Als langjähriger Leser war ich zwischendurch von der Reihe doch recht enttäuscht. Ich war wohl auch nicht allein mit dem Eindruck, dass der Autor sich zunehmend verzettelte und Nebensächlichkeiten auswalzte, statt die Handlung voran zu treiben (die vom Verlauf der Geschichte her eigentlich auf den Höhepunkt zustreben sollte). Schade, denn eigentlich hat Robert Jordan (R.I.P.) ein wirklich großes Epos geschaffen, das für die Post-Tolkien-Fantasy eindeutig stilprägend war und ist - man vergleiche nur mal den "Schwert der Wahrheit"-Zyklus.
Das alles schreibe ich nur, um allen Fans der ersten Stunde klar zu machen: es lohnt sich wieder, RdZ-Bücher zu lesen. Es ist zwar reine Vermutung, aber ich denke, es war noch der Meister selbst, der das Steuer herumgerissen hat und zurückgefunden hat zu seiner alten Stärke: dem Geschichten erzählen. Ob es das war oder der Einfluss des kongenialen Mitautoren, der aus den bekannt tragischen Gründen das RdZ vollenden wird: "Die Macht des Lichts" ist pure epische Fantasy in ihrer besten Form, also ohne in platt-heroische Schwertschwingerei zu verfallen. Rein stilistisch fällt der Wechsel nicht negativ auf, könnte aber auch an der Arbeit des Übersetzers liegen, der ja eventuelle Unterschiede durch seinen eigenen Einfluss sicher etwas nivelliert.
Bei manchen Szenen ist es mir beim Lesen kalt den Rücken heruntergelaufen, und ich habe sie nicht nur atemlos verschlungen, sondern gleich nochmal gelesen, weil sie einfach so gut sind. Sehr stark ist aus meiner Sicht auch der (von mir zumindest) lange vermisste Blick Rands auf sich selbst und seine Veränderung. Rückblickend ergibt alles etwas mehr Sinn, seine Rücksichtslosigkeit und Kälte, auch seine zunehmende selbstgewählte Distanz zu den anderen Protagonisten, die halt auch den Leser emotional von ihm entfernt hatte. Eine unerwartete Begegnung führt zu einem inneren Kampf, der für mich einer der Höhepunkte der Reihe ist. Zusammen mit der nötigen Portion Action ergibt das eine wirklich runde Sache - samt großer Vorfreude auf den nächsten Band.
Wenn die weiteren Bücher die Reihe auf diesem Niveau zu Ende führen, wird sie vielleicht doch noch das Denkmal, zu dem sie der Verlag gerne erklärt.