Ständig hört man von neuen Erkenntnissen der Genforschung und was in unseren Genen denn nun alles festgeschrieben ist, aber was wurde uns denn nun alles in die Wiege gelegt? Die Macht der Gene geht diesen Fragen nach, welche (Erb)Krankheiten auch wirklich vererbt werden und inwieweit unser Leben durch unsere Gene bestimmt wird.
Der Mensch ist ein Produkt seiner Gene und Umwelt, auf diese grundlegende Erkenntnis lässt sich Die Macht der Gene" reduzieren. Als Forschungsgebiet mit großem Potential für die Zukunft wird die Gentechnik gerne als Lösung all unserer Probleme beschrieben, doch noch stehen wir am Anfang dieses Aufbruchs in die Welt der unbegrenzten Möglichkeiten. Gene können durchaus für bestimmte körperliche Voraussetzungen verantwortlich sein, doch Professor Hengstschläger stellt eindeutig klar, dass genetische Voraussetzungen nicht alleine genügen und man ebenso in Training, Ausbildung, Erziehung und das richtige Umfeld investieren muss, um mit diesem genetischen Potential etwas anfangen zu können.
Im Rahmen einer Debatte um Gentests für Sportler erteilt er hiermit dem genetischen Auswahlverfahren eine deutliche Absage, denn Gene alleine sind nicht für Erfolg verantwortlich. Ähnlich verdeutlicht er auch die immer wieder aufkeimenden Debatten um Gene die Suchtverhalten fördern, denn selbst wer über ein solches Gen verfügt wird dadurch noch lange nicht zum Griff zur Flasche gezwungen, andererseits trägt auch nicht jeder Alkoholiker diese Genvariante in sich.
In einem eigenen Kapitel befasst sich Professor Hengstschläger ebenfalls mit Wunderkindern und Genies, deren einzigartiges Talent sich jedoch nicht auf ihre Gene zurückführen lässt, was wieder einmal mehr den Wert einer Umwelt beweist, die Talente erkennt und fördert. Alleine aufgrund von Gentests könnte man nämlich keine Wunderkinder und Genies finden. Auch Homosexualität lässt sich nicht wirklich auf die Gene zurückführen, das Homo-Gen ist also einer von vielen schlechten Witzen über die Genforschung. Sogar recht häufig hängt die Ausprägung physischer Merkmale nämlich von der entsprechenden Kombination der eigenen Genvarianten ab und da man diese Gene mit seinen Vorfahren teilt, kann es auch sein, dass längst vergessen geglaubte äußere Merkmale plötzlich wieder auftauchen. Ein gutes Beispiel dafür das weiße Kind in einem afrikanischen Dorf. Wenn die eigene Hautfarbe also mit der der eigenen Kinder nicht übereinstimmt, ist das lange noch kein Grund an eine Verwechslung zu glauben, denn der vermeintliche Übeltäter kann genauso ein Urahn gewesen sein.
Mit Einer faszinierende Kombination aus anschaulichen Darstellungen und einer Brise österreichischen Schmäh schafft es Professor Mag. Dr. Markus Hengstschläger die wichtigsten Fragen zu seinem Forschungsgebiet zu beantworten. Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit als Fachhumangenetiker würde man normalerweise annehmen Die Macht der Gene" wäre ein wahres Feuerwerk von unverständlichem Mediziner-Kauderwelsch, aber in dieser Hinsicht wird man äußerst angenehm enttäuscht. Professor Hengstschläger versteht es sich für den Durchschnittsbürger verständlich auszudrücken, nicht zuletzt weil er selbst zu einem der meistgefragten Fachhumangenetiker Europas gehört. Vor allem jedoch ist Hengstschläger objektiv und regt zu eigenen Überlegungen in den ethischen Fragen an.
Fazit:
Ein faszinierender Einblick in die Macht der Gene, die sich durch ihre Bodenständigkeit und verständliche Formulierungen auszeichnet.