18. Jahrhundert, Italien. Die junge Allegra flieht vor ihrem sexhungrigen Verlobten zu ihrem Bruder nach Florenz, mischt sich dort als Kastrat verkleidet unter die Gesellschaft und lernt die Liebe kennen. "Die Lilie von Florenz" ist ein saftiges, pralles Sittengemälde des 18. Jahrhunderts, in dem nicht immer alles so ist, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat.
Das Buch ist in einem flüssigen, gut lesbaren Stil geschrieben, der mir sehr gut gefällt. Auch das Cover ist sehr ansprechend gehalten - und für die Schüchternen sogar abnehmbar. Schön ist auch das Wechselspiel der Perspektiven, bei dem man einmal den einen, dann den anderen Protagonisten kennenlernt. Die erotischen Szenen sind mal sinnlich, mal handfest, aber nie vulgär, und wunderschön zu lesen.
Julie Gordon ist der Spagat zwischen erotischer Raffinesse und psychologischer Tiefe vortrefflich gelungen. Die Entwicklung der Hauptpersonen überzeugt. Faszinierend fand ich dabei vor allem das Schicksal von Luigi, Allegras Bruder, eines um seiner Sangeskunst wegen kastrierten jungen Mannes, der seiner Schwester hilft, ihr Glück zu finden. Auch Allegras Verlobter Matteo - dunkel, geheimnisvoll, arrogant und von einer gewissen Düsterkeit umgeben - macht eine überzeugende Wandlung durch. Und auch die zu Anfang eher leichtlebig und oberflächlich erscheinende Cristina, Matteos bisherige Gespielin, findet ihr Glück. All das hebt "Die Lilie von Florenz" weit über den Durchschnitt erotischer Literatur.
Fazit: Ein gelungener Erotikroman, der alles bietet, was das Herz begehrt: angenehme Schreibe, süffige Sex-Szenen, farbenprächtiges Setting vor historischer Hintergrund und liebenswerte Figuren. Weiter so, Julie Gordon!