Wilfried Stroh, emeritierter Professor für klassische Philologie wurde 2007 mit seinem Buch "Latein ist tot, es lebe Latein" weit über den Kreis seiner Zunft hinaus bekannt. Mit dem vorliegenden Buch über Die Macht der Rede" lädt er seine Leser erneut ein in die Welt der klassischen Bildung. Denn wer denkt, Barack Obama habe die politische Rede erfunden, der täuscht sich. Obama ist nur ein sehr profilierter zeitgenössischer Vertreter einer Kunst, die schon im Altertum gepflegt wurde und in der man regelrecht ausgebildet werden konnte. Rhetorik war auch in manchen Hochschulen unseres Landes Lehrfach, man denke nur an den leider nun erkrankten Walter Jens, der die politische und die geistliche Rede zu neuem Ruhm und zu neuer Perfektion brachte.
Während meiner theologischen Ausbildung in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben einige Homiletiker wie zum Beispiel der Mainzer Gert Otto versucht, die antiken und die zeitgenössischen rhetorischen Lehren umzusetzen in die Predigtausbildung der Theologiestudenten und Vikare. Mir jedenfalls hat es über lange Zeit als Pfarrer und Prediger sehr geholfen, und ich bin entsetzt darüber, was sich heute als geistliche Rede von den Kanzeln im Land vernehmen lässt - harmloses Geplapper und geistloses Gewäsch.
Das vorliegende Buch ersetzt nicht eine rhetorische Ausbildung. Es kann aber eine umfassenden Eindruck davon vermitteln, was mit unserer Sprache geschehen ist und weiter geschieht. Es könnte Ansporn sein, auch im normalen Alltag wieder richtig sprechen zu lernen, auf die Modewörter zu verzichten und genau zu überlegen, was man wie wem sagen möchte und wann lieber Schweigen angesagt ist.