Das Buch ist in erster Linie ein Bilderbuch. Es zeigt eine sehr schöne Zusammenstellung von Studienarbeiten aus der künstlerischen Ausbildung an der Hochschule für Kunst und Design in Halle, der Burg Giebichenstein. Die Studierenden absolvieren hier unterschiedliche Studiengänge wie Malerei, Grafik, Bildhauerei, Medienkunst, Schmuckgestaltung, Kunstpädagogik usw. Während der ersten beiden Semester besuchen sie jedoch alle gemeinsam Kurse zu den Grundlagen der Gestaltung. In der vorgestellten Studieneinheit geht es um den kreativen Umgang mit Linie und Fläche.
Anhand kurzer Texte führt Klieber, der seit 2003 Rektor an der Burg Giebichenstein ist, in die Systematik der Aufgabenstellungen ein. Sie sollen seiner Meinung nach lediglich Anstoß sein, um künstlerische Entwicklungen zu eröffnen. Niemals geht es ihm um richtig oder falsch, sondern vielmehr um den spielerischen Umgang mit Materialien, Techniken und Sichtweisen bis hin zur Ausbildung einer eigenständigen künstlerischen Position. In der Regel ist in seinem Kurs konkretes Anschauungsmaterial Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung. Eine beleuchtete Kaffeekanne, ein mitgebrachtes Fahrrad, Kakteen, Kleiderbügel oder der Inhalt eines Nähkästchens sind mögliche Themen. Die Objekte werden von Klieber bewusst ausgewählt und stehen im direkten Zusammenhang mit einer gestalterischen Aufgabe, etwa dem Variieren der Linie, dem Gestalten mit Positiv- und Negativformen, der Ausgestaltung von Schattenrissen usw. Zudem führt Klieber gezielt Techniken ein, um das Ausdrucksrepertoire der Studierenden zu erweitern. Er lehrt das Colagieren, die Monotypie oder die Absprengtechnik. Besondere Aufmerksamkeit widmet er den eingesetzten Materialien. Gezeichnet wird nicht allein mit Bleistift, Kohle, Tusche und Feder, sondern etwa mit Bürsten und Besen, um großzügige Formate bearbeiten zu lassen und ein Reduzieren der Form aufs Wesentliche anzuregen. Strukturen lässt Klieber anhand zerbrochener Gläser, Knäckebrote und Schallplatten studieren. Pappschachteln bietet er als leicht formbares Material zum Zerlegen, Bemalen und Wiederaufbau an. Das Deformieren und Neuorganisieren, das Auswählen, Abzeichnen und Umgestalten kennt keine Grenzen. Die Arbeitsergebnisse der Studierenden überzeugen. Die Bilder sprechen für sich. So bietet das vorliegende Buch nicht nur Genuss beim Durchblättern, sondern auch zahlreiche, wertvolle Anregungen für jeden Kunstpädagogen, der mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen arbeitet.