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Die Luftgängerin
 
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Die Luftgängerin [Gebundene Ausgabe]

Robert Schneider
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (23 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Seelenschwulst

Robert Schneiders Roman «Die Luftgängerin»

Nun plötzlich reibt sich alle Welt die Augen, dabei hätte man es bereits 1992 wissen können: Das Talent des Robert Schneider reicht bestenfalls zum Trivialschriftsteller. Frappierend an der Rezeption seines damaligen Bestsellers «Schlafes Bruder» war weniger die Illusionsbereitschaft, mit der sich ein emotional bedürftiges Massenpublikum am x-ten Aufguss von Dorfhölle und Bergeshöh, Genie und Wahnsinn, unerfüllter Liebe und Tod berauschte, als die Besinnungslosigkeit eines überwiegenden Teils der Kritik, die das mittlerweile 1,4 Millionen Mal verkaufte Buch als literarischen Wurf feierte (wobei den über zwanzig Lektoraten seriöser Verlage, die das Manuskript ablehnten, hier endlich das gebührende Lob zuteil werden soll).

Mochten Thomas Bernhard, Franz Innerhofer, Werner Kofler, Gert Jonke und Klaus Hoffer noch so sehr um Sprache und Form für den Abgrund an Herkunft gerungen haben: Erst der Vorarlberger Robert Schneider (Jahrgang 1961) lieferte das, was man sich offenbar immer unter österreichischer Antiheimatliteratur vorgestellt hatte, aber nie zu fordern gewagt hatte – postmodern aufgemotztes Biedermeier. Die Legende vom Bauernbuben und Musiker Johannes Elias Alder, dem vor absolutem Hören und Fühlen das Sehen vergeht, setzt gleichermassen auf New Age und Herzschmerz, Nostalgie und Kunstfrömmigkeit. Film, Oper, Ballett rissen sich um den Stoff, es regnete Auflagen, Übersetzungen und (internationale) Auszeichnungen – so den Marieluise-Fleisser-Preis für Autoren, «die den Konflikt zwischen unerfüllten Glücksansprüchen und alltäglichen Lebenswelten zum zentralen Thema haben». Allein, hält nicht der Groschenroman dieses Feld besetzt?

Medialer Selbstläufer

Mit dem Geld, das ihm in die Taschen fiel, ist Schneider auch der Ruhm zu Kopf gestiegen. Das neue Manuskript anpreisend, pokerte er hoch, die Bertelsmann-Tochter Blessing mutete sich eine knappe Million Mark Vorschuss samt Zusicherung von Luxuslimousinen und Viersternehotels bei Lesetourneen zu (und dürfte dafür am Lektorat gespart haben). Und siehe da, die PR-Maschine läuft wie geschmiert: «Die Luftgängerin» entwickelte sich Ende 1997 zum medialen Selbstläufer; Nachrichtenmagazine standen Schlange für Homestories, die Sperrfrist für Rezensionen wurde von bunten Blättern nachgerade routinemässig durchbrochen.

Der Text ist das Brimborium nicht wert. Erneut hat Schneider tief in die Mottenkiste des Zeitgeistes gegriffen – und Engel, Androgyne, Drogen- und Fernsehjunkies, Neonazis, eine Mini-Apokalypse sowie (nach Belieben) erhabene Gefühle zutage gefördert. Verpackt ist dies alles in eine Vorarlberger Familiensaga, die die sechziger Jahre bis zur Jahrtausendwende umfasst, was Schneider viel Zeit und Gelegenheit gibt, über den «rheintalischen Menschen» im allgemeinen und im besonderen über jene zu räsonieren, mit denen er im «Ländle» noch eine Rechnung zu begleichen hat. Unschwer ist «Die Luftgängerin» als Schlüsselroman zu erkennen: Der Schauplatz Jacobsroth gleicht in vielem Feldkirch, das Monopolhetzblatt «Die Tat» karikiert die Vorarlberger Nachrichten und der Gross-Kleinkritiker Egmont Nigg deren Kulturredaktor – weiteres werden zweifellos die Lokalhistoriker klären.

Gewiss, das ist nicht ohne (schwerfällige) Ironie gemacht, doch merkt man die denunziatorische Absicht und ist verstimmt. Peinlich intim wird's auch, wenn Schneider in einer grossspurig-larmoyanten Vorrede signalisiert, dass mit dem «letzten Herzmenschen von Jacobsroth», dem Engel Maudi Latuhr, seine Ex-Freundin gemeint sei. Im Verhältnis zur Ankündigung gestaltet sich das Wirken dieser «Magierin in entzauberter Zeit» allerdings blass. Die Figuren – von Maudis Vater, einem ewig pubertären Achtundsechziger, der sich dem System mit einer Geldallergie verweigert, über die «fabelhaft aussehende» Tante Ines bis zum zynischen Onkel Harald mit dem «verlorenen Herzklopfen» – sind blosse Träger ihrer Eigenschaften. Metastasenartig wuchern die Episoden, wobei der Abstieg der Textilfabrikantenfamilie Latuhr fast so viel hergibt wie das Wetter, das der Autor nicht müde wird zu bemühen. Der schönen Seele und dem hermaphroditischen Engel Maudi bleibt wenig mehr, als ganz schön schrecklich zu sein (der Autor kennt seinen Rilke): mit Anfällen von Liebesraserei, die manch Zukurzgekommenen rettet, aber auch allerhand Kleinvieh zur Strecke bringt.

Eine Kulturgeschichte des Rheintals entsteht durch die Jahre. Das könnte durchaus reizvoll sein, setzte Schneider nicht immer nur aufs Evidente (wie die Baueuphorie der sechziger, die No-Future-Stimmung der siebziger, den Hedonismus und Multikulturalismus der achtziger, den Globalismus und die neue Armut der neunziger Jahre) und würde er dies nicht mit erhobenem Zeigefinger tun. Kaum eine Weisheit zu platt, um nicht pathetisch verkündet zu werden. Nicht zufällig gibt der allwissende Erzähler ständig (apodiktische) Kommentare von sich: die Fähigkeit, die Dinge selber zum Sprechen zu bringen, geht Schneider schlichtweg ab. Müsste er sonst den Kunstcharakter des Romans in einer Vorbemerkung eigens betonen? «Die Handlung dieses Buches ist Erfindung. Innerhalb dieser Erfindung ist es wahr.»

Surrogat

«Die Luftgängerin» ist ein einziges Surrogat. Je mehr der Text aufs grosse Ganze hinaus will, desto weniger trifft er etwas; je mehr Wunder er aufbietet, desto mehr schwindet ihm das Geheimnis. Einen doppelten Boden sucht man vergebens, dafür wird sprachlich dreifach und vierfach dick aufgetragen. Metaphern und Vergleiche überbieten sich: sind sie nicht reine Konfektion, sind sie oft krud oder schlicht falsch. Ob neudeutsch oder altväterisch: zwanghaft wird drauflos poetisiert. Neonlicht «staubt ins Zimmer», der Himmel «gelbt und bläut», Verkehrsampeln «grünen und röten», geküsst wird «zungig» oder gar «tiefzungig». Maudi ist «blessiert» und «hat ihre Schweigsamkeiten, sprach kaum zwei Worte des Tags». Notfalls hilft zur Charakterisierung von Figuren Musik weiter, Mozarts «Figaro»-Ouverture etwa (ab dem «250. Takt»!), «wo sich die Noten gleichsam selbst in den Kosmos hinaus katapultieren». Sprachskepsis soll das wohl signalisieren. Fehlt nur noch, dass der kommenden Bertelsmann-Buchklub-Edition eine CD beiliegt.

Wenig bis nichts stimmt an diesem Roman – komme immer noch einer und sage, dies sei gewollt. Robert Schneider selber ist ein «Luftgänger» – getragen von jenen, die im reinen Seelenschwulst den «Glanz von endgültigem Wissen» zu haben meinen. Gefühle ohne Gedanken aber sind blind. Noch dümmer als der Kitsch ist der antiintellektuelle Affekt, auf den der Autor offen setzt. Was, wenn nicht eine Feuilleton-«Verschwörung», könnte diesen Irrläufer stoppen?

Andreas Breitenstein

Am Sonntag, 25. Januar, um 11 Uhr beglückt Robert Schneider im Schauspielhaus Zürich seine Fans mit der «Urlesung und zugleich schweizerischen Erstlesung» aus seinem Opus.

Corriere della Sera

Es duftet, es tönt, es glänzt in diesem Buch auf eine unerhörte Weise. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Dagbladet, Oslo

Garcia Marquez hat in diesem österreichischen Schriftsteller einen ebenbürtigen Phantasten gefunden. Wer ein Herz hat, der lese! Er wird den Klang dieses Romans nicht mehr vergessen können. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Stern

Ein Triumph des Lesers. Das Publikum liebt den Dichter. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Sigrid Löffler, Die Zeit

Ein solches Buch ist noch nicht dagewesen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Der Roman erzählt die Geschichte der Maudi Latuhr, geboren 1970 im rheintalischen Städtchen Jacobsroth. Wer ist dieses Mädchen? Ein Engel? Oder ist sie eine Luftgängerin, ein Mensch also, der nur auf sein Herz hört, der niemandem auf der Welt gehorcht, sondern tut was er will? Maudi erweist sich als geheimnisvolles Wesen, das die Menschen anrührt und Sehnsucht in ihnen entfacht. Nach "Schlafes Bruder" ist dies der zweite Roman des Robert Schneider. Er stellt sich den großen philosophischen Fragen der Gegenwart und setzt gleichzeitig mit seinen beeindruckenden Landschaftsbeschreibungen seiner rheintalischen Heimat ein Denkmal.

Umschlagtext

Im verschlafenen Grenzstädtchen Jacobsroth kommt im Jahr 1970 ein Mädchen zur Welt, von dem sich bald herausstellt, daß es mit außergewöhnlichen Fähigkeiten begabt ist. Wer sich in Maudis Nähe aufhält, wird plötzlich an seine alte Sehnsucht erinnert, die Sehnsucht nach dem geglückten Leben. Ungeheuerliche Dinge tragen sich zu, wohin Maudi auch tritt. Wer ist dieses zerbrechliche Mädchen, das so viel Unruhe stiftet? Ist sie überhaupt von dieser Welt? Ist sie ein Engel, der beschlossen hat, auf die Erde zurückzukehren, um den Menschen den Spiegel ihres lieblosen Umgangs miteinander vorzuhalten? »Die Luftgängerin ist ein breites, groß erzähltes Familienepos, bevölkert mit kuriosen Figuren - liebenswerten Versagern zumeist -, in welchen der Wunsch nach einem sinnhaften Leben noch nicht erloschen ist. (...) Mit stupender, ja rauschhafter Sprachgewalt, mit einer nicht zu übertreffenden Ironie erzählt dieser junge Schriftsteller aus Österreich eine Welt, die noch im ganzen funktioniert. (...) Es duftet, es tönt, es glänzt in diesem Buch auf eine unerhörte Weise.« (Paola Capriolo, Corriere della Sera) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Autorenportrait

Robert Schneider, geboren 1961, lebt in Meschach, einem Bergdorf in Vorarlberg. Für seinen Debütroman "Schlafes Bruder" (1992) erhielt er zahlreiche in- und ausländische Preise, das Buch wurde in 24 Sprachen übersetzt. 1998 erschien, ebenfalls mit großem Erfolg, im Blessing Verlag sein zweiter Roman "Die Luftgängerin".
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