Maria Braun ist einen halben Tage mit ihrem Mann verheiratet, dann muss er zurück an die Front des sich zum Ende neigendem 2. Weltkrieges. Nicht viel und doch genug um alles was sie tut, für ihn zu tun. Auch als sie die Nachricht seines Todes erreicht, glaubt sie weiter an seine Rückkehr. Sie ergreift die Initiative und sichert sich und ihrer Mutter ein Überleben in einem zerstörten und mittellosen Nachkriegsdeutschland. Ein anderer Mann. Die Rückkehr des Ihren. Jemand stirbt. Ein zweites und drittes Mal wird das gemeinsame Leben verhindert. An der Seite eines weiterer Mannes hat Maria alles im Griff. Nichts bleibt dem Zufall überlassen, sie agiert und lenkt, sie ist erfolgreich. Und als, nach einer endlosen Zeit des Getrenntseins von ihrem Mann, das Happy End und endlich das ersehnte Zusammensein in Aussicht steht, nimmt sich Maria das Leben.
Fassbinder war 1979 kein Neuling mehr. Sein Name war bekannt, sein Budget und damit seine Möglichkeiten waren gestiegen. Fassbinder will weiter ein Querkopf und Sonderling bleiben und geht dennoch Kompromisse ein.
Das Ergebnis: Ein professioneller Film mit verstörenden Elementen. Fassbinder macht weiter Theater. Episches Theater. Brechts Einfluss ist unverkennbar. Statisch inszeniert, überladen mit Verfremdungseffekten. Keine Sekunde Stille. Immer Hindergrundsgeräusche: Maschinengewehrfeuer und Presslufthämmer, Schlüsselbundklirren und Kantinenlärm, Adenaueransprachen und Fußballweltmeisterschaftübertragungen. Die Dialoge werden übertönt, zum Teil bis zur Unverständlichkeit. Zu Beginn glaubt man noch, der Film sei schlecht abgemischt, doch die Konsequenz der Einsetzung dieses Stilmittels belehrt eines Anderen.
Ebenso inszeniert: die Figurenrede und das Spiel. Statisch und gekünstelt. Theater auf Zelluloid.
Maria Braun: eine Kunstfigur. Zielstrebig und taff. Projektionsfläche ohne Identifikationsmöglichkeit. Die Männer bleiben Randfiguren und Spielbälle. Gerade ihr Mann gewinnt kein Profil, so dass der Zuschauer nicht verstehen kann warum sie ihm so bedingungslos ergeben ist. Am Ende wird ihr das wohl selbst klar.
Darf man einen Klassiker kritisieren? 2009 - muss man filmgeschichtlich 30 Jahre zurückdenken. Alle sind sich einig: Fassbinder war ein Genie. Darf man daran Zweifel äußern?
Ein paar Fragen, statt Antworten und Interpretationen: Sind Fassbinders Verfremdungseffekt nur Spielerei? Selbstzweck? Was bewirken sie? Klar, sie verhindern eine Identifikation. Muss man das nach Brecht noch machen? Nach Fassbinder kommen Jelinek, Lars von Trier und das ganze Postdramatische Theater. Alle wollen das gleiche: Identifikation verhindern und mit Rezeptionsgewohnheiten brechen - verstören. War Fassbinder zu dieser Entwicklung nötig?
Am Ende bleibt man ratlos. Ist Fassbinder nicht immer überschätzt wurden? Oder war, was man soeben sah doch absolut genial und vielschichtig?