Eliot arbeitet die verschiedenen Standpunkte der tonangebenden Kreise sezierend und scharf heraus, als es darum geht, Maggie zu verurteilen. Das ist hochamüsant. Diese detaillierte Sorgfalt zeigt sich auch in der Schilderung der Hauptfiguren und Geschwister Maggie und Tom als Kinder: der sture, pflichtgeprägte, etwas schwerfällige Tom und die empfindsame, grüblerische, intelligente Maggie. Zwischen ihnen läuft die wesentlichste Konfliktlinie.
Wir folgen einem enormen Drama, das allerdings gegen Schluss etwas oberflächlich verschärft wird und am Ende etwas abgewürgt erscheint, so als hätte es Eliot pressant* gehabt. Bis es soweit ist, erfahren wir allerhand zu Land, Leben und Meinungen in dieser Zeit. Ein Konflikt folgt dem anderen. Sie sind getrieben vom Naheliegenden, Unmittelbaren, von den kleinlichen Vorgaben jener Zeit in einer kleinen Handelsstadt an einem breiten Fluss. Die grossen Ideen liegen ihnen fern, wie Eliot einmal etwa in der Mitte sagt.
Der grosse Roman ist spannend und anregend. Die Eliot war ein grosser Mensch und eine mächtige Autorin. So viel ist klar.
Prädikat: sehr empfehlenswert.
*Schweizerdeutsch für eilig.