Zunächst hat mich bei der Lektüre des Buches ein wenig der aggressive und polemische (zum Teil dadurch aber auch sehr humorvolle) Tonfall gestört. Aber bei der Entfaltung der zentralen Problematik - der Kritik am konservativ-orthodoxen Alltagsislam in Deutschland - ist mir immer mehr klar geworden, woher diese Wut hinter dem Schreiben rührt. Es ist der offenbar weltweite Konsens bzw. das psychologisch wohl noch genauer zu untersuchende Bedürfnis, nach jedem Verbrechen, das im Namen des Islam begangen wird, sich gegen jede Evidenz hinzustellen und stur zu behaupten, nein, das habe nichts mit dem wahren, weil toleranten und friedliebenden Islam zu tun. Dieser figuriert in Europa nämlich ganz ideologisch als transzendentes Ding-an-sich. Den auf der Hand liegenden, aber leider dennoch tabubrechenden Gegenbeweis tritt der Autor dieses Buches an und steht damit quer zum gesamten Spektrum der deutschen Islam- und Orientwissenschaften (darin vergleichbar den Arbeiten des eben darum isolierten Hans Peter Raddatz) bzw. zur hegemonialen Islamrezeption in (nicht nur) deutschen Tages- und Wochenzeitungen.
Unfassbar ist vor allen Dingen, der durchaus gelungene Nachweis der nicht nur ideologischen Kumpanei der Linken in Deutschland mit DER totalitären Bewegung des 21. Jahrhundert, namentlich dem Islamismus.
Obwohl diese Linken mal (lange ist's her) für Aufklärung, Säkularismus, Laizismus und universelle menschliche Emanzipation eingetreten sind, finden sie sich aufgrund ihrer nunmehr ausschließlichen Rezeption bestimmter postmoderner Theorieströmungen - sehr erhellend ist in diesem Zusammenhang das Kapitel über Michel Foucault und Islam bzw. die islamis(tis)che Revolution in Iran 1979 in dem Buch - auf Seiten des Obskurantismus und der Gegenaufklärung wieder.
Insofern ist die Einbeziehung verschiedener Ebenen (mikro-, meso- und makro) in der Darstellung des Gegenstands durchaus legitim und verständlich: von einem (im Grunde unbedeutenden) Skandal in einem gender studies Seminar an der Humboldt Universität in Berlin bis zu historisch luziden Exkursen zum Landgewinn des Islam(ismus) und den intellektuellen Abgründen des zeitgenössischen Feminismus wird ein Panoramablick über die Mängel heutiger Gesellschaftskritik am Beispiel des Verhältnisses zum Islam entfaltet. Dass dieses Buch in einem kleinen, aber feinen und für Qualität stehenden Kleinverlag erschienen ist, ist skandalös, hoffentlich erfährt es die Rezeption, die ihm gebührt, denn was es verteidigt und für was es eintritt ist im Grunde banal, aber offensichtlich inzwischen Teil einer Subkultur:
simple common sense.