Wäre das Thema "Die Frau im Islam" nicht gerade so aktuell, würde sich wohl kaum ein Mensch für dieses seichte Erotik-Geplänkel interessieren. Die Autorin beweist Mut, weshalb ich dem Buch zwei Sterne gebe, aber sonst konnte ich ihm nicht viel abgewinnen.
Badra wächst in einem marokkanischen Dorf auf und wird als junges Mädchen zwangsverheiratet, in der Ehe vergewaltigt und mit Mißachtung behandelt, da sie nicht schwanger wird. Dieser Teil des Buches war wirklich erschütternd und schildert vermutlich Zustände, die nicht gerade selten sind. Anschließend flieht sie in die Stadt zu ihrer recht unabhängig lebenden Tante, von der sie in "bessere", d.h. wohlhabendere Kreise eingeführt wird, um dort nach einem neuen Ehemann zu suchen. Badra stößt ihre Tante vor den Kopf, indem sie sich mit Driss einläßt, einem brillianten, angesehen Arzt, der sie aufgrund der gesellschaftlichen Schranken aber nicht zur Frau nimmt. Mit Driss erlebt Badra erstmals in ihrem Leben sexuelle Erfüllung.
Das alles wäre ja nicht uninteressant, würde die Autorin nicht derart auf dem Thema Sex herumreiten und sich in schwülstigen Liebesszenen ergehen. Es interssiert mich einfach nicht, über mehrere Seiten hinweg zu lesen, wie es ihr in ihrem Dorf als Heranwachsende gelang, endlich einmal den Penis eines Jungen zu sehen. Außerdem übersieht sie vollkommen, in welcher Abhängigkeit von ihrem Liebhaber sie sich befindet. Der Intellektuelle weiß, dass Sex mehr Spaß macht, wenn beide etwas davon haben, verführt das schüchterne, ängstliche Mädchen nach allen Regeln der Kunst und macht sie mit Kultur und Literatur vertraut. Somit ist Badra in jeder Hinsicht das Produkt seiner Erziehung, nichts weiter. Statt dies zu erkennen, schwärmt sie von seinen Talenten als Liebhaber und zeigt sich dankbar für jedes Almosen. Als Emanzipation würde ich das nicht bezeichnen, aber vielleicht wollte die Autorin auch keine totale Emanzipation im westlichen Sinne schildern. Für arabische Verhältnisse ist dieser Roman sicher rebellisch, doch ich hatte schon nach der Hälfte genug.