Sieben Bücher, sieben Blickwinkel: Den besten Überblick über die Liebe hat Bas Kast mit Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt geschrieben. Auslöser war nach Kasts Angaben seine eigene Verliebtheit - diesen Einstieg finde ich etwas plump, aber ein besserer ist mir auch nicht eingefallen, und es geht noch schlimmer, wie man am Beispiel der virtuellen Bianca und Michael sieht (siehe Froböses "Lust und Liebe"). Jedenfalls war Kast verknallt und so begab sich der Wissenschaftsjournalist auf die Spuren von Liebe und Leidenschaft, Sehnsucht, Partnerwahl und Trennung. Herausgekommen ist eine "Gebrauchsanleitung für die Liebe", die höchst amüsant und spritzig, gleichzeitig wissenschaftlich fundiert geschrieben ist. Kast lässt uns in alle Phasen der Partnerschaft blicken. Er beschreibt, wie unterschiedlich ein erster Blickkontakt auf Männlein und Weiblein wirkt und wie glückliches Verliebtsein sich an den Hormonen ablesen lässt. Weiter führt uns der Autor in das Geheimnis von langjährigen Beziehungen ein und erklärt, wie die fünf apokalyptischen Reiter ein jeder Partnerschaft das Ende bereiten. Der "Rosa-Brille-Effekt". Viel Raum gewährt er den Berichten des Paarforschers John Gottmann aus Seattle - der Mann hat es ihm angetan. Gottmann hat jahrzehntelang Paare beim täglichen Leben beobachtet. Das war, so scheint es, ziemlich langweilig. Und aus dem ganzen Alltags-Kram destillierte der Forscher heraus, dass der Erfolg einer Beziehung davon abhängt, wie die Partner miteinander umgehen. Je aufmerksamer, interessierter und liebevoller, desto besser für die Liebe. Damit hat Gottmann gleich zwei Beziehungstheorien in die Archive verbannt. Nicht richtig ist nach seiner Ansicht die Theorie, dass man sich immer alles sagen muss, um glücklich miteinander zu sein. Er meint, nicht WORÜBER man redet, sondern WIE man miteinander spricht, sei das Erfolgsrezept für Partnerschaft. Respektvoll miteinander über Waschmittel im Supermarkt zu sprechen ist demnach besser für die Beziehung als jede Regung des Gefühlslebens auszudiskutieren. Außerdem sei Streiten viel unwichtiger für die Liebe als man bisher angenommen hat. Auch Paare, die sich viel und heftig streiten, können eine erfolgreiche Partnerschaft leben. Jetzt fragen Sie sich vielleicht, warum Sie sich jahrzehntelang im konstruktiven Streiten und Gefühle-Diskutieren geübt haben? Machen Sie sich keinen Kopf darum - vielleicht hat es nicht viel genutzt, aber auch nicht geschadet. Weil Kast nicht nur eine wissenschaftliche Abhandlung schreiben, sondern auch Rat geben will, entwickelte er eine "Liebesformel" die sich eigentlich banal anhört, im Alltag aber nur mit viel Mühe nachzukochen ist. Sie besteht aus den Ingredienzien: Stete Zuwendung, Wir-Gefühl, Akzeptanz, Positive Illusion und Aufregung im Alltag. Respektvoll muss man miteinander umgehen und seinen Partner ein bisschen durch die rosa Brille Partner sehen. Diejenigen, die schon lange in einer Beziehung leben, werden jetzt einen "AHA"-Effekt verspüren, oder nicht? Insgesamt ist das Buch angenehm kurz, ohne viel Psycho-Geschwafel - aber am Ende bin ich doch das Gefühl nicht los geworden, dass erfolgreiche Partnerschaft doch schwieriger ist, als es sich beim Lesen angefühlt hat.