Es gibt zwar viele Kritiker von Georg W. Bush, aber selbst diese machen meiner Meinung nach oft einen entscheidenden Fehler: sie überschätzen seine Intelligenz!
Bob Woodward macht diesen Kardinalfehler nicht.
Er entlarvt die Amis als das was sie sind - planlose Einfaltspinsel, die ziellos durch die Wüste irren.
Zitat von Seite 171: Am Wochenende des 21. und 22. Februar 2003 (also etwa 4 Wochen vor Kriegsbeginn) versammelten sich rund 200 Personen zu einer intensiven Planspiel -Konferenz in der National Defense University in Fort McNair im Südwesten von Washington, D.C.
Zwei Fragen blieben während des ganzen Wochenendes in allen Präsentationen, Power-Point-Vorträgen und Diskussionen unbeantwortet: Wer sollte im Irak am Tag nach dem Ende der Kampfhandlungen das Sagen haben? Und: Gab es im Irak ein politisches Leben, auf das man zurückgreifen konnte, wenn es darum ging, Personen anzuwerben, die die Grundbedürfnisse der Menschen sichern konnten - Sicherheit und öffentliche Ordnung, Wasser, Strom, Dinge, für die in einer amerikanischen Stadt normalerweise der Bürgermeister zuständig ist?
Unmittelbar nach der Planspiel - Konferenz schrieb einer der Teilnehmer . . . einen 20-seitigen Bericht, in dem er die Konferenz analysierte. Diese Analyse benannte zahlreiche Planungsprobleme, die einen Monat vor Beginn des Krieges bestanden:
1.) Die gegenwärtig zur Verfügung stehenden Truppeneinheiten reichen nicht aus, um den ersten Schritt zu tun, mit dem alle bedeutenden städtischen Gebiete gesichert werden sollten, ganz zu schweigen von der Aufstellung einer Interims-Polizeitruppe. Damit riskieren wir, dass ein großer Teil des Landes in öffentlichen Aufruhr und ins Chaos abrutscht, dessen Ausmaße unsere nationale Strategie zunichte machen könnte, mit der ein stabiler neuer Irak angestrebt wird. Und als unmittelbare Konsequenz bringen wir unsere eigenen Soldaten, die noch mitten in einem offensiv geführten Kampf stehen, in größte Gefahr
2.) Es sieht so aus, als würden wir mit den Kampfhandlungen beginnen, bevor wir wissen, ob ausreichende Geldmittel für die Phase IV (=Wiederaufbauphase) zur Verfügung stehen. Wenn weniger Geld verfügbar ist, als gebraucht wird, riskieren wir die Schaffung eines großen instabilen Durcheinanders, das zu einer Heimstatt für Terroristen werden kann.
3.) Die Konferenz ging nicht auf das allerwichtigste Thema ein: Welche Art von Regierung stellen wir uns künftig für den Irak vor? Haben wir einen Plan, wie dieses Ziel erreicht werden soll?
Zitat von Seite 206: Drei Tage vor Beginn des Krieges sagte Cheney in der NBC - Sendung Meet the Press, er glaube, dass wir im Irak als Befreier begrüßt werden.
Zitat von Seite 357: Wir haben keine Militärstrategie für den Sieg im Irak, sagte der Zivilverwalter für den Irak Paul Bremer zu Vizepräsident Cheney.
- Das habe ich mir auch schon überlegt, sagte Cheney. Zitat Ende
Wie reagierte Präsident Bush darauf? Interessierte er sich für die Militärstrategie?
Zitat von Seite 326: Wenn Rumsfeld referierte, sah er den Präsidenten an, während Powell starr gerade aus blickte. Powell wiederum fixierte bei seinem Vortrag den Präsidenten, während Rumsfeld gerade aus sah. Die beiden äußerten sich nicht einmal zu den Aussagen oder Ansichten des Andren. Bush kam daher nie in den Genuss einer ernsthaften, fundierten Diskussion zwischen seinen wichtigsten Beratern. Und der Präsident hakte auch nie nach. Zitat Ende
Am 24. Juni 2003 starben 7 US Soldaten
Am 25. Juni starben 4 US Soldaten
Am 26. Juni starben 3 US Soldaten
Am 27. und am 28. starb jeweils ein US Soldat
Am 2 Juli wurde Bush im Roosevelt Room des Weißen Hauses von einem Journalisten gefragte, wie er die steigende Zahl der Angriffe auf US Soldaten beurteilt.
Zitat von Seite 311: Bush legte die Hand mit einer emphatischen Geste auf die Brust und sagte: Nur zu. Wir haben die nötige Kraft, wir werden mit der Sicherheitslage fertig. Zitat Ende.
Wie wirkt der Satz - Nur zu, greift uns an - wohl auf eine Mutter, die gerade ihren Sohn verloren hat?
Selbst wenn man die zynische These vertreten sollte, dass man in einem Krieg die sentimentalen Gefühle einer trauernden Mutter nicht berücksichtigen könne, bleibt die Frage, wie wirkt dieser Satz auf die Irakischen Rebellen?
Bob Woodward schreibt dazu auf Seite 311: Der Kommentar war unklug und zeigt, dass Bush nicht viel über einen Guerillakrieg wusste. Bush verhöhnte den Feind, stachelte ihn regelrecht an und provozierte damit weitere Angriffe. Zitat Ende.
Diese Angriffe ließen nicht lange auf sich warten und setzen sich bis heute fort.
In den letzten 12 Monaten (Stand vom 1. Mai 2006 bis 30. April 2007) starben nach offiziellen Angaben 946 US Soldaten.
Das ist die höchste Zahl (für einen Zeitraum von 12 Monaten) seit Kriegsbeginn.
(Quelle : http://icasualties.org/oif/)
Als Condoleezza Rice Außenministerin wurde (Januar 2005), schickte sie Philip Zelikow in den Irak. Er sollte für sie einen realistischen Report über die wirkliche Lage vor Ort erstellen. In seinem Bericht schrieb er - Zitat Seite 513: Die Wahlen im Januar . . . waren ein Erfolg, der ein wichtiges Zeichen setzte, aber wir befinden uns nach wie vor an einem kritischen Punkt. An diesem Punkt ist der Irak immer noch ein gescheiterter Staat, der ständig von Gewalt heimgesucht wird und revolutionäre politische Veränderungen erlebt. Das war (für Rice) eine schockierende Feststellung . . . Zitat Ende
Ein gescheiterter Staat? Nach 2 Jahren Krieg, in dem bis Ende Januar 2005 bereits 1.442 US Soldaten starben und nachdem die Amis schon mehr als 100 Mrd. Dollar in den irakischen Wüstensand gesetzt hatten!
Und was macht Präsident Bush? Niemand erwartet, dass er sich jetzt persönlich an seinen Schreibtisch setzt und einen Plan ausarbeitet, wie es im Irak weiter gehen soll, aber es wäre vielleicht doch ganz schön, wenn er einmal bei seinen Generälen nachgefragt hätte, wie es denn so um die Strategie im Irak bestellt sei? Bob Woodward wundert sich auf Seite 448 Zitat: warum der Präsident die militärischen Führer nie zur Rede stellte. Warum sagte er (Präsident Bush) nicht . . . zu General Abizaid, John, setzen wir doch am Donnerstag gleich eine Sitzung an, und dann erklären Sie mir . . . Ihre militärische Strategie für den Sieg, das würde ich gern von Ihnen hören. Zitat Ende
Bevor ich dieses Buch gelesen habe, hielt ich Bush nur für den schlechtesten Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika.
Nachdem ich das Buch gelesen habe, halte ich ihn außerdem auch noch für den Dümmsten.
Das meine ich aber nicht beleidigend, das meine ich ganz ehrlich.