Mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht ist jetzt das neue Buch über die Liebe der Väter von Thomas Hettche erschienen.
Wer nimmt sich heute schon öffentlich einsamer Väter an, die alle Rechte auf ihre Kinder nur mühsam und mit den Mitteln des Kampfes erreichen können?
Die Liebe der Väter ist das, was zählt, aber niemand scheint ihnen glauben, wenn sie sich nach ihren Kindern sehnen und den Kontakt zu ihnen pflegen wollen.
Thomas Hettche hat in einem sehr persönlichen Buch die Liebe eines Vaters zu seiner Tochter abgehandelt, die sich durch lange Trennungen schwierig und mühsam gestaltet.
Auf Sylt verbringt Peter die Tage zwischen den Jahren zusammen mit Freunden und deren Kindern. Dass Annika, seine Tochter, verschlossen, renitent und aufmüpfig ist, macht das Zusammensein nicht gerade leicht für ihn und seine Gastgeber. Annika ist etwa13 Jahre alt und lange Zeiten des Schreckens und des Kampfes liegen hinter ihr und ihrem Vater. Die Mutter wusste viele Male die Kontakte zu unterlaufen, wie das so viele Scheidungs- und Trennungskinder erleben.
Peter wird beschrieben als ein Tastender und Suchender bei seiner Annäherung an die störrische Tochter.
Zweifel an der wahren Vaterschaft behindern zudem das Glück für Peter, nun endlich einmal ein paar Tage am Stück mit der Tochter zu verbringen.
Gespräche zwischen den Erwachsenen berühren Themen, wie sie sich zwischen Paaren leicht ergeben, die mit ihrer jeweiligen Lebenssituation innerlich beschäftigt sind. Reflektierend und sensibel beschreibt Thomas Hettche die inneren Nöte und Kämpfe eines Mannes, der so gerne ein guter Vater wäre!
Hinter seiner Geschichte verbirgt sich ein Drama, das zeigt, wie schwer es Väter haben, wenn sie einmal aus dem Familienverbund, hier dem zwischen Mutter und Tochter, ausgeschieden sind. Nicht immer ist der Zusammenhalt von Töchtern und Müttern nur von Vorteil für die Kinder.
Fein, sensibel und höchst empfindsam geht der Autor Thomas Hettche das brisante Thema an. Die Insel Sylt mit ihrem besonderen Reiz für Bewohner und Liebhaber der Insel erfährt ebenso eine Hommage wie die Beziehungen zwischen Vätern und Töchtern! Ganz versteckt gibt es auch noch eine Liebeserklärung an den Buchhandel und das Lesen im besonderen, denn Peters Mutter pflegte in den Sommermonaten in einer kleinen Buchhandlung in Kampen auszuhelfen; der Protagonist ist selber auch im Buchhandel tätig.
Stimmungen und verfängliche Gefühle berühren tief die Seelen der Betroffenen. Unter Schmerzen finden Vater und Tochter zusammen, und unter Schmerzen müssen sie von einander lassen.
Ein ungewöhnlicher und sehr zu empfehlender Roman ist dem Autor gelungen. Er ist packend, realitätsnah und tiefenscharf in seinem Sujet. Höchste Anerkennung für Thomas Hettche!