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Die Machtfrage: Ansichten eines Nichtwählers [Gebundene Ausgabe]

Gabor Steingart
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (22 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

1. März 2009
Die deutsche Demokratie wirkt matt und müde. Die Parteien als Träger politischer Macht sind überfordert. Was tun? Einer der wichtigsten politischen Journalisten des Landes bleibt nicht bei der Analyse stehen: Sein Buch liefert überraschende Innensichten der Macht – und eine ebenso überraschende (Wahl-)Empfehlung. Gabor Steingart will Mut machen. Er wirbt für eine Erneuerung der Demokratie. Bonn, Berlin, Washington: Gabor Steingart kennt Akteure und Abläufe der Politik wie nur wenige Journalisten. Sein Bestseller über die Wirtschaftsmisere (»Deutschland. Der Abstieg eines Superstars«) ist eines der einflussreichsten Bücher der letzten Jahre. Sein Globalisierungsthriller »Weltkrieg um Wohlstand« wurde in rund 20 Ländern publiziert, darunter in China und den USA. Henry Kissinger sprach von einem »präzise und fesselnd geschriebenen Realitätscheck für Amerika«. – Pünktlich zum 60. Geburtstag der Republik widmet sich Steingart in »Die Machtfrage« dem demokratischen System in Deutschland. Mit kühler Präzision beschreibt er die Kanzlerkandidaten und den Niedergang der Volksparteien. Sein alarmierender Befund: Die Demokratie ist erstarrt. Die Parteien sind nicht mehr repräsentativ für das Volk, das sie führen. Sie fremdeln mit der Lebenswirklichkeit, ihre Gestaltungskraft ist geschrumpft, ihr Machtwille allerdings ungebrochen. Deutschland habe sich in eine »Demokratie von oben« verwandelt, in der zunehmend »Politik ohne Volk« betrieben werde.


Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Piper (1. März 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492051510
  • ISBN-13: 978-3492051514
  • Größe und/oder Gewicht: 20,2 x 12,6 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (22 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 232.638 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Wer sich in der politischen Psychologie eines Volkes auskennt, weiß genau, was eine stark zunehmende Wahlenthaltung wirklich bedeutet. Wenn es nach Gabor Steingart geht alles andere als Gleichgültigkeit. In seinem Buch Die Machtfrage hält der Spiegel-Redakteur ein provokantes Plädoyer für das von den Grundgesetzvätern bewusst vorgesehene Mittel des Nichtwählens als legitimen Ausdruck des Protests. Zumal in Zeiten, in denen es sich bei Wahlen in unserem Lande eher um Lotteriespiele mit unscharfen Akteuren und unvorhersehbaren Koalitionen handelt.

Steingart gehört zu einer unverdächtigen Generation waschechter Demokraten, die ihre Sozialisation in der politischen Aufbruchstimmung nach der Kanzlerwahl Willy Brandts erfahren haben und erstmals zur Wahlurne schreiten durften, als es den reaktionären Franz-Josef Strauß zu verhindern galt. Umso größer fallt das Bedauern aus, mit dem er den schleichenden Verfall der großen demokratischen Leidenschaften in unserem Land konstatiert. Dass die heutige Politik weniger bewundert als misstrauisch beobachtet oder – schlimmer noch – gleichgültig hingenommen wird, ist für ihn ein Alarmsignal: „Wenn es mehr Gleichgültige als Wohlmeinende gibt, sind die Tage der Demokratie gezählt.“ Die Mattigkeit der Politiker und Parteien, die sie hervorgebracht haben, ist ihm besonders als Amerikakorrespondent bewusst geworden. Als Kontrastprogramm zur messianische Lichtgestalt Barack Obama führt er Angela Merkel vor, die es angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Land für klug halte, möglichst undeutlich zu sein und die CDU nach dem Motto „Lieber drei Nickköpfe als ein Störenfried“ anführe. Der Autor ist überzeugt, dass die Demokratie nicht nur vom Miteinander sondern in weit höherem Maße vom Gegeneinander der Parteien lebt, getreu dem Wort von Hannah Arendt vom „Miteinander-Sein der Verschiedenen“. Und die SPD? Ihr bescheinigt Steingart eine Neigung zur Selbstzerfleischung und einen latenten Widerwillen gegenüber der Regierungsverantwortung.

Sein Fazit: Wer die Öffnung des als zutiefst versteppt und verstaubt empfundenen Parteienstaates vorantreiben wolle, dürfe ihn nicht bestätigen. „Wer wählt, stimmt zu. Jede Stimme für eine der Parteien wird diese sofort als Ermunterung zum Weiter-so verstehen.“ Eine messerscharfe Analyse der Funktionsdefizite unseres politischen Systems und ein Aufruf zum bürgerlichen Ungehorsam, wie er wohlbegründeter kaum sein kann. Arnold Abstreiter

Über den Autor

Gabor Steingart, geboren 1962, war Leiter des Hauptstadtbüros des Spiegel und dessen Korrespondent in Washington. Seit 2010 ist er Chefredakteur des Handelsblatt. Seine Bücher fachen immer wieder Debatten an und landen regelmäßig auf den Bestsellerlisten.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessante Agrumentationen 20. Oktober 2009
Format:Gebundene Ausgabe
Ich selbst - 17 Jahre alt - war dieses Jahr leider noch nicht wahlberechtigt. Trotzdem habe ich mir dieses Buch gekauft, da ich mir Informationen anlesen wollte, die sich mit den heutigen Parteien befassen und wie sie sich in vielen Punkten ähneln und ausstauschbar sind - so zumindest war es in der Kurzzusammenfassung des Buches "Die Machtfrage" versprochen worden.
Ich hatte mir vor Beginn der Lektüre leider mehr von diesem Buch erwartet. Herr Steingart schreibt für meinen Geschmack zu umständlich. Das Lesen wurde dann nach den ersten Kapiteln umständlich, besonders die vielen Absätze machen den Lesefluss schwierig.
Auch inhaltliche Argumentationen, dass das Nichtwählen das politische System umstrukturieren kann, überzeugt nicht durchweg. Die anschließende "Debatte zum Buch" sehe ich eher als Wiederholung einiger Meinungen in verschiedenen Formulierungen.
Wer sich dieses Buch kauft, sollte also nicht soviel erwarten, wie vielleicht versprochen wird.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Organisationsform "Partei" als Problem! 2. Juni 2010
Von Chris
Format:Gebundene Ausgabe
Endlich! Endlich schreibt es jemand! Endlich sieht es jemand deutlich und pustet Klarheit zwischen die Nebelkerzen. Die Parteien haben nicht aus ihrem Versagen in der Weimarer Republik gelernt. Sie verwalten eine Demokratie, in der allein sie wirklich wirkend gestalten dürfen und vertreten damit allumfassende Machtansprüche. Das Individuum, das sich ihnen nicht einordnet und unabhängig gegenüber diesen wankelmütigen Instanzen bleibt wird gestalterisch weitesgehend ausgeschlossen oder zur völligen Passivität verdammt.
Politik- und gar Demokratieverdrossenheit sowie das Nichtwählen erhellen sich in neuem Licht und zeigen, dass unser politisches Zeitalter unter dem absolutistischen Selbstverständnis der Parteien und ihrer Vertreter leidet.

Das Buch zeichnet auf, wie es sich um ein Land verhält, in dem demokratische Repräsentanten weit mehr "Parteienvertreter" denn "Volksvertreter" sind.
Es stellt die richtigen Fragen und kritisiert die richtigen Stellen und versucht (fast verzweifelt) das Nichtwählen aufgrund der grassierenden Defizite als anerkennenswerten Akt zu beweisen. Geschieht es unter den Motiven dieses Buchs, so ist es dies zweifellos.

Danke dafür!
Und dennoch wird es ein vergleichsweise stummer Ruf bleiben. Die Strukturen unserer Parteiendemokratie, jene blassen Wände von Papier, geben solchen Vorwurf kein Echo der Einsicht.
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39 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Bitte nicht wählen (Partei & Buch) 27. März 2009
Format:Gebundene Ausgabe
och, eine Sache ist verdienstvoll an Gabor Steingarts Buch "Die Machtfrage": Es ruft vorsichtig zur Wahlverweigerung auf und erklärt das Nicht-Wählen zum demokratischen Akt. Das ist angesichts der sonstigen Gebetsmühlen schon reichlich viel. Allerdings hätte man die Botschaft auch per Postkarte verbreiten können oder als Werbebanner auf Spiegel-Online. Denn ansonsten gibt das Buch nicht viel sinnvolles her.
"Die Wiederwahl von SPD, CDU und all der anderen Parteien würde derzeit nicht Erneuerung, sondern die Fortsetzung der Erstarrung in Deutschland bedeuten." Gabor Steingart fordert ein Innehalten, will den Parteien mit der Wahlenthaltung "eine Gesprächsaufforderung" übermitteln, "ohne persönlich werden zu müssen". Nie sei die Gelegenheit so günstig wie jetzt nach der Großen Koalition.
Die Lanze für den Nichtwähler zu brechen ist wirklich ein Verdienst. Leider hat Steingart aber nicht nur einen Essay im Spiegel geschrieben (dort gab es in Ausgabe 11/2009 stattdessen einen belanglosen Auszug aus diesem Buch vorab als Werbeversuch), sondern noch knapp 200 - luftige - Seiten drum herum geschrieben. Davon ist vieles langweilige und manches großer Quatsch. Er porträtiert Kanzlerin und Vizekanzler sowie Vorgänger, wie es in jeder Spiegel-Ausgabe irgendwie zu finden ist. Die Linkspartei taucht auch im Buch als der Demokratieschreck auf, mit dem niemand spielen darf. Fakten werden in Spiegel-Manier aus dem Hut gezogen, etwa wenn Friedrich Ebert kurz und knapp als "der ehemalige Kneipenpächter und Sattlergeselle, der die begonnene Meisterprüfung nicht zu Ende brachte" vorgestellt wird.
Richtig heikel wird es allerdings, wenn Steingart sich wirklich an die "Machtfrage" macht und dabei völlig übersieht, dass dazu die viel wichtigere "Untertanfrage" gehört. Herrschaft kann es nur geben, wo sich Wesen beherrschen lassen. Es gehört zur ethologischen Erfolgsstrategie aller Sozialverbände, dass es neben einigen wenigen Herrschsüchtigen sehr viele Mitläufer gibt. Aber damit befasst sich Steingart nicht. Stattdessen lamentiert er: "Die alten Nazis liegen in der Gruft und ihre Mitläufer im Grab nebenan. Die neuen Nazis sind unschön für das demokratische Deutschland, aber ungefährlich für seine Stabilität."
Hätte es Steingart und seine Spiegel-Kollegen schon "damals" gegeben, alles wäre ganz anders verlaufen, easy Job für solche Top-Journalisten. Ernsthaft sinniert er, wie man einen Hitler heute richtig ran nehmen würde: "Womit begründen Sie Ihren Hass auf Bürger jüdischen Glaubens? Warum spielt sich ein Österreicher als Deutschester aller Deutschen auf? Wieso brüllen Sie selbst in kleinster Gesellschaft?" Leider ist Steingarts Spiegel nicht in der Lage, einem der kleinen, ungefährlichen aber unschönen Neunazis adäquate Fragen zu stellen und auf dem Titel als "Psychopath" zu bezeichnen, wie er sich das für Hitler ausmalt.

Weil Steingart zwar vielleicht die Machtfrage stellt, aber keinerlei brauchbare Antworten darauf findet, ist sein Buch so vollkommen uninnovativ. Ans Ende klatscht er noch sieben Vorschläge für "die Reform des politischen Systems" - sämtlich alt, abgestanden und an der gegenwärtigen Demokratiediskussion völlig vorbei. Nein, es geht nicht mehr darum, ob man an den Landeslisten für den Bundestag irgendetwas schrauben kann, es geht um echte Alternativen zur Parteienoligarchie. Aber da zeigt sich Steingart überhaupt nicht informiert, da kann er nicht mit seinem Insiderwissen aus Berlin oder Washington trumpfen. Seine sechs Seiten Literaturliste enthalten Establishment-Lyrik. Aber selbst ein Parteienkritiker von Arnim fehlt, von Florian Felix Weyh's "Die letzte Wahl" ganz zu schweigen.

Das wäre für einen Besinnungsaufsatz nicht tragisch. Aber von dem Journalist, der laut Eigenwerbung "eines der einflussreichsten Bücher der letzten Jahre" geschrieben hat (womit ausgerechnet "Deutschland - Der Abstieg eines Superstars" gemeint ist) darf man erwarten, dass er etwas mehr auf der Höhe ist.
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