In der Welt der Literatur zum Thema Marke bzw. Markenführung schien es bislang zwei "Konstanten" zu geben: erstens gibt es Bücher mit den Worten "Marke" oder "Branding" im Titel wie Sand am Meer. Und zweitens sind die in diesen Büchern vorgestellten Ansätze, Analyseverfahren und Handlungsempfehlungen oftmals eher weich - pardon - "qualitativ".
Mit ihrem Buch "Die Logik der Marke" bringt Dr. Christine Wichert die zweite "Konstant" definitiv ins Wanken, denn die in diesem - mit unter 200 Seiten erfreulich knapp gehaltenen - Werk genannten Ansätze und Methoden sind durchgehend quantitativ fundiert, analytisch belastbar und praktisch umzusetzen. Was vor dem Hintergrund der Autorin nicht weiter verwundert, hat sie doch in ihrer beruflichen Karriere bei Firmen wie The Boston Consulting Group, BMW, Airbus und Hilti jahrelang - zum Teil als Gesamtverantwortliche - an vorderster Front der Markenentwicklung und -führung gearbeitet. Hier liegt also nicht ein weiteres Werk aus der Theorieküche diverser Business Schools vor, sondern eine Sammlung von Ansätzen und Methoden, die ihre Praxistauglichkeit bereits mehrfach unter Beweis gestellt haben.
Der Bogen, der in dem Buch gespannt wird, ist erfreulich weit - beginnend bei einer holistischen, organisationsübergreifenden Markensicht werden zentrale Punkte wie Markenstärke, Markenidentitäten, Markenstrategien, Markenführung sowie deren Verankerung in der Organisation vorgestellt. Dabei liegt ein starkes Gewicht auf der Praxisnähe der vorgestellten Methoden - wie, zum Beispiel, kann eine Markenidentität geschaffen werden, die tatsächlich "verkauft"? Wie kann eine Markenforschung so designt werden, dass sie statt "Voodoo" (O-Ton Wichert) quantitativ belastbare Faktoren liefert, welche den Auf- oder Umbau einer starken Marke analytisch fundiert ermöglichen? Wie kann eine so entwickelte Marke langfristig erhalten und entwickelt werden?
Was mir an dem Buch besonders gefallen hat, sind Stil und Tiefe des vorgestellten Materials. Bei Punkten wie "organisatorischer Umsetzung der Markenführung" oder "Markenführung in unterschiedlichen Ländern" wird dem Leser die richtige Richtung gezeigt, ihm Material zum Nachdenken an die Hand gegeben, aber es wird vermieden, eine Art Sammlung von Kochrezepten vorzulegen, die zwar einfach in der Umsetzung, aber leider dadurch sehr eingeschränkt in der Anwedung sind. Frau Dr. Wichert gelingt es immer, eine erfrischende Balance zu finden zwischen Breite und Detaillierungsgrad der Themen. Und dabei spricht sie - eine gute Idee - den Leser stets direkt an: "Beginnen Sie Ihre Überlegungen mit ...", "Was ist bei Ihrer Marke ...". So hat das Buch nahezu Workshop-Charakter.
Insgesamt ein überaus erfreulicher und sehr lesenswerter Neuzugang in der Marken-Literatur, für den jeder, der beruflich mit dem Thema Marke zu tun hat, ein wenig Platz schaffen sollte in seinem vollgesandeten Marken-Bücherregal.