Ibrahim al-Koni erhebt den Anspruch mit "Die Magier" das Epos der Tuareg geschrieben zu haben, ein literarisches Werk, daß die Kultur der Tuareg nach außen repräsentiert und darstellt. Ein hoher Anspruch, den er erfüllt hat - soweit ich das beurteilen kann ohne je einen Tuareg persönlich kennengelernt oder mich in der Zentralsahara aufgehalten zu haben.
Der rote Faden der sich von Anfang bis zum Ende durch das Buch zieht ist die Spannungssituation die sich aus den Gegenpolen nomadisierender und sesshafter Tuareg ergibt, aber auch generell zwischen Menschen, die sich an Besitz (symbolisiert durch Gold) klammern um Sicherheit zu erlangen aber damit ihre Freiheit verlieren und jenen, die den Besitz und die (trügerische) Sicherheit verachten und der Freiheit den Vorzug geben. Inhaltlich geht es um zwei Tuaregstämme die an dem gleichen Brunnen ihr Lager aufschlagen. Während der eine Stamm aus Nomaden besteht, die dort nur vorübergehend bleiben wollen, gründet der andere Stamm auf Betreiben ihres Scheichs eine Stadt. Das Bestreben des Scheichs ist es das "verlorene Waw", also das verlorene Paradies des alten Testament auf Erden zu errichten. Um den Handel anzukurbeln fördert der Scheich den Umgang mit Gold. Dies ist die Ausgangssituation in die hinein eine Vielzahl von Legenden, Sagen und Weisheiten aus der Wüste eingeflochten werden. Es agieren eine Handvoll Hauptfiguren die soweit stilisiert sind, daß sie typische Eigenschaften der Tuareg, aber auch der Menschen allgemein darstellen, die aber auch soweit individuell dargestellt werden, daß sie nie hölzern und unglaubwürdig erscheinen. Eine interessante Eigenschaft des Buches, die das Lesen aber auch ein wenig erschwert ist die Tatsache, das al-Koni aus der Sicht eines Wüstenbewohners erzählt, für den die gesamte Schöpfung belebt ist und nicht aus der Sicht eines aufgeklärten Bürgers der westlichen Welt. Obwohl er diesen Standpunkt wahrscheinlich auch nachvollziehen kann, hat er doch in Moskau studiert und danach in Warschau und der Schweiz gelebt und gearbeitet. Seine Figuren sind in der Wüste geboren und ihr Glaube an den Koran ist stark unterlegt von animistischer Religion und den Gesetzen der Vorfahren. Immer wieder erscheinen mehr oder weniger faßbar Dschinnen, Berge bewegen sich durch die Wüste, schließen Pakte, Bergziegen erscheinen als Vorfahren von Menschen, und so weiter. Wie es auch keine nationalen Grenzen in dem Buch gibt, so gibt es auch keine wirkliche Grenze zwischen Realität und Fantasie. Dies ist für Leser aufgeklärter, technisierter Industrieländer vielleicht ein wenig irritierend, andererseits gibt es dem Leser einen viel interessanteren Einblick in die Welt der Tuareg als eine schlichte rationalistische Beschreibung. Fünf goldene Punkte für 'die Magier'. Ups - ' streichen wir lieber das Wort '"goldene'"...