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Das bleibt zwar etwas an der Oberfläche, trotzdem erfährt man einiges interessantes: Zum Beispiel, daß sich zu jeder Strategie oder jedem Prinzip (wie der "Nächstenliebe") eine Entscheidungssituation basteln läßt, wo sie zu unerwünschten Ergebnissen führt. Oder daß es manchmal das Vernünftigste ist, eine Münze zu werfen und Entscheidungen vom Zufall abhängen zu lassen.
Kurzum: Solange er bei dem bleibt, von dem er etwas versteht, ist Mérös Buch gut, verständlich und brauchbar - soweit ich das beurteilen kann. Etwa ab dem achten Kapitel mehren sich dann die ... Eigenartigkeiten.
Es beginnt damit, daß Mérö sich für die "Gruppenselektion" stark macht, eine Version der Evolutionstheorie, die unter Biologen wohl eher ein Schattendasein führt. Danach versucht der Autor, Analogien zwischen dem seltsamen Verhalten von Elementarteilchen und dem spieltheoretischen Konzept der "gemischten Strategie" zu finden. Das Elektron folge einer Strategie, und noch später heißt es: das Elektron sei eine Strategie. Was er damit meinen könnte, bleibt leider offen.
Was anfangs noch wie ein origineller Einstieg in die Grundlagen moderner Physik anmutet, wird bald zu einer Anhäufung von Ungenauigkeiten, falschen Behauptungen und Unverständlichem, und schließlich in unerträglicher Gemysterei. Mérö versieht einige bekannte, aber (noch) nicht ganz verstandene quantenphysikalische Phänomene mit neuen komplizierten Bezeichnungen. Sowas war allenfalls im Märchen "Rumpelstilzchen" eine Lösung, hier verwirrt es nur den Leser. Wenn der nicht zufälligerweise Physiker ist und sich mit dem sogenannten "Meßproblem" beschäftigt hat, hat er wenig Chance zu erkennen, daß Mérö sein Wissen hauptsächlich aus ein paar ollen Kamellen und einer Handvoll populärwissenschaftlicher Schriften bezieht, die er dann auch noch falsch zitiert.
Daß Mérö physikalisches Halbwissen als "Stand der Forschung" verkauft, ist schon ärgerlich genug. Leider beläßt er es nicht dabei.
Dem Leser werden im folgenden Gödels Theorem, ein paar Erkenntnisse aus der Sozialpsychologie und ein paar verstreute Fakten aus sonstigen Gebieten um die Ohren gehauen. Hält der Leser trotzdem durch, bekommt er von Mérö über lange Seiten "mystische Erkenntnis" angepreist, die alle Weltprobleme "quasi-rational" lösen wird. Der Autor fordert dann auch noch eine neue "wahre Rationalität", irgendwo zwischen Zen-Buddhismus und Zellulitis.
Damit folgt er zwar einer unter Philosophen verbreiteten Unsitte, Phänomenen, die sie begrifflich schwer zu fassen bekommen (wie "Farbe" oder "Ich"), schlicht ihre Existenz abzusprechen und in dunklen Worten Zuflucht zu suchen. Besser wird sein Buch dadurch nicht, und verständlich schon gar nicht.
Solange Merö bei dem bleibt, wovon er etwas versteht - Spieltheorie und Psychologie -, liefert er eine gute, aber auch nicht wirklich überragende Darstellung der Spieltheorie. Von Biologie, Quantenmechanik oder Wissenschaftstheorie versteht er dagegen weit weniger, und so liefert er über weite Strecken ein ungenießbares Gebräu von Halbwahrheiten, haltlosen Spekulationen und Pseudotiefsinn.
Da bleibt, trotz brauchbarer erster Buchhälfte, nur die Einordnung ins Regal für Esoterikmüll.
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