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Steingart gehört zu einer unverdächtigen Generation waschechter Demokraten, die ihre Sozialisation in der politischen Aufbruchstimmung nach der Kanzlerwahl Willy Brandts erfahren haben und erstmals zur Wahlurne schreiten durften, als es den reaktionären Franz-Josef Strauß zu verhindern galt. Umso größer fallt das Bedauern aus, mit dem er den schleichenden Verfall der großen demokratischen Leidenschaften in unserem Land konstatiert. Dass die heutige Politik weniger bewundert als misstrauisch beobachtet oder – schlimmer noch – gleichgültig hingenommen wird, ist für ihn ein Alarmsignal: „Wenn es mehr Gleichgültige als Wohlmeinende gibt, sind die Tage der Demokratie gezählt.“ Die Mattigkeit der Politiker und Parteien, die sie hervorgebracht haben, ist ihm besonders als Amerikakorrespondent bewusst geworden. Als Kontrastprogramm zur messianische Lichtgestalt Barack Obama führt er Angela Merkel vor, die es angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Land für klug halte, möglichst undeutlich zu sein und die CDU nach dem Motto „Lieber drei Nickköpfe als ein Störenfried“ anführe. Der Autor ist überzeugt, dass die Demokratie nicht nur vom Miteinander sondern in weit höherem Maße vom Gegeneinander der Parteien lebt, getreu dem Wort von Hannah Arendt vom „Miteinander-Sein der Verschiedenen“. Und die SPD? Ihr bescheinigt Steingart eine Neigung zur Selbstzerfleischung und einen latenten Widerwillen gegenüber der Regierungsverantwortung.
Sein Fazit: Wer die Öffnung des als zutiefst versteppt und verstaubt empfundenen Parteienstaates vorantreiben wolle, dürfe ihn nicht bestätigen. „Wer wählt, stimmt zu. Jede Stimme für eine der Parteien wird diese sofort als Ermunterung zum Weiter-so verstehen.“ Eine messerscharfe Analyse der Funktionsdefizite unseres politischen Systems und ein Aufruf zum bürgerlichen Ungehorsam, wie er wohlbegründeter kaum sein kann. Arnold Abstreiter
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Interessante Agrumentationen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Machtfrage: Ansichten eines Nichtwählers (Taschenbuch)
Ich selbst - 17 Jahre alt - war dieses Jahr leider noch nicht wahlberechtigt. Trotzdem habe ich mir dieses Buch gekauft, da ich mir Informationen anlesen wollte, die sich mit den heutigen Parteien befassen und wie sie sich in vielen Punkten ähneln und ausstauschbar sind - so zumindest war es in der Kurzzusammenfassung des Buches "Die Machtfrage" versprochen worden.Ich hatte mir vor Beginn der Lektüre leider mehr von diesem Buch erwartet. Herr Steingart schreibt für meinen Geschmack zu umständlich. Das Lesen wurde dann nach den ersten Kapiteln umständlich, besonders die vielen Absätze machen den Lesefluss schwierig. Auch inhaltliche Argumentationen, dass das Nichtwählen das politische System umstrukturieren kann, überzeugt nicht durchweg. Die anschließende "Debatte zum Buch" sehe ich eher als Wiederholung einiger Meinungen in verschiedenen Formulierungen. Wer sich dieses Buch kauft, sollte also nicht soviel erwarten, wie vielleicht versprochen wird. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Thema verfehlt,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Machtfrage: Ansichten eines Nichtwählers (Taschenbuch)
Auf 196 Seiten versucht der Autor, die Erschlaffung und Erstarrung der Parteien darzustellen, aber es kommt keine zwingende Logik in Fahrt. Als Leser hat man das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Die bemühten Analogien, die teilweise schon Stilblütenqualität haben, sind ärgerlich, weil als Wiederholung von einer gerade im Satz zuvor gemachten einfachen Aussage nur Ballast, anstatt weitere Erhellung oder Verdeutlichung zu liefern. Eine dynamische Argumentationslinie die den Leser in das Thema hineinziehen soll, sucht man vergeblich. Die Argumente beruhen auf Annahmen und Schlussfolgerungen, dass bei einem gesunden Menschenverstand der Kopf vor Fragezeichen raucht.Pauschal zu behaupten, dass die Nichtwähler die besseren und klügeren Demokraten wären ohne diejenigen Nichtwähler überhaupt zu erwähnen, die z.B. aus simpler Interesselosigkeit nicht wählen, ist eine grobe Auslassung; mit grösster Wahrscheinlichkeit trifft nur eine winzige Minderheit aus der Gruppe der Nichtwähler diese bewusste Entscheidung, wobei Gründe dafür und dagegen im Buch gar nicht diskutiert werden. Es gibt keine Abwägung zwischen einerseits und andererseits (typisch SPIEGEL-schwarzweiß), jede Aussage muss reinhauen, durchaus auf Kosten der Wahrheitsgehaltes. Das ist kein Futter für gute Demokraten, wie sie der Autor pathetisch und irgendwie weinerlich beschwört. Derart einseitig und unvollständig informierte Bürger würden Volksabstimmung, wie sie der Autor vermehrt und auch auf Bundesebene fordert, zum russischen Roulette werden lassen. Jeder weiss doch, dass der notorisch unzufriedene und schlecht informierte Teil der Franzosen und Niederländer nicht über die europäische Verfassung abgestimmt hat, sondern ihren jeweiligen Regierungen eins auswischen wollte. Da muss die politische Bildung ganz gewaltig und systematisch zulegen und die Verfahren zur Volksabstimmung müssen ausgeklügelt werden wie ein Computerprogramm. Nach diesen 196 Seiten hat der Leser immer noch keine Ahnung von den Ansichten eines Nichtwählers und vor allem weiss er noch nicht, was gegen die so langwierig eingekreiste Misere als Gegenmittel vorgeschlagen wird. Aber das kommt jetzt - auf sage und schreibe ACHT Seiten! War da keine Zeit mehr oder fehlt einfach der analytische Verstand oder der konstruktive Wille? Die Streitfrage von Vor- und Nachteilen Mehrheitswahlrecht gegenüber Verhältniswahlrecht ist nicht so leicht zu beantworten wie das der Autor schnell auf einer Seite abhandelt, wiederum ohne jegliches Für und Wider. Erst die Danksagung des Autors macht einen gediegenen Eindruck, als wäre das wirklich ein gutes und wichtiges Buch - man reibt sich die Augen. Mit der Polemik des Autors gesagt: Dieses Buch ist eher ein Indiz für den Niedergang journalistischer Qualität als dass es den Niedergang der demokratischen Kultur belegen würde. Aber ich weiss doch, es gibt viele kluge politische Bücher, manche auch von Journalisten geschrieben. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
38 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Bitte nicht wählen (Partei & Buch),
Rezension bezieht sich auf: Die Machtfrage: Ansichten eines Nichtwählers (Taschenbuch)
och, eine Sache ist verdienstvoll an Gabor Steingarts Buch "Die Machtfrage": Es ruft vorsichtig zur Wahlverweigerung auf und erklärt das Nicht-Wählen zum demokratischen Akt. Das ist angesichts der sonstigen Gebetsmühlen schon reichlich viel. Allerdings hätte man die Botschaft auch per Postkarte verbreiten können oder als Werbebanner auf Spiegel-Online. Denn ansonsten gibt das Buch nicht viel sinnvolles her."Die Wiederwahl von SPD, CDU und all der anderen Parteien würde derzeit nicht Erneuerung, sondern die Fortsetzung der Erstarrung in Deutschland bedeuten." Gabor Steingart fordert ein Innehalten, will den Parteien mit der Wahlenthaltung "eine Gesprächsaufforderung" übermitteln, "ohne persönlich werden zu müssen". Nie sei die Gelegenheit so günstig wie jetzt nach der Großen Koalition. Die Lanze für den Nichtwähler zu brechen ist wirklich ein Verdienst. Leider hat Steingart aber nicht nur einen Essay im Spiegel geschrieben (dort gab es in Ausgabe 11/2009 stattdessen einen belanglosen Auszug aus diesem Buch vorab als Werbeversuch), sondern noch knapp 200 - luftige - Seiten drum herum geschrieben. Davon ist vieles langweilige und manches großer Quatsch. Er porträtiert Kanzlerin und Vizekanzler sowie Vorgänger, wie es in jeder Spiegel-Ausgabe irgendwie zu finden ist. Die Linkspartei taucht auch im Buch als der Demokratieschreck auf, mit dem niemand spielen darf. Fakten werden in Spiegel-Manier aus dem Hut gezogen, etwa wenn Friedrich Ebert kurz und knapp als "der ehemalige Kneipenpächter und Sattlergeselle, der die begonnene Meisterprüfung nicht zu Ende brachte" vorgestellt wird. Richtig heikel wird es allerdings, wenn Steingart sich wirklich an die "Machtfrage" macht und dabei völlig übersieht, dass dazu die viel wichtigere "Untertanfrage" gehört. Herrschaft kann es nur geben, wo sich Wesen beherrschen lassen. Es gehört zur ethologischen Erfolgsstrategie aller Sozialverbände, dass es neben einigen wenigen Herrschsüchtigen sehr viele Mitläufer gibt. Aber damit befasst sich Steingart nicht. Stattdessen lamentiert er: "Die alten Nazis liegen in der Gruft und ihre Mitläufer im Grab nebenan. Die neuen Nazis sind unschön für das demokratische Deutschland, aber ungefährlich für seine Stabilität." Hätte es Steingart und seine Spiegel-Kollegen schon "damals" gegeben, alles wäre ganz anders verlaufen, easy Job für solche Top-Journalisten. Ernsthaft sinniert er, wie man einen Hitler heute richtig ran nehmen würde: "Womit begründen Sie Ihren Hass auf Bürger jüdischen Glaubens? Warum spielt sich ein Österreicher als Deutschester aller Deutschen auf? Wieso brüllen Sie selbst in kleinster Gesellschaft?" Leider ist Steingarts Spiegel nicht in der Lage, einem der kleinen, ungefährlichen aber unschönen Neunazis adäquate Fragen zu stellen und auf dem Titel als "Psychopath" zu bezeichnen, wie er sich das für Hitler ausmalt. Weil Steingart zwar vielleicht die Machtfrage stellt, aber keinerlei brauchbare Antworten darauf findet, ist sein Buch so vollkommen uninnovativ. Ans Ende klatscht er noch sieben Vorschläge für "die Reform des politischen Systems" - sämtlich alt, abgestanden und an der gegenwärtigen Demokratiediskussion völlig vorbei. Nein, es geht nicht mehr darum, ob man an den Landeslisten für den Bundestag irgendetwas schrauben kann, es geht um echte Alternativen zur Parteienoligarchie. Aber da zeigt sich Steingart überhaupt nicht informiert, da kann er nicht mit seinem Insiderwissen aus Berlin oder Washington trumpfen. Seine sechs Seiten Literaturliste enthalten Establishment-Lyrik. Aber selbst ein Parteienkritiker von Arnim fehlt, von Florian Felix Weyh's "Die letzte Wahl" ganz zu schweigen. Das wäre für einen Besinnungsaufsatz nicht tragisch. Aber von dem Journalist, der laut Eigenwerbung "eines der einflussreichsten Bücher der letzten Jahre" geschrieben hat (womit ausgerechnet "Deutschland - Der Abstieg eines Superstars" gemeint ist) darf man erwarten, dass er etwas mehr auf der Höhe ist. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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