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Die Möglichkeit des Guten: Ethik im 21. Jahrhundert
 
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Die Möglichkeit des Guten: Ethik im 21. Jahrhundert [Gebundene Ausgabe]

Wilhelm Vossenkuhl
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 472 Seiten
  • Verlag: Beck; Auflage: 1 (11. April 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406543758
  • ISBN-13: 978-3406543753
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 15 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 467.639 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Wilhelm Vossenkuhl
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Was ist heute unter Ethik zu verstehen? Mit welchen Fragen setzt sie sich auseinander und auf welche Weise tut sie das? Ethik – so argumentiert Wilhelm Vossenkuhl – soll helfen, moralische Konflikte im Leben der Menschen zu lösen, und sie soll dazu beitragen, Konflikte im Leben der Gesellschaft zu bewältigen. Sein Buch zeigt die zentralen Probleme und weist Wege, sich ihnen zu stellen. Vossenkuhl versteht unter Ethik weniger ein Theoriegebäude, das sich selbst genügt, als vielmehr eine praktische Wissenschaft, der es um die Frage geht, wie das Gute möglich sei. „Das Gute“ wird dabei verstanden als das gute, glückende Leben der Menschen. Daß ein gutes Leben glückt, wird einerseits von wissenschaftlichen Fortschritten gefördert, etwa bei der Verlängerung des Lebens, andererseits aber durch neue Probleme, etwa die Sterbehilfe, belastet. Vossenkuhl stellt in einer ganzen Reihe von Problemkonstellationen dieses doppelte Gesicht des Fortschritts vor. Anhand der Frage nach der Freiheit prüft er, inwieweit wir Menschen befähigt sind, für uns selbst und für andere so viel Verantwortung zu tragen, daß ein gutes Leben für alle denkbar und konkret möglich ist. Das Gute, gerade das gute Leben, war lange kein Thema der Ethik mehr. Dafür gibt es Gründe. Vossenkuhl spricht von der Paradoxie des Guten, weil es sich häufig herausstellt, daß das, was einmal als gut galt, im Nachhinein anders zu beurteilen ist. Er denkt dabei an Nebenfolgen wissenschaftlicher und technischer Entwicklungen, aber auch an die sozialen Verteilungsprozesse. Für diese Prozesse schlägt er ein neues Verfahren vor, mittels dessen Güter und Lasten in einer Gesellschaft gerecht verteilt werden, so daß ein gutes Leben für alle möglich wird.

Über den Autor

Wilhelm Vossenkuhl ist Professor für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bei C.H.Beck sind von ihm lieferbar: Ludwig Wittgenstein (2003) und Die Fragen der Philosophie (hrsg. mit Ernst Fischer, 2003).

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Format:Gebundene Ausgabe
Wenn man einmal unterstellen darf, dass jeder Mensch mehr oder weniger nach Möglichkeiten des Guten in seinem eigenen Lebensentwurf sucht, so lässt bereits der Titel eine breit gestreute Leserschaft erwarten. Diese hat das Buch auf jeden Fall verdient. Anhand aktuellster, ethisch kontrovers diskutierter Themen, wie etwa der Forschung mit embryonalen Stammzellen, Fragen der aktiven und passiven Sterbehilfe oder der ethischen Vertretbarkeit der sogenannten Präimplantationsdiagnostik führt der Autor nicht nur in Grundfragen der Ethik ein, sondern bezieht auch an mehreren Stellen präzise eigene Standpunkte. Dies geschieht vor allem dort, wo aus der Sicht des Autors in der bundesdeutschen Wirklichkeit widersprüchliche ethische Begründungen Eingang in die Rechtsordnung gefunden haben (z.B. beim Lebensschutz). Die philosophischen Reflexionen Vossenkuhls zu diesen letztendlich alle angehenden Problemkreisen von enormer Bedeutung für die Zukunft der Gesellschaft sind gut lesbar und nachvollziehbar geschrieben. Die dringliche Suche nach objektiven Begründungen ethischer Entscheidungen muss -so Vossenkuhl- nicht nur stets geltende sittliche Grundlagen (sofern sie überhaupt noch existieren) berücksichtigen, sondern kann nur in einem offenen Raum der Moralität stattfinden, dessen zum Teil nichtmoralische Bedingungselemente (z.B. Wirtschafts-und Umweltbedingungen) dem stetigen Wandel unterworfen sind. Individuum und Gesellschaft finden sich in einer Welt der "moralischen Ökonomie" vor, in der jenseits der Definitionsmöglichkeit absoluter Werte ethische Begründungszusammenhänge immer wieder an die sich immer schneller wandelnde Aktualität an- und eingepasset werden müssen. Hier grenzt sich Vossenkuhl mit "seiner Ethik" dezidiert gegen Kant ab, der bekanntlich ethische Maßstäbe absolut und unbedingt, d.h. außerhalb jeglicher Empirie geltend gemacht hatte. Erstaunlicherweise (oder erfreulicherweise?) hält allerdings auch Vossenkuhl im 21. Jh. eine dauerhafte Moralität (Sitte und Ethik) nur vor dem Hintergrund einer metaphysischen Perspektive für möglich (.."wer sich unter den Augen eines Gottes wähnt..."); eine schönere Reminiszenz an den großen Alten aus Königsberg, der in seiner "Kritik der praktischen Vernunft" an Gott, dem schlechthin Unerkennbaren, als unverzichtbarem Postulat festgehalten hatte, wäre kaum denkbar gewesen. Warum "nur 4" Sterne für ein so wichtiges Buch? Im zweiten Teil des über 400 Seiten umfassenden Werkes bleibt leider der Aktualitätsbezug immer mehr auf der Strecke. Der Autor verliert sich in lang ausschweifenden, zum Teil sprachphilosophisch anmutenden Ausführungen zu Idee und Begriff des Guten sowie dem Zusammenhang zwischen dem Teil (Individuum) und dem Ganzen (kollektives Netz; Gesellschaft) darin. Schade, denn hier wird der Lesefluss mitunter so zäh, dass man mehrfach geneigt ist, das Buch zur Seite zu legen. Nichtsdestoweniger überwiegt aber am Ende der positive Gesamteindruck, vor allem aufgrund der Wichtigkeit der Thematik, aber auch der Authentizität des Autors. Vossenkuhl zählt zu den wenigen Philosophen, die deutlich zu machen verstehen, dass Philosophie nicht in den Elfenbeinturm der Wissenschaft gehört.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Blaumaintal VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Für Vossenkuhl geht es in der Ethik letztlich um die Frage, was das gute Leben eigentlich ausmacht und wie es sich verwirklichen lässt. Damit eng verflochten ist für ihn die Frage nach der guten Gemeinschaft, dem guten Staat in dem der Einzelne lebt und ohne den er letztlich kein gutes Leben führen kann. Wenn Vossenkuhl nach dem guten Leben sucht, dann schaut er zunächst auf die Sitte, den moralischen Tatsachen, der moralischen Normalität. Erst wenn die Dinge durch veränderte Umstände nicht mehr recht zusammenpassen wollen und die Normalmoral sich an Realitäten reibt, fängt ethisches Fragen und Begründen eigentlich an. Vossenkuhl hält eine absolut autonome ethische Vernunft übrigens für eine Art Mythos, denn er ist der Meinung, dass in unsere moralischen Überzeugungen immer wieder etwas von dem einfließt, was wir im Laufe unseres Lebens anderen zu verdanken und in unsere Persönlichkeit dann integriert haben. Ja, ethische Probleme lassen sich gar nicht lösen, wenn die Wertvorstellungen der einzelnen Parteien ganz unterschiedlich sind. Denn letztlich sind unsere moralischen Grundüberzeugungen gar nicht mehr begründbar, eine Letztbegründung gibt es nicht. Eine Ethik die wirklich allgemeingültig ist, kann es darum auch nicht geben, sein ethischer Vorschlag begrenzt sich bewusst auf unseren westlichen Wertekreis und setzt eine freiheitliche, parlamentarische Demokratie mit den dazugehörigen freiheitlichen Werten und den Menschenrechten voraus. Ethische Konflikte löst Vossenkuhl - mit dem Hintergrund unseres Kulturkreises - aufgrund der Wertigkeit eines Gutes (ob es z.B. ein teilbares, unteilbares, verzichtbares oder unverzichtbares Gut ist), den Bedarf und in wieweit sich die Verteilung von Gütern auf die Gesamtheit des guten Lebens auswirken würde. Dafür entwickelt Vossenkuhl seine "Maximenmethode". Zum einen wird ein normativer Anspruch dann verändert, wenn er zu einer Güterverteilung führen würde, die nicht anerkannt werden kann (Knappheitsmaxime), zum anderen wird eine quantitative Güterverteilung verändert, wenn sie normative Ansprüche verletzt (Normenmaxime) und zum dritten wird verhindert, dass durch moralische Ansprüche und Güterverteilung keine unverzichtbaren Werte oder das Wertgefüge der Güter insgesamt gefährdet wird (Integrationsmaxime). Das Problem, wie die materiellen und nicht-materiellen, die normativen und nicht-normativen Güter miteinander verflochten sind und wie eine Integration der unverzichtbaren, knappen Güter in ein Ganzes gelingen kann, bezeichnet Vossenkuhl als das Grundproblem der Ethik.

Um es vorweg zu sagen: Ich habe das Buch gerne gelesen, aber richtig überzeugt hat mich der Autor nicht immer. Dass eine gemeinsame ethische Basis für alle gar nicht möglich sein soll, ist doch im Grunde ein ziemlich niederschmetterndes Ergebnis und führt dann dazu, dass jeder Kulturkreis im Grunde seine eigene Spezialethik braucht. Andererseits meint aber Vossenkuhl z.B. die Beschneidung von Frauen allgemeingültig als eine schlechte Sitte verurteilen zu können - allerdings eben nur mit dem Hinweis auf Menschenrechte von denen er annimmt, dass sie allgemein akzeptiert sind und die er als höherwertig annimmt als landesspezifische, weniger wertige (in diesem Fall wohl besser unwertige) Bräuche. Ein Grund mag vor allem darin liegen, dass für ihn Ethik und gutes Leben zusammengehören. Moralisches Handeln ohne die rechte materielle Basis hält er z.B. für kaum möglich. Aber sollte es nicht doch so sein? Ist es z.B. wirklich unabdingbar, dass man in einem Wohlstandstaat mit freiheitlicher Demokratie leben muss um wirklich ethisch Handeln zu können? Wahrscheinlich ist ein gutes Leben dann nicht möglich, aber die Möglichkeit des moralischen Handelns besteht doch weiter und ist auch eine der Voraussetzungen um Verhältnisse positiv ändern zu können.
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