Die Liebenden - zugegeben, der Titel ist weder spektakulär, noch besonders aufschlussreich, aber er trifft dennoch genau den Punkt. Wer einen Film a la Pilcher erwartet, sollte nun nicht mehr weiterlesen. Wer einen wirklichen (und ich meine WIRKLICHEN) Liebesfilm sehen möchte, liegt hier richtig. Kein großes Geschrei, kein Zappel, ob er/sie nun liebt oder nicht, keine großen Verwicklungen - einfach nur das Aufeinandertreffen von zwei menscen, die spüren, dass sie füreinander gemacht sind. Und da es keien Zweifel darüber gibt, gilt es nur noch, die Scheu vor dem Unbekannten zu überwinden und zu begreifen, dass es doch das gibt, wonach mich sich gesehnt hat ohne es benennen zu können. Ein Gefühl ist halt immer noch stärker als die Vorstellung davon. Und Jeanne Moreau ist -wie immer- einzigartig in der Darstellung der vernachlässigten, gedehmütigten Ehefrau, die selbst ihr Liebhaber bis aufs Blut langweilt. Und dann tritt er in ihr Leben - der unscheinbar aussehende Mann, der aber seelenverwandt mit ihr ist.
In klaren Bilder am Anfang des Films, romantisch verklärte gegen Ende hin, zieht einen der Film je länger man ihn betrachtet, immer stärker in seinen Bann. Unglaublich toll gespielt die Szene, in der Jeanne Moreau nicht mehr aufhören kann zu lachen und so ihre gesamte Umgebung in Verwirrung stürzt.
Interessant auch folgendes -achtung, wer den Film nicht kennt, jetzt nicht weiterlesen, aber später nachholen:
Im Film verlässt Jeanne Moreau Ehemann und Kind (!). Damals ein unerhörtes Vorgehen (wenngleich Anna Karenina das auch schon tat). In einer deutschen Fernsehfassung wurden sämtliche Szenen, in denen das Kind auftauchte, herausgeschnitten, damit am Ende des Films diese verwerfliche Tat nicht auffällt. Später -und auch in der DVD-Fassung- waren die Szenen wieder dabei.