Das Buch befasst sich neben Legenden, Mythen und Mysterien auch mit der "initiatischen Tradition" von ihren Ursprüngen bis zum Jahr 1000 n. Chr. Eine zentrale Rolle nimmt hierbei der legendäre Erbauer des salomonischen Tempels namens Hiram ein, der auch "Sohn der Witwe" genannt wird. Nach der Vorstellung von weiteren "Eingeweihten" der Weltgeschichte und verschiedenen antiken initiatischen Vereinigungen geht der Autor zu den mittelalterlichen Gemeinschaften der Bauhütten, Tempelritter und Rosenkreuzer über.
Bei den Ausführungen zum Templerorden sind Ranieri jedoch einige gravierende Fehler unterlaufen. Seine Behauptung, Clemens V. hatte im französischen König Philipp IV. einen "höchst interessierten" Verbündeten gefunden, erweckt er den Eindruck, dass die Initiative zur Vernichtung des Ordens vom Papst ausging. Tatsächlich jedoch war der französische König der Urheber und der Papst (in Avignon) war ihm geradezu machtlos ausgeliefert.
Der größte Teil der Templer wurde auch nicht, wie er schreibt, 1313 verhaftet, sondern bereits 1307. Zudem ist der Todestag des letzten Templergroßmeisters mit dem 13.03.1313 falsch angegeben, denn Jaques Molay starb am 18.03.1314 in Paris auf dem Scheiterhafen. Der König von Sizilien hieß im Jahre 1312 zwar ein Friedrich, jedoch nicht der III., sondern der II.
Interessant ist die Beschreibung der verschiedenen Grade und Riten. "Blaue-"(Johannis-)und "Rote-", "Schwarze-" "Weiße-" (Hochgrad-) Freimaurerei und der "Antike (Alte) und Angenommene Schottische Ritus" werden ausführlich am ausführlichsten beschrieben. Danach folgt die Geschichte der modernen Freimaurerei mit der Geburt der großen Logen im 18. Jahrhundert und die Erläuterung ihrer wichtigsten Regelwerke, wie Constitutionbook, Landmarks und Old Charges.
Ranieri macht deutlich, dass die Freimaurerei weder selbst eine Religion, noch an eine bestimmte Religion gebunden ist. Sie ist allen Religionen gegenüber tolerant. Ein Atheist oder bedingungsloser Freigeist kann jedoch nicht in eine Loge aufgenommen werden. Die Aussage Giovannis Boccaccios , dass die Wahrheit der drei Religionen unbestreitbar ist, weil sie in ihrem tiefsten Wissen nur EINE ist, findet in der freimaurerischen Erkenntnis über "die Religion, in der alle Menschen übereinstimmen" ihren Ausdruck. Zu den Prinzipien der Freimauer gehören neben der verantwortungsbewussten Freiheit (Ethik) und der Brüderlichkeit aller Menschen auch die Unterwerfung unter die Gesetze des Landes, in dem der Bruder arbeitet und lebt (erinnert mich etwas an den Paulusbrief "Römer 13"- Gehorsamspflicht). Dem Freimaurer ist zudem jede Einmischung in die Politik, oder gar die Teilnahme an einer Revolution verboten........
Auf die Widersprüchlichkeiten, da Freimaurer häufig als Vordenker oder Anführer vor allem bei Unabhängigkeitskämpfen (USA, Italien usw.) aufgetreten sind, weist der Autor hin. Ebenso auf die Pflichtenkollisionen eines Maurers zwischen Nation und Loge im Kriegsfall. Auch kennt das Gleichheitsprinzip offenbar keine "Töchter der Witwe", denn Frauen sind von der "regulären Maurerei" ausgeschlossen. Dieser Streitpunkt offenbart einmal mehr, dass das Logenwesen von gegenseitiger Anerkennung, Spaltungen und Neugründungen mit erneuter Anerkennung oder Nichtanerkennung geprägt ist. Diese Eifersüchteleien lassen an
klerikalen Dogmatismus erinnern und sind Ausdruck von elitärem Denken und (männlichem)Chauvinismus. Alles zusammen wiederspricht nicht nur den freimaurerischen Prinzipien, sondern schadet ihrem Ansehen und Glaubwürdigkeit....
Das Buch des Psychosynthetikers (!) Ranieri kann jenen Lesern empfohlen werden, die sich einen groben Überblick verschaffen wollen. Hierzu gehören auch die für einen Nichtmaurer (Profanen) unverständlich und manchmal seltsam anmutenden Rituale und Symbole. Da Verschwiegenheit zu den Pflichten eines Logenbruders gehört, kann das Buch keine tieferen Einblicke in die Hermetik des Freimaurertums bieten. Zusammengenommen ist das leicht lesbare Büchlein, das entgegen seines Untertitels jedoch nichts über die Macht der Freimaurerei aussagt, mit (aufgerundet) 3 Amazonsternen zu bewerten.