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5.0 von 5 Sternen
Zynische Brillanz, 15. Dezember 2003
Rezension bezieht sich auf: Die Liebe währt drei Jahre. (Taschenbuch)
Mit der Fortsetzung seiner Trilogie gelingt es Beigbeder einmal mehr sehr dicht dar zu stellen, welche emotionalen Abgründe sich für Marc Maronnier in der Pariser In-Szene auf tun, eine Parodie auf die Gesellschaft und ihre Oberflächlichkeit, in welcher sich Maronnier selber manchmal gerne badet. Beigbeder schreibt überaus selbstkrititisch, stellenweise mit einer sarkastischen Kompaktheit und Schärfe, die durchaus ihres gleichen sucht. Würde man "Die Liebe währt drei Jahre" als Popliteratur einordnen täte man dem Autoren unrecht, es geht entschieden über das Deutsche Verständnis dieses Begriffes hinaus. Ebenso zu loben ist die Übersetzung ins Deutsche, durch welche sich die so einzigartige französiche Sprachmelodie noch gut erkennen lässt. Beigbeder schreibt ein Buch für alle, die sich in dem enormen Tempo unserer heutigen Zeit zu Hause fühlen oder gerne einen Einblick darein gewinnen würden.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein "Finale grandioso", 1. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Liebe währt drei Jahre. (Taschenbuch)
1997 erschien bei Editions Grasser & Fasquelle, Paris, "Die Liebe währt drei Jahre". Marc Marronnier war wieder da: Ohne Gattin Anne. Diese hatte den Untreuen verlassen. Der feiert anfangs seine Scheidung, bis sich erste leise Depressionen einstellen und mit ihnen späte, zu späte jähe Einsichten.
Dummerweise ist Alice, die Frau mit der der Parvenü Ehebruch beging, seit Jahren verheiratet und denkt partout nicht daran, ihren Gatten zu verlassen. Marc Marronnier begeht einen flüchtigen Suizidversuch, der kläglich mißlingt und schreibt Alice Brief um Brief, die er mit Platitüden wie "Dein Marc, der weinte, als er dies schrieb" zeichnet.
Nachdem der Staub sich etwas gelegt hat, beginnt das "Finale grandioso..."
Das sympathische und äußerst ämusante Buch schloss die Marc-Marronnier-Trilogie ab und erschien 2003 auf Deutsch.
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
"Ich schreibe das gleiche Buch wie alle anderen (...)", 11. Juni 2003
Rezension bezieht sich auf: Die Liebe währt drei Jahre. (Taschenbuch)
„Die Liebe währt drei Jahre" ist der dritte und (wohl) letzte Band aus Beigbeders Trilogie (deshalb) um Marc Marronier, den High-Society-Siddhartha der Pariser Jetzt-zeit-Dekadenz. In der Dramaturgie der Liebe (Leidenschaft, Heirat, Scheidung) widmet sich dieses Buch dem nicht unpopulären Abgesang der Liebe, Ihrer zeitlichen Limitiertheit, Ihrer Lügen - und komplettiert damit den Zyklus (man darf es vorweg-nehmen) der zwischenmenschlichen Trinität. Formal ist „Die Liebe währt drei Jahre" das Erklärbuch der Bücher über Marc Marronier.
Meine Freude und meine Erwartungshaltung waren gross, als ich den „neuen Beig-beder" erstand, völlig egal hingegen war mir, dass dies der dritte Teil einer Trilogie ist, deren erste Teile ich zwar gelesen hatte, die mir jedoch nie unabgeschlossen oder „irgendwie spannungsgeladen" schienen (Das kann als Nach- und Vorteil gewertet werden!).
Es ist alles drin, was für gemässigt skandalöse Literatur angezeigt ist. „Eine gefärbte Blondine mit Silikontitten kriegt den Hals mit Sperma voll.(...) Ein Typ mit Maske durchbohrt die Brustwarzen einer Holländerin (...) Eine unerfahrene jugendliche Amateurin lässt sich einen Dildo (Korrekturvorschlag Rechtschreibprüfung: Tilde) in den Anus und einen in die Vagina schieben (...), darüber hinaus wird mit Selbstmord kokettiert, werden Drogen konsumiert und - defätistisch aber immer in der Weise eines „Wortarrangeurs" - selbstbezogen bekannt (Wichskabine, die Schwierigkeit der oralen und analen Erleichterung zu gleichem Zeitpunkt unter Einwirkung bewusst-seinsmindernder Substanzen), dass die Balken eines jeden einzigen Lebens ob solcher theatralischer Vorkommnisse gehörig ins Wanken kommen KÖNNTEN. Nun, immerhin befinden wir uns wohl innerhalb so etwas wie einer Parabel, und da müs-sen die Wechsel „sitzen" (Die Tatsache, dass B. so häufig als Erzähler darauf hinweist, wie sich die Teile aneinanderfügen WERDEN, hinterlässt dann doch den An-schein von Unsicherheit, ob hier eigentlich noch jemand dem Konzept folgt.).
Und alles liest sich nach dem braven Muster. Es tönt so skandalös daher und lässt doch die Melodie nie vermissen. Ich habe mich mit allem, was B. schreibt , einvestanden erklärt, ohne mich dadurch ein Stück weiser oder aufgeklärter zu fühlen. Es bewegt mich nicht. Fehlt ein (einziger) kontroverser Gedanke? Wird sich am Ende auch die wirklich gute neue französische Literatur trivialisieren? Gibt es überhaupt noch ein literarisches Geständnis, dass uns verwirrt? Sind allein diese Fragen der Zweck dieses Buches (Das wäre ohne Zweifel mutig und wird zumeist als Ausrede in der deutschen Literatur angeführt!). So wie die Bücher B.s daher kommen, muss der Zustand des gleichgültigen Lesens von ihm entweder bewusst initiiert oder das Re-sultat anderer Intentionen sein.
In letzterem Falle ist es - für mich - ein enttäuschendes Buch. Ich hatte häufig den Eindruck, B. schreibt über Jahre an dieser Trilogie auf eine Pointe zu, die sich bei Veröffentlichung als „it's understood" darstellt.
Da ist noch sein Stil, die direkte Ansprache, in der sich B. am sympathischsten und einen Blick in sein Innerstes gibt, aber eigentlich tut er das die ganze Zeit. Also hin und wieder ein stilistischer Versuch, einen Bruch und damit die Aufmerksamkeit des Lesers zu erzeugen - aber in all der Bekenntnistiefe seines „Tagebuches" existiert (für uns) kein Geheimnis mehr, das der Aufmerksamkeit lohnte. B. beichtet uns bis-weilen in die Langeweile. Dieses Manko bekommt er nicht in den Griff. Das ist schade. Das kleine, von sich aus funkelnde und perfekte Juwel, das uns die Dreiteilung der Trilogie suggerieren möchte, liegt da einfach nicht vor uns.
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