Der Autor des Buches, John Paschals Rodgers, erzhält in diesem Buch die Gesichte seiner Mutter und zugleich seine eigene.
Die Gesichte fängt im Jahr 1930 in den Straßen von Irland an. Dort wird die zweijährige Bridie Rodgers aus den Slums in ein katholisches Fürsorgeheim gebracht, wo sie - im Gegensatz zu den anderen Heimkinder, die alle früher oder später an eine Pflegefamilie vermittelt werden - aufgrund eines Gerichtsbeschluss bis zu ihrem vierzehnten Lebensjahr bleiben muss und ein Leben unter Nonnen fristet.
Anschließend wird Bridie zu der fünfköpfigen Familie der O'Malleys geschickt, wo sie im Haushalt schwer schuften muss und sich um die drei Kinder kümmern soll. Mr O'Malley ist gegenüber Bridie stets sehr freundlich und aufmerksam, wohingegen Mrs O'Malley ständig etwas an Bridies Arbeitsweise auszusetzten hat. Nach einem schlimmen Streit mit Mrs O'Malley flieht Bridie schließlich. Als sie nachts um das Haus schleicht, in der Hoffnung auf eine günstige Gelegenheit, um ihre wenigen Habseligkeiten zusammenzupacken, wird sie vergewaltigt.
Die O'Malleys schicken die daraufhin schwangere Bridie daraufhin in ein Heim für ledige Mütter (auch wieder ein katholisches Heim mit Nonnen), in dem sie schließlich John Paschal zur Welt bringt. Schweren Herzens muss sie sich von ihrem Sohn trennen, denn von den Schwestern wird sie gewzungen, ihren Sohn zur Adoption freizugeben.
Was man aus der Inhaltsangabe des Buches nicht herauslesen kann, was aber eigentlich den Hauptteil der Gesichte ausmacht, ist, dass Bridie, nachdem sie ihren kleinen Sohn zur Adoption freigegeben hat, in ein Magdalenen-Heim gesteckt wird, wie es sie im 19. Jahrhundert in England, hauptsächlich aber in Irland für Mädchen gab, die "Schande" über die Familie gebracht hatten, indem sie etwa einem Jungen hinterhersahen, vergewaltigt worden sind oder indem sie ein uneheliches Kind zur Welt brachten. Wie grausam die sogenannten "barmherzigen Schwestern" mit ihren "Büßerinen" umgingen, die tagein, tagaus Wäsche für bestimmte Einrichtungen oder Hotels der gesamten Umgebung waschen mussten und dort wie in einem Gefängnis lebten ohne jemals ein Stück Geld zu verdienen, wird in diesem Buch sehr anschaulich und schokierend beschrieben. Nur ein Familienmitglied hatte die Möglichkeit, die Mädchen aus diesem Heim wieder herauszuholen.
Bridie und ihre Freundinnen geben die Hoffnung jedoch nicht auf, sich aus den Klauen der Schwestern zu befreien und Bridie träumt davon, eines Tages wieder mit ihrem Sohn vereint zu sein ...
Das Buch ist sehr einfach geschrieben. Es is niemals langatmig oder langweilig, sondern durchweg spannend und fesselnd und sehr bewegend - und oft auch ziemlich traurig.
Besonders gelungen ist der Mittelteil des Buches, der vom Leben im Magdalenen-Heim und den vielen Fluchtversuchen erzählt. Dagegen wirken Anfang und Ende etwas farblos.
Zudem scheint es auch, als ob es dem Autor, J. P. Rodgers, schwer fällt, über sich selbst in der dritten Person zu schreiben. Zudem wechselt die Schreibweise manchmal innerhalb des gleichen Abschnitts von der Gegenwart in die Vergangenheit. Außerdem fehlen an vielen Stellen Absätze, wo sie eigentlich doch sehr sinnvoll gewesen wären.
Ein gravierender Fehler ist meiner Ansicht nach auch, dass der Autor vergessen hat, am Ende des Buches nochmal ein Wort über Lilly zu erwähnen. Es wird erzählt, was ihr schreckliches zustößt, danach wird aber kein Wort mehr darüber verloren, was nun aus ihr geworden ist, was ich sehr schade finde.
Trotzdem ist "Die Liebe meiner Mutter" doch ein schönes und packendes Buch, dass ich bestimmt noch das ein oder andere Mal lesen werde. Vor allem Bridie und Josephine sind mir beim Lesen sehr ans Herz gewachsen, was ich von John Paschal leider eher nicht sagen kann. Ihm konnte man sie nie so richtig Nahe oder verbunden fühlen. Schade, aber deshalb insgesamt nur vier Sterne von mir.