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Produktinformation
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Ausführlich skizziert Schmidt zunächst die weltpolitische Ausgangslage, in der wir uns heute befinden. Während er die Gefahren des neuen Terrorismus in einem düsteren Szenario noch einmal deutlich vor Augen führt, hält er die möglichen Konsequenzen des erneuerten Weltordnungsanspruchs der USA für noch kaum absehbar. Bei aller Bedeutung, die er dieser Frage zubilligt (nicht zuletzt auch für die außenpolitische Selbstfindung Europas), übersieht der Altkanzler nicht, dass weitere Determinanten der Weltpolitik nicht aus dem Blick geraten dürfen. Dazu gehören die Folgen der Bevölkerungsexplosion in den armen Teilen der Welt ebenso wie die Auswirkungen der technischen und ökonomischen Globalisierung, die Anfälligkeit der internationalen Finanzmärkte oder die Problematik des internationalen Waffenhandels. Neben der Frage nach einem "Imperium Americanum", die im Zentrum der Erörterungen steht, werden ausführlich die verschiedenen möglichen Entwicklungspfade der anderen großen Mächte behandelt: China, der indische Subkontinent, der Islam, Russland sowie schließlich Europa (und hier vor allem Deutschland).
Im September des Jahres 2000 hatte Schmidt im Vorwort zu seinem Buch Die Selbstbehauptung Europas zu Protokoll gegeben, dass im Laufe des neuen Jahrhunderts eine gute Nachbarschaft mit dem Islam "zu einer der Bedingungen für die Selbstbehauptung Europas werden" würde, und: "Es könnte sogar dahin kommen, daß von dieser guten Nachbarschaft der Frieden abhängt". -- "Wurde ich" so fragt Schmidt im Jahr 2004, "durch die furchtbaren Ereignisse ein Jahr später bestätigt? Oder hatte ich mich getäuscht? War ich zu optimistisch gewesen? Mit den Anschlägen vom 11. September 2001 und der amerikanischen Reaktion bekam meine Voraussage jedenfalls eine neue Dimension." Dieser Dimension vor allem sind die Reflexionen des altersweisen Staatsmanns gewidmet. Man muss nicht all seine Einschätzungen und Urteile teilen, um aus der Lektüre größten Gewinn zu ziehen. -- Andreas Vierecke -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Betrachtet man die obigen Aussagen von Helmut Schmidt unter dem Eindruck der grausamen Anschläge von New York und Madrid, erweist sich schlagend ihre Plausibilität. Schmidt fordert daher in seinem neuen Buch Die Mächte der Zukunft, den islamistischen Terrorismus nicht nur polizeilich und militärisch zu bekämpfen, sondern er verlangt gleichzeitig mit großer Vehemenz vom Westen, den Islam endlich als gleichwertige Religion neben dem Christentum und anderen Religionsgemeinschaften anzuerkennen: Toleranz und Anerkennung des Islams betrachtet er als einen wesentlichen Beitrag zum Weltfrieden. Denn die Gleichsetzung des Islams mit dem Terrorismus würde dem Terrorismus nur weiteren Zuwachs bescheren.
Die Ansichten und Überlegungen des Altbundeskanzlers und heutigen Mitherausgebers der „Zeit“ genießen weltweit hohes Ansehen. In seinem hier vorgestellten jüngsten Buch legt er nun einen Abriss über die mögliche Entwicklung der Weltpolitik in den kommenden Jahrzehnten vor. Helmut Schmidt sieht die USA auf absehbare Zeit als die einzig verbliebene Supermacht, die jeden Winkel der Erde technologisch, ökonomisch militärisch und politisch erreichen könne, doch würden die Vereinigten Staaten von Amerika nur wenige der kommenden Konflikte und Bürgerkriege verhindern können. Zudem werde China aber immer mehr an Bedeutung gewinnen.
Ein Buch, das so weit in die Zukunft blicken möchte, fordert sicher Kritik heraus. Inwieweit ist die Zukunft überhaupt berechenbar? Auch wenn der mittlerweile 86jährige Exbundeskanzler, weitläufig gebildet, die Welt viel bereist hat und über die Lebenserfahrung eines weltweit angesehenen elder statesman verfügt, kann natürlich auch er keine präzisen Voraussagen über die Geschichte der kommenden Jahrzehnte machen. Helmut Schmidt beschreibt vielmehr Tendenzen und prognostiziert mögliche Entwicklungen. Er ist zwar schon lange nicht mehr in der Regierungsverantwortung, aber er hält sich mit Vorschlägen zur Weltpolitik nicht zurück. Beispielsweise fordert er dazu auf, China zu den G7-Gipfeln einzuladen, d.h. zu den Treffen der Regierungschef der sieben wichtigsten Industrienationen plus Russland. Helmut Schmidt bleibt auch nicht bei der bloßen Beschreibung der politischen Lage von heute stehen, sondern er erklärt die politischen Probleme auch mit Hilfe von kurzen, aber informativen Erläuterungen zur Geschichte der jeweils behandelten Region.
Wird Deutschland zu den Gewinnern oder Verlierern von morgen zählen? Die beiden heute im öffentlichen Bewusstsein im Vordergrund stehenden Probleme der Altersvorsorge und der Arbeitslosigkeit sind nach Helmut Schmidt selbstverschuldet und keineswegs Folgen der Globalisierung. Deutschland zählt nach wie vor zu den hochentwickelten Industriestaaten, und die Menschen in den Industriestaaten werden nach Helmut Schmidts Sicht der Dinge auch in Zukunft noch reicher werden und ihren Wohlstand mehren. Lediglich für die Entwicklungsländer Afrikas sieht Helmut Schmidt in nächster Zeit keinen Hoffnungsschimmer.
Fazit. Für jeden, der sich ein bisschen für Politik interessiert ein lesenswerte informatives Buch über mögliche Entwicklungen der Welt in den kommenden Jahrzehnte. Gerade weil der Autor über ein breites Wissen verfügt ist es schade, dass, Helmut Schmidt seine Thesen nicht umfangreicher erläutert. Bei aller Kennerschaft verfällt Helmut Schmidt nicht in ein Fachchinesisch, sondern schreibt auch für den Laien klar und verständlich.
Wie oben schon erwähnt, skizziert der Altkanzler nur die Tendenzen der Weltpolitik. Also stellt das Buch keinen Anspruch auf eine wissenschaftliche Analyse, die mit verschiedensten Daten untermauert wird. Diese Niederschrift sollte nur die Umrisse der zukünfitgen Weltpolitik darstellen. Dies ist meiner Meinung nach gelungen. Außerdem schreibt der Autor in einem leserfreundlichen Stil, der die schwierige Materie der internationalen Politik erleichtert.
Dieses Buch ist für alle ein Kauf, die sich einen groben Überblick über die zukünftigen politischen Großthemen verschaffen möchten.
Welches sind nach Schmidt die weiteren "Mächte der Zukunft?" Einmal sicherlich China und der ferne Osten. China besitze starke wirtschaftliche Vitalität, wie eine Serie des "Spiegel" über China eindeutig bestätigt. Schmidts Feststellung, ob die Sorge vor künftiger militärischer Macht und Machtmißbrauch durch das nuklear bewaffnete China berechtigt sei, verneint Schmidt aus Überzeugung (S. 140). Dies mag für die derzeitige pragmatische Führung in Peking gelten. Ob dies aber für alle Zukunft so bleiben muss, daran scheinen mir Zweifel angebracht zu sein. Allerdings schildert Schmidt sehr eindrucksvoll die politischen, wirtschaftlichen, historischen und kulturellen Entwicklungen Chinas, Indiens und des Fernen Ostens. Wichtigste Übereinstimmung mit den anderen Weltmächten bestehe darin, dass auch China eine Verhinderung der weiteren Verbreitung nuklearer und anderer Massenvernichtungswaffen anstrebe.
Denn hier liegen laut Schmidt die Gefahren der Zukunft: Nuklearwaffen im Besitz von Schwellenländern, terroristische Anschläge auf Metropolen im Zuge der "neuen Kriege" (Herfried Münkler) seien wichtige Probleme, deren Lösung offen bleibe, wie er am Ende (S. 225) bilanziert. Nur die anhaltende Schlüsselstellung der Vereinigten Staaten und Chinas könne als gesichert gelten. Für die Welt werde von entscheidender Bedeutung sein, ob sich die USA in Zukunft den Regeln des Völkerrechtes unterwerfen würden (hierzu gibt es ein neues interessantes Heft: "Aus Politik und Zeitgeschichte B 43/2004)", welches sich wie Schmidt mit diesen Fragen ausführlich beschäftigt.). Außerdem werde China im 21. Jahrhundert mit Sicherheit eine Bedeutung erlangen, die derjenigen der USA gleichkäme. Auch der Westen könne von China lernen. Deutschland solle sich am weiteren Ausbau des Völkerrechtes beteiligen, am Ausbau der Institutionen der Vereinten Nationen und des Sicherheitsrates. Ein ständiger deutscher Sitz im Sicherheitsrat sei allerdings dafür nicht nötig. Das wichtigste außenpolitische Interesse Deutschlands liege heute in der Überwindung der Krise der auf 25 Mitgliedsstaaten erweiterten Europäischen Union. Jeder Fortschritt in der europäischen Integration bedürfe der vertrauensvollen Zusammenarbeit von Deutschland und Frankreich. Auch wenn die Europäer in ihrer Integraton erfolgreich wären, würde die Europäische Union gleichwohl nicht mit den USA konkurrieren können. Dies solle auch kein europäischer Politiker in unnützer Weise versuchen.
Insgesamt eine interessante Analyse mit Schwerpunkt auf den USA. Sie erscheint mir manchmal nicht rational-realistisch, wie Schmidt sein Weltbild darstellt, sondern aus heutiger Sicht, bei der unipolaren Politik von George W. Bush, äußert optimistisch. Man wird sehen, inwieweit die Prognosen Schmidts zutreffen werden. Das Buch ist jedoch - wie sein Vorgänger: "Die Selbstbehauptung Europas" von einer analytischen Klarheit und Denkschärfe, die dennoch die "großen Linien" erkennbar macht. Schmidt schreibt sehr lesbar und ist ein Meister der Rhetorik, was manche Schwächen in seiner Argumentation verbirgt. Insgesamt für mich eine der wichtigsten, ja eigentlich die wichtigste politische Neuerscheinung eines deutschen Politikers im Jahre 2004. Unbedingt lesenswert.
1. Die sog. Nebenkosten. Jedem Deutschen werden die Soziallasten für die vorherige und seine eigene Generation auf... Lesen Sie weiter...
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