Andrei Makine's Buch "Die Liebe am Fluss Amur" ist eines der Bücher, in die man eintaucht und nur schwer wieder auftauchen kann. Die Geschichte dreier Jugendlicher in einem abgelegenen Dorf in der Taiga, in deren abgeschiedenes Leben plötzlich die grosse weite Welt in Gestalt von französischen Belmondo-Filmen einbricht, ist nicht nur eine Geschichte über Freundschaft, Erwachsenwerden und die erste Liebe. Es ist zugleich ein Buch über die Befreiung und Freiheit des Einzelnen, das sich Öffnen für und Aufbrechen in eine neue Welt. Dabei macht es die poetische Sprache Makines möglich, diese Schritte mit den Jungen zu erleben. Man spürt förmlich die Kälte des sibirischen Winters, die Einsamkeit der Wälder und kleinen Dörfer, aber auch den Drang nach Leben. Leider gibt es Bücher wie dieses, die interessante Handlungen mit grosser Erzählkunst verknüpfen viel zu selten. Makine hat mit diesem Buch, wie auch schon mit dem "Französischen Testament", wieder einmal seine literarische Meisterschaft bewiesen.