Willie Traynor, der Protagonist und Erzähler in Grishams mittlerweile 16. Buch ist diesmal kein Jurist, sondern ein junger Reporter, der nach verkrachtem Studium bei der Ford County Times in Clanton anfängt. Dank glücklicher Umstände und einer reichen Großmutter kann er das Blatt erwerben und geht mit Elan daran, aus der etwas verstaubten Wochenzeitung eine Goldgrube zu machen. Der brutale Mord an Rhoda Kassellaw kommt da gerade recht. Die junge Witwe wurde vergewaltigt und gibt im Sterben des Namen ihres Mörders preis: Danny Padgitt, Mitglied der gefährlichsten Familie im ganzen Landkreis.
Willie Traynor, der über den Mord berichtet, sieht sich bald im Visier der Padgitts, genau wie die Geschworenen des beginnenden Prozesses. Doch, was sich nach einer spannenden Geschichte anhört, entwickelt sich ganz anders. Danny Padgitt wird schnell verurteilt, der Prozess gerät in Vergessenheit und das Leben in Ford County geht weiter. Die Schilderungen des Kleinstadtlebens in den 70ern des letzten Jahrhunderts sind aber so interessant und unterhaltsam, dass man kaum merkt, dass Grisham diesmal keinen Thriller schreibt. Sein Protagonist, ein Außenseiter in der Stadt, hat einen klaren Blick auf die Eigenheiten der Bewohner, der langsam verschwimmt, als Traynor selbst mehr und mehr akzeptiert und integriert wird.
Gegen Ende steigt dann noch einmal die Spannung, allerdings, ein großartiges Ende ist John Grisham auch diesmal nicht gelungen. Zu überraschend und abrupt wirft er die Kleinstadt wieder ins Chaos, um dann alles in Rekordzeit wieder aufzulösen. "Die Liste" überzeugt als Studie des amerikanischen Südens in den 70ern. Themen wie Rassentrennung und der Vietnamkrieg werden aufgegriffen, treten aber nie zu sehr in den Vordergrund. Die Charaktere, die Grisham schildert, sind glaubhaft und (größtenteils) liebenswert. Das etwas merkwürdige Ende verzeiht man ihm daher gerne.