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Die Macht der Karten. Sonderausgabe: Eine Geschichte der Kartographie vom Mittelalter bis heute
 
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Die Macht der Karten. Sonderausgabe: Eine Geschichte der Kartographie vom Mittelalter bis heute [Gebundene Ausgabe]

Ute Schneider
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: Primus Verlag; Auflage: 2., überarb. A. (August 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3896782924
  • ISBN-13: 978-3896782922
  • Größe und/oder Gewicht: 32,2 x 24,2 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Ute Schneider
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Das historische Buch: Macht und Ästhetik der Karten - Eine Geschichte der Kartographie vom Mittelalter bis in die Gegenwart. «Polen war vernichtet und aufgeteilt. Wir waren Zeugen, wie Stalin auf einer Landkarte mit einem dicken Bleistift eigenhändig eine Linie zog, wo die Südgrenze Litauens an die Ostgrenze Deutschlands stiess und von da nach Süden bis zur tschechoslowakischen Grenze lief.» Die Erinnerungen des deutschen Diplomaten Gustav Hilger an die zweite deutsch-sowjetische Vereinbarung zur Aufteilung Polens vom 28. September 1939 dürften wie kein zweites Dokument das Dilemma einer Kunst dokumentieren, die stets in gefährlicher Nähe zu den Mächtigen der Welt stand. «Die Macht der Karten» hat die in Darmstadt lehrende Historikerin Ute Schneider ihre «Geschichte der Kartographie vom Mittelalter bis heute» genannt, und wer sie gelesen hat, begreift, wie treffend dieser Titel gewählt ist: Die Linie eines simplen Bleistifts sollte das politische Geschick einer ganzen Nation besiegeln, auf wenigen Zentimetern Papier konnte sich das Leid ungezählter Menschen entscheiden. Politische Karten, das illustriert der von Stalins Hand gezogene Strich durch das polnische Territorium, sind vor allem hochgradig abstrakte Darstellungen des Raumes, Abbildungen geographischer Relationen, über die der Betrachter allzu leicht den Blick auf die konkrete Wirklichkeit verliert. Repräsentation und Neuordnung Wie sehr diese Wirklichkeit zur Verfügungsmasse kühl kalkulierender Strategen werden kann, das lehrt auch ein Blick auf die Binnengrenzen Afrikas, deren europäische Urheber zwar einen ausgeprägten Sinn für klare geometrische Verhältnisse, einen umso geringeren hingegen für historisch gewachsene Ordnungen hatten. Wie entschlossen die Vordenker der europäischen Expansion sogar ihnen nahezu unbekannte Räume zerteilten, davon zeugt schon eine der ersten auf Grundlage exakter geographischer Vermessung beschlossenen Gebietsaufteilungen: der Vertrag von Tordesillas, in dem Spanier und Portugiesen sich 1494 über die westöstliche Aufteilung des soeben entdeckten Amerika einigten – und das, obwohl die Dimensionen der theoretisch auseinander dividierten Landmasse noch kaum bekannt waren. Dennoch erfüllte sich für die beiden Nationen am Ende der Wunsch aller neuzeitlichen Strategen, mit dem Besitz von Karten auch in dem des entsprechenden Landes zu sein. Mit Hilfe seiner Karten macht sich der Mensch die Welt untertan. Zugleich aber, und auch das spricht für die «Macht» der Karten, bildet er die Welt in seinen Karten nicht nur ab, sondern schafft sie zugleich neu, ordnet die Erde nach seinem Bilde. So präsentiert bereits eine der ältesten Weltkarten überhaupt, eine aus Mesopotamien stammende Tonscheibe, die Welt als Kreis mit Babylon im Zentrum. Und dass alle Wege nach Rom führen, ist für den Autor der bekanntesten Strassenkarte der Antike, der «Tabula Peutingeriana» aus dem vierten Jahrhundert, ebenso selbstverständlich wie für den Zeichner der aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammenden Ebstorfer Weltkarte der Entschluss, ins Zentrum seines Werks Jerusalem zu rücken: das irdische ebenso wie das himmlische, zwischen denen er nicht unterscheidet. Auch zögert er nicht, auf der gesamten Weltkarte nur zwei Städte durch das Symbol einer Fahne herauszuheben: Jerusalem und Lüneburg. Dort, in Lüneburg, nämlich residierten die dem Kloster Ebstorf verbundenen Welfen, die, so wünschte es der Kartograph, umgehend einen Kreuzzug zur Befreiung Jerusalems starten sollten. Denn die Heilige Stadt war nichts Geringeres als das ordnende Zentrum der Welt; an ihren Rändern hingegen lauerte das Chaos – im Norden etwa die menschenfressenden Gog und Magog und im Süden Vogelmenschen oder solche ohne Ohren, die der Kartograph ebenfalls in seinem Werk verzeichnete. In bester mittelalterlicher Tradition verband der Ebstorfer Zeichner in seiner zwölf Quadratmeter grossen Karte biblische und antike Mythologie mit Kommentaren zur politischen Situation seiner Zeit. Allerdings: Orientierung vermochte seine Karte einzig «inneren» Reisen zu geben. Wer in die wirkliche Welt hinauswollte, musste sich anderswie helfen. Doch die symbolische Verzeichnung der Welt ging keineswegs mit dem Mittelalter unter. Spuren dieser Tradition halten sich bis heute. So stellt ein im Jahr 2004 aktualisierter Weltatlas für Kinder den afrikanischen Kontinent fast ausschliesslich als Reich der Tiere dar: Löwen, Schimpansen und Giraffen bevölkern den Kontinent, während auf menschliche Existenz allein ein Hüttendorf und einige Baumhäuser schliessen lassen. Afrika, so die unterschwellige Botschaft, ist ein Kontinent bar aller zivilisatorischen Errungenschaften, und Menschen sind dort auch kaum zu finden. So entspricht die Aussage dieser zeitgenössischen Karte für Kinder recht genau jener, die die 1822 veröffentlichte «Clark's Chart» ihren Lesern tat: Sie zeichnete den Globus in fünf verschiedenen Farben, deren jede einen bestimmten zivilisatorischen Entwicklungsgrad auf der Skala von «wild» (rot) bis «aufgeklärt» (gelb) markierte. In Afrika, konnte der Leser der entsprechenden Farbgebung entnehmen, lebten demnach ausschliesslich «Wilde» und «Barbaren». Nüchternheit und Wissen Vergleichsweise zurückhaltend fällt dagegen die Karte des Nürnberger Arztes Hartmann Schedel (1440–1515) aus, die in Schneiders Darstellung für den Übergang von der mittelalterlich-symbolischen zur modern-geographischen Raumdarstellung steht. Zwar rückt auch diese Karte Jerusalem noch in den Mittelpunkt der Welt, doch bleibt die Heilige Stadt der einzige symbolische Bezugspunkt. Zwölf augenscheinlich kräftig blasende Köpfe im «Rahmen» der Karte symbolisieren die Windrichtungen, in deren Koordinatennetz der Zeichner die Kontinente anordnete. Alles Spekulative verbannte Schedel aus seiner Karte streng: Die seltsamen sechsarmigen und Vogelmenschen mochte es auf der Welt vielleicht geben; solange sie aber niemand tatsächlich gesehen hatte, verbannte er sie an den Rand – anders als sein italienischer Kollege Fra Mauro, der den legendären Priesterkönig Johannes auf seiner 1459 erschienenen Weltkarte noch im Inneren Abessiniens ansiedelte. Doch je nüchterner die Karten allmählich gestaltet wurden, umso grösser war das Wissen, das ihre Herstellung voraussetzte. Detailliert schildert Schneider die Entwicklung der geographischen Kenntnisse, die eng mit den Fortschritten der Seefahrt verbunden waren – deren Erfolg zu grossen Teilen von verlässlichen Karten abhing, seinerseits aber auch zu deren Perfektionierung beitrug. Mehrere Jahre dauerte die Herstellung eines seefahrttauglichen Atlasses – was die Preise derart in die Höhe trieb, dass sich die Kartographen noch im 18. Jahrhundert genötigt sahen, vor minderwertigen Raubkopien zu warnen. «Eigennützige Kupferhändler», so der Hinweis, hätten sich «in das Handwerk Land-Charten zu verfertigen, so eingemenget, dass sie selbst, durch allerhand liederlich Hand-Griffe, die Charten zusammen stümpern, und aus denen von anderen verfertigten Charten rauben». Alles andere als Stümperei ist indes Schneiders Geschichte der Kartographie. Historisch akkurat und detailliert führt sie durch die Geschichte und Problematik der Kartographie von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Optisch überaus attraktive Begleitung erhält ihr Text durch die zahlreichen Reproduktionen von unterschiedlichsten Karten und Atlanten verschiedenster räumlicher und zeitlicher Provenienz. Die Macht der Karten, das legt dieser wunderbare Band nahe, ist nicht zuletzt eine ästhetische. Kersten Knipp -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Neue Zürcher Zeitung (NZZ), 27. Oktober 2004

"...Alles andere als Stümperei ist indes Schneiders Geschichte der Kartographie. Historisch akkurat und detailliert führt sie durch die Geschichte und Problematik der Kartographie von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Optisch überaus attraktive Begleitung erhält ihr Text durch die zahlreichen Reproduktionen von unterschiedlichsten Karten und Atlanten verschiedenster räumlicher und zeitlicher Provenienz. Die Macht der Karten, das legt dieser wunderschöne Band nahe, ist nicht zuletzt eine ästhetische." -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Stefan Erlemann HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
"Die Macht der Karten" der Historikerin und Dozentin für Neuere und Neueste Geschichte an der TU Darmstadt, Ute Schneider, ist der Versuch, eine Geschichte der Kartografie vorzulegen. Der großformatige Band behandelt die Entwicklung der Karten vom Mittelalter bis heute.
Nach einer kurzen Einleitung beginnt Ute Schneider mit der Funktion von Karten als Wissensspeicher und Orientierungshilfe. In diesem Kapitel werden fünf Karten vorgestellt und beispielhaft erläutert. Im Anschluss daran behandelt die Autorin die Form mittelalterlicher Karten und deren Genese hin zum modernen winkel- oder flächentreuen Abbild. Dann wendet sie sich der Kartenproduktion zu und schildert erste Versuche, mehrere gleichartige Karten zu zeichnen, bis hin zu modernen Bildgebungsverfahren wie der digitalen Satellitenbildaufnahme. Dann wendet sie sich Atlanten zu und erläutert, wie es von den einzelnen Karten zu einem umfassenden Kartenwerk kommt.
"Innovationen in der Kartografie" behandelt mögliche Karten-Projektionen und neue Standardisierungen wie die heute noch gebräuchliche Mercatorprojektion sowie die Einführung eines Maßstabs und des metrischen Systems.
Ein weiteres Kapitel ist die Macht der Karten. Hier gibt die Autorin fundierte Auskunft über die Tatsache, dass "mental maps", also innere räumliche Vorstellungswelten, in die Kartenproduktion einflossen und heute noch einfließen. Weitere Kapitel sind den Grenzen, der Zensur in Karten und der Farbgebung gewidmet. Abschließend werden mittelalterliche Rahmungen von Karten dargestellt und eingeordnet.

Dieses Werk ist für Liebhaber mittelalterlicher Karten ein Fundus wunderschöner Beispiele. Zahlreiche Abbildungen faszinieren ob ihrer Detailtreue und der oft fantastischen Darstellung der Welt. Vor allem die wachsende Kenntnis der Kartografen und ihre zeichnerische Genauigkeit ist nachvollziehbar und anhand der Beispiele genauestens dokumentiert. Auch die Exkurse, die moderne Karten bieten, sind interessant und lehrreich. Viele Texte laden zu einem längeren Verweilen bei einzelnen Karten ein und bieten fundierte Kenntnisse für den Laien wie den Geografen.
Auffallend aber ist die unsystematische Anordnung und Gliederung dieses Buches. Zwar teilt die Autorin dieses Wissensgebiet in zahlreiche Kapitel, die für sich betrachtet durchaus ihren Sinn haben, sie vermag aber keinen Zusammenhang zwischen den Kapiteln herzustellen. So wirken die Karten in ihrer Abfolge völlig beliebig und weder eine zeitliche noch eine andere Abfolge ist erkennbar. Mittelalterliche Karten stehen neben Satellitenbildern, denen Steinkarten, alte Fragmente und wiederum mittelalterliche Karten folgen. Dies zieht sich durch den gesamten Band. Immer wieder wechseln die Qualität und Aussagekraft, die Genauigkeit und Unkenntnis der Kartografen und lassen den Betrachter etwas hilflos zurück. Folgt man nicht der Anordnung und den Kapiteln der Autorin, ist man rettungslos verloren, leider wird aber mit keinem Wort die Abfolge erklärt oder ihr Sinn hinterfragt.

So ergibt sich ein zwiespältiges Bild. Grandiose Karten, fantastische Beispiele und fesselnde, optisch und grafisch einmalige Abbildungen verführen zum Staunen und Betrachten, und die Druckqualität ist absolut einzigartig. Demgegenüber steht die chaotische Anordnung der einzelnen Karten und die zusammenhanglose Gliederung dieses Bandes. Für Liebhaber alter Karten und Drucke ist dieses Buch unbedingt zu empfehlen, zumal der Preis sehr günstig ist. Für Laien und Unkundige bieten der Text und die Gliederung keine Hilfestellung, sich diesem Gebiet zu nähern, und enttäuschen auf der ganzen Linie.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ganz ok 4. Januar 2009
Von Hans
Format:Gebundene Ausgabe
Ich habe das Buch mit Freude gelesen. Das grosse Format und das zweispaltige Layout ermöglichen grosse Kartenbilder bei gleichzeitiger Lesbarkeit. Da ich mich nicht mit der Geschichte der Kartographie beschäftigt habe fand ich die Erläuterungen unterschiedlicher Aspekte der Kartographie anhand der oft schön illustrierten Beispiele gelungen. Die Sprache ist jedoch teilweise etwas zu akademisch aber gleichzeiteig die Erklärungen nicht immer vollständig nachvollziehbar, da sie Hintergrundwissen erfordern mit welchem ich manchmal beitragen konnte manchmal aber nicht. Die wichtige Bedeutung der sogenannten "mental maps" wird immer wieder hervorgehoben geht aber meiner Meinung nach nicht hinreichend aus der Argumentation hervor. Hier wurde zu oberflächlich geschrieben oder aber die eigene Zunft für zu wichtig erklärt. Wahrscheinlich wollte die sehr kenntnisreich wirkende Autorin zu viel ihres Wissens in ein nicht zu umfangreiches Buch einbinden, was dann auf Kosten der Nachvollziehbarkeit ging. Zusammenfassend is das Buch ganz ok und in Anbetracht der Tatsache, dass ich kein vergleichbares anderes Buch gefunden habe durchaus das Geld wert.
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6 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Zuviel des Guten! 5. Juni 2007
Von Marcus Held VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Ohne Zweifel ist dieser Band ein auf den ersten Blick opulentes Werk. Es bietet viele Kartentypen, viel Text, eine epochen- und themenorientierte Gliederung. Auf den ersten Blick eine ziemlich beeindruckende Fülle von Informationen und Ideen. Liest man nun in das Buch hinein, so verfliegt der Eindruck allerdings schnell. Die Aufteilung der Seiten ist oft nicht gelungen und die Texte sind zwar informativ, aber auch erschlagend. Der Sprachstil lädt zudem nicht ein weiter zu lesen. Zumindestens aber laden die Überschriften zum schmökern und weiterdenken ein, denn sie führen in die Problematik von Karten- und Machtdiskursen ein.

Es wurde mit diesem Band eine großartige Chance verpasst, die Geschichte der Kartographie unter dem Aspekt von Macht auf ansprechende Art und für jeden zugänglich zu machen. Trotz aller Kritik ist das versammelte Material und Ideen immer ein Buch wert und es sollte der Autorin gedankt werden, dass sie sich nicht scheute ein solches Buch-Projekt in Angriff zu nehmen.
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