Pierre Bourdieu gilt als einer der bedeutensten Soziologen des letzten Jahrhunderts und hat mit der in diesem Buch vorgelegten Studie den Grundstein späterer Arbeiten gelegt, wie "Die feinen Unterschiede". Inhaltlich sei dazu folgendes gesagt: Es handelt sich im wesentlichen um eine der größten und noch dazu europaweiten Befragung von Besucherinnen und Besuchern von Kunstmuseen (1965). Handwerklich auf höchstem Niveau, oder wie man heute sagen würde, methodisch akurat, werden die verschiedensten Faktoren auf ihren je unterschiedlich prägenden Einfluß zum Museumsbesuch und deren Häufigkeit analysiert. Jedem Soziologen und jedem an gesellschaftlichen Zusammenhängen Interessierten sei dieses Werk von Bourdieu, Darbel und Schnapper nur zu empfehlen. Es macht, was für Deutschland nicht veraltet sein dürfte, maßgeblich klar, wie Bildungsniveau und Schichtzugehörigkeit korrelieren und wie der Habitus Lebenstil und Kunstgenuß/-interpretationsfähigkeit prägt.
Nun zur Ausgabe: So wertvoll sie inhaltlich ist, so mangelhaft ist die editorische Arbeit. Scheinbar schnell und ohne Kontrolle ist dieses broschierte Buch auf den Markt geworfen worden. Die Übersetzung ist mangelhaft, stilbrüchig und leidet unter der offensichtlichen Vokabulararmut der Übersetzer. Zusätzlich wimmelt es an grammatikalischen Fehlern, Unzulänglichkeiten, die man eigentlich schon in der Grundschule ausgetrieben bekommt. Mit einem Preis von 25 Euro ist dies nicht zu empfehlen, schlimmer noch ist natürlich, daß ein wissenschaftlicher Verlag (UVK) so etwas überhaupt veröffentlicht.
Da es die erste deutschsprachige Auflage von L'amour de l'art ist, kann ich leider auf keinen Ersatz außer die französischen Editionen selbst verweisen.