieser Verfilmung feststellen, dass sie leider nicht den Erwartungen gerecht werden können - weder denen, die man an die Verfilmung eines solchen Meilensteins setzen muss, noch denen, die man an gutes SF-Fernsehen stellt. Sehr schade, wie gesagt, die Vorlage hätte sowohl mehr verdient wie auch, da die Handlung weniger auf Special FX als auf Schauspiel und Emotion setzt, enormes Potential geboten.
Aber im Einzelnen:
Positiv ist neben der guten Grundidee festzuhalten, dass man sich an den Grundaufbau von Ray Bradburys Werk hielt und einzelne Episoden in chronologischer Reihenfolge erzählt. Das Drehbuch wurde übrigens von Richard Matheson konzipiert, welcher sich in der SF-Literatur durchaus verdient gemacht hat und dessen Werk "I Am Legend" auch zu Recht als Meilenstein gilt. Die Erzählweis ein Episoden sorgt für Eines: für Abwechslung und unterschiedliche Stimmungen ist, obgleich es einen roten Faden gibt, bestens gesorgt, und die Schauspieler (u.a. Rock Hudson und Maria Schell) machen ihren Job zumeist wirklich ansprechend. Die Auswahl der Episoden (es wurden nicht die kompletten MARS CHRONIKEN verfilmt) ist auch soweit gut. Wichtig ist auch, dass die MARS CHRONIKEN genau wie das Buch auch in ihrer TV Version schlichtweg etwas anderes sind, und das Ganze weitab vom Mainstream inszeniert ist.
Negativ ist allerdings zu bemerken, dass manche Episoden arg umgeschrieben wurden - so sehr, dass die Botschaft und die Dramatik mancher Geschichten (z.B. "Schlechte Saison") mitunter in den Hintergrund gedrängt wird und manchmal ganz verloren geht. Hinzu kommt, dass manche Episoden eher dröge und schlaff inszeniert sind, und nicht wirklich die Stimmung der Vorlage rüberbringen. Außerdem sind die Trickeffekte auch für das Herstellungsjahr mehr als grottig, und Manches sieht einfach derart stümperhaft aus (z.B. die Raumschiffe im Flug oder die marsianischen Sandschiffe), dass es einen fast ärgert... hier hätte man auch 1980 mit einem geringen Aufwand wesentlich Besseres liefern können. Manche Kulissen sind ebenfalls mehr als dilletantisch. Normalerweise störe ich mich an mäßigen Tricks nicht, hier sind die dann doch wirklich miserabel und machen tatsächlich einen Teil der Stimmung kaputt.
Alles in allem: ein ambitioniertes Projekt mit guten Ansätzen, leider sowohl trick- wie auch erzähltechnisch leider nicht wirklich überzeugend.